Mainzer Junioren gewinnen durch Treffer in der 89. Minute
Jahn trotz Profi-Quartetts trostlos

Lichtblick bei Mainz: Wirbelwind Devante Parker (links). Bilder: dpa
 
Lichtblick bei Mainz: Wirbelwind Devante Parker (links). Bilder: dpa

Bis zur letzten Minute schien sich der Einkaufsrausch des Jahn-Präsidiums gelohnt zu haben – die Null stand. Dann trat Fabian Trettenbach über den Ball, der nach mäßiger Freistoßflanke durch den Strafraum irrte, und Damian Roßbach brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten. Der Last-Minute Sieg wirft die Regensburger nach einem Tag auf Platz 19 wieder zurück in den finsteren Tabellenkeller.

Die Vorschusslorbeeren von allen Seiten sind längst verwelkt, als der SSV Jahn zum seltenen Sonntagsspiel in blauen Trikots bei der zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 im Bruchwegstadion einläuft. Neuzugang Grégory Lorenzi übernimmt die linke Abwehrposition, Fabi Trettenbach stößt zu Oli Hein auf die Doppelsechs – die neuformierte Jahn-Defensive um die Neuzugänge Palionis, Lorenzi und Sinkiewicz hinterlässt bei den überschaubaren Vorstößen der Jung-Mainzer einen stabilen Eindruck.

Alle Viertelstunde ein Schuss

Es dauert eine gute Viertelstunde, ehe sich der Jahn dem Tor der Gastgeber nähert: Daniel Franziskus mit überlegtem Seitenwechsel zu Uwe Hesse – der zieht ab, aber keine Gefahr für Jannik Huth im Mainzer Kasten – Ex-Jahn-Keeper Hendl schmort auf der Bank. SSV-Coach Alex Schmidt sieht Handlungsbedarf, Trettenbach tauscht mit Azur Velagic und soll über rechts für mehr Dampf sorgen (25.). Auch der zweite Schussversuch hat einen Namen: Hesse nimmt den zweiten Ball nach einer Ecke wieder erfolglos aus der Distanz.

Nach einer halben Stunde dann auch mal Gefahr vorm Jahn-Tor: Sinkiewicz fälscht Petar Sliskovic Schuss ab, Bergdorf pariert gedankenschnell (27.). Mainz wird stärker. Besonders Devante Parker ist rechts außen kaum zu bremsen – einen Eckball lupft er von links direkt an die Latte (28.). Und als Trettenbach einen Eckball nur bis zur 16er-Kante wegkicken kann, hat Benedikt Saller freie Schussbahn – drüber (37.). Summa summarum sind das die Höhepunkte einer ereignisarmen ersten Halbzeit.

Doppelwechsel ohne Wirkung

Beste Chancen für die Mainzer zu Beginn von Hälfte 2: Parkers Freistoß zischt knapp vorbei. Sinkiewicz und Bergdorf retten in Koproduktion, als Parker im 16er abzieht (50.). So hat sich das Regensburgs Trainer sicher nicht vorgestellt. Er bringt Thomas Kurz für den blassen Herzel (52.). und Andi Geipl für Hesse (53.) – Trettenbach jetzt im offensiven Mittelfeld, Velagic wieder rechts hinten und Geipl übernimmt die vakante Position auf der Doppelsechs.

Es dauert wieder eine Viertelstunde, ehe der Gast zu einer Torraumsituation kommt: Freund und Feind verfehlen Trettenbachs Freistoß – und ob Franziskus noch dran gekommen wäre, werden wir niemals erfahren. Ein Mainzer klärt rechtzeitig. Andi Geipl versucht‘s kurz darauf mit einem Distanzschuss – doch Huth ist bei dem abgefälschten Ball auf der Hut (61.).

Keine Gefahr bei Jahn-Freistößen

Jetzt soll‘s Andi Güntner richten: Daniel Franziskus muss weichen (69.). Ist das bereits ein erstes Winken mit der weißen Fahne? Es bleibt auf beiden Seiten ein Risiko-Vermeidungsspiel. Das einzige Mittel, mit dem der SSV bei diesem Gastauftritt für etwas Hoffnung sorgt, sind Freistöße: Doch trotz vieler Übungsmöglichkeiten von allen denkbaren Positionen geht auch von ihnen keine Gefahr aus.

Und wenn der eine nicht will, dann macht‘s eben der andere: Eine nicht gerade Panik erregender Freistoß geschlagen von Philipp Klement aus 35 Metern, ein Ball, der mit Sicherheit andere Pläne hatte, ein Fabian Trettenbach, der ein Luftloch schlägt, und schon kann sich Roßbach – und mit ihm 668 Regionalliga-taugliche Zuschauer – ins Fäustchen lachen. Der 21-jährige Abwehrspieler macht aus fünf Metern das Golden Goal (89.).

Ein Schmidt ist zufrieden

„Wir haben heute einen sehr wichtigen Sieg eingefahren, wenn er auch etwas glücklich war“, bilanziert der Mainzer Trainer Martin Schmidt die Partie. „Im Laufe der Saison haben auch wir bereits solche enge Spiele verloren.“ Der Reifeprozess, den die Mannschaft zur Zeit durchmache, sei heute wieder sichtbar gewesen. „Diese Entwicklung wollen wir natürlich auch in Zukunft durch harte Arbeit fördern."

Am nächsten Spieltag tritt der Abstiegskampf in die nächste Runde: Am Freitag, 19 Uhr, können die Mainzer (15./16 Punkte) bei der SG Sonnenhof Großaspach (19./11) weiter Boden gut machen. Der Jahn (20./11) empfängt wieder an einem Sonntag, 14 Uhr, den Halleschen FC (14./18).

Aufbruchstimmung sieht anders aus

Die Moral? Durch das Remis von Dortmund und Rostock und die Niederlage der Großaspacher bleibt das rettende Ufer in Sicht – Hansa als Tabellen-17. hat lediglich zwei Punkte mehr auf dem Konto. Dass die Einkäufe des Sportchefs der Defensive etwas mehr Stabilität verleihen, kann man nach einem (späten) Gegentor in zwei Spielen als positive Erkenntnis mitnehmen.

Weniger erfreulich: Eine Aufbruchsstimmung sieht anders aus. Vielleicht versucht die Führungsmannschaft beim Jahn nach der ersten Schnäppchenjagd im Defensiv-Shop nun ihr Glück im Stürmer-Discount – genügend Geld dafür ist demnächst vorhanden. Dann wird man erstmals auch in Regensburg unter Live-Bedingungen den Beweis antreten können, ob Geld vorne Tore schießt und hinten verhindert.