Meisterfeier muss noch warten

Bis zehn Minuten vor Spielende sah es gar nicht danach aus, als ob es für den FC Bayern bereits am 30. Spieltag mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft klappen könnte. Dann traf Bastian Schweinsteiger (links) nach starker Vorarbeit von Mitchell Weiser zum 1:0 gegen Hertha BSC. Als am Sonntag der VfL Wolfsburg mit 0:1 in Mönchengladbach stolperte, war der 25. nationale Titelgewinn für die Bayern perfekt. Bild: dpa

Ein Titelgewinn im Stadion ist schöner, findet Kapitän Lahm. Nach Schweinsteigers Siegtor gegen Hertha macht aber erst Gladbach die Bayern auch rechnerisch zum 25. Mal zum Meister. Spontane Party? Nein. "Abschießen" vor den großen Spielen ist halt nicht drin.

Ganz gemütlich auf der heimischen Couch konnten die Bayern mit einem Gläschen auf den ersten von drei geplanten Titeln anstoßen. Eine spontane Jubelparty gab's nicht, auch einen gemeinsamen Fernsehabend hatten Kapitän Philipp Lahm und seine Kollegen nicht organisiert. Den Gewinn des 25. Meistertitels durch das Gladbacher 1:0 am Sonntagabend gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg nahmen sie beim FC Bayern eher beiläufig zur Kenntnis.

"Fantastisch gemacht"

Stolz auf den ersten Titelstreich waren die unersättlichen Münchner Trophäenjäger natürlich dennoch: "Den Titel zu verteidigen, das ist schon etwas Großartiges", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Mannschaft und Trainer hätten es "fantastisch gemacht im Jahr eins nach einer Weltmeisterschaft, wo viele Spieler von uns auf dem Platz standen". Ehrenpräsident Franz Beckenbauer wählte im TV-Sender Sky einen liebevollen Vergleich: "Den 25. Titel kann man mit einer Silbernen Hochzeit vergleichen."

Sportvorstand Matthias Sammer oder auch der verletzte David Alaba hatten es am Sonntagabend vorgezogen, lieber den Basketballern des FC Bayern im Bundesliga-Topspiel gegen Alba Berlin zuzuschauen. "Eine Meisterschaft ist nie etwas Normales", sagte Sammer danach: "Aber man will mehr", kündigte der Erfolgsbesessene sofort an.

Pep Guardiola hatte die rechnerische Gewissheit ohnehin nicht abwarten wollen. "Wir sind schon Meister", entschied der Trainer einfach am Samstagabend nach dem ökonomischen 1:0-Heimsieg gegen Hertha BSC. Für Guardiola war Bastian Schweinsteiger mit seinem goldenen Schuss das Münchner Meisterstück gelungen - basta! Auch Hertha-Coach Pal Dardai gratulierte schon vor dem offiziellen Vollzug zur Titelverteidigung: "Glückwunsch FC Bayern."

Dortmund im Blick

Haken drunter, weiter geht's! Zeit und Muße zum Genießen haben die Münchner vor den großen Halbfinalspielen im Pokal gegen Borussia Dortmund (Dienstag, 20.30 Uhr, ARD) und der Champions-League gegen den FC Barcelona eh nicht. Das Timing beim "wichtigsten Titel" (Guardiola) passte in diesem Jahr halt nicht.

"Feiern können wir sowieso nicht. Wir können uns ja nicht abschießen - Dienstag ist wieder ein wichtiges Spiel", sagte Thomas Müller angesichts des Pokal-Hits gegen den BVB. Der Weltmeister bedauerte die gebotene Nüchternheit, mit der die Münchner Vielspieler den 989. Sieg im 1700. Bundesligaspiel mit den 75 000 Zuschauern im Stadion bejubeln mussten. "Es ist ein bisschen schade, weil diese Meisterschaft so in den Hintergrund rückt,", sagte Müller. Bierduschen, Meisterschale, Jubeltrauben auf dem Platz - all das muss noch ein paar Wochen warten. "Irgendwann werden wir auf dem Rathausbalkon stehen. Und dann werden wir richtig feiern", sagte Kapitän Philipp Lahm zum verabredeten Party-Programm nach dem Saisonfinale im eigenen Stadion gegen den FSV Mainz am 23. Mai.

Weisers großer Moment

Es war ausgerechnet der Azubi Mitchell Weiser, der am Samstag vor 75 000 Zuschauern für den einen großen Moment sorgte, den Altmeister Schweinsteiger bei seinem Comeback nach drei Wochen Abstinenz in der 80. Minute mit dem Siegtor vollendete. Gleich vier Berliner tanzte Weiser auf dem rechten Flügel ebenso filigran wie energisch aus, bevor er Schweinsteiger den Ball maßgerecht auflegte. "Ein Geniestreich von Mitch", lobte Manuel Neuer.
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