Messi entzaubert Guardiola

Die SpVgg SV Weiden will gegen den Spitzenreiter Viktoria Aschaffenburg einen Sieg bejubeln. Bild: A. Schwarzmeier

Einmal Real, einmal Barça: Die nächsten heftigen Halbfinal-Prügel für Pep Guardiola mit dem FC Bayern werfen Fragen auf. Der bewunderte Trainer steht nach der magischen Nacht von Lionel Messi vor schwierigen Herausforderungen und Prüfungen in München.

Pep Guardiola vergrub das Gesicht kurz in seinen Händen. Weit nach Mitternacht, als fast alle Bayern-Stars und selbst Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge längst das Bankett verlassen hatten, tauschte sich der spanische Star-Coach bei seiner qualvollen Barça-Rückkehr immer noch mit Bruder Pere aus. Weder Pep Guardiola noch Rummenigge noch Philipp Lahm und Co. konnten sich das schockierende Halbfinal-Erlebnis mit der geballten Messi-Magie in der Champions-League wirklich erklären.

"Ich bin traurig, nicht wegen dem Ergebnis, sondern einfach, wie das Spiel gelaufen ist. Die Mannschaft hat 77 Minuten heldenhaft gekämpft, gefightet", sagte Rummenigge in seiner Ansprache nachts um fünf vor Zwölf und mühte sich um aufbauende Worte. Helfen konnte das nicht. "Wir sind an unsere Grenzen gestoßen", gestand Sportvorstand Matthias Sammer. Ohne Ausnahmekönner wie Robben, Ribéry oder Alaba sind die Bayern kein Gegner auf Augenhöhe. "Jetzt müssen wir uns erst mal schütteln", sagte Sammer.

Nach einer kurzen Nacht schritt Guardiola am Donnerstagmorgen gefasst Richtung Sonderflieger mit dem Namenszug "Leverkusen" - dem Inbegriff für zweite Plätze im deutschen Fußball. Eine deprimierende letzte Saisonphase steht nun für den Triple-Sieger von 2013 an. Zwei Jahre nach dem Königsklassen-Triumph und ein Jahr nach dem Double startet der "FC Ruhmreich" mit größter Wahrscheinlichkeit ohne rauschende Final-Party, dafür aber mit quälenden Fragen in die Sommerpause. Was fehlt zu den Triumphen von 2013? Muss der Umbruch früher vollzogen werden? Gestaltet Pep das Team nun ganz nach seinen Wünschen um?

Kein Vorwurf von Guardiola

Guardiola, der in nicht einmal zwei Bayern-Jahren mehr K.-o.-Pleiten in der Königsklasse kassierte als in seiner vierjährigen Erfolgsära als Barça-Trainer, mochte der von einer kaum zu glaubenden Verletztenmisere verfolgten Mannschaft "keinen Vorwurf machen". Angesichts der großen Personalprobleme dankte er sogar seiner Formation: "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Ein großes Lob."

Die 95 639 Augenzeugen im Stadion huldigten aber einem einzelnen Akteur: Lionel Messi. Der argentinische Weltstar, der mit Guardiola in vier Jahren 14 Titel gewann, entzauberte seinen Ex-Chef und war am Ende auch vom weltbesten Torwart Manuel Neuer nicht aufzuhalten. "Ein paar Mal bin ich der Gewinner gewesen und am Ende der Verlierer", erklärte der Welttorhüter, erstmals bezwungen vom viermaligen Weltfußballer. Nach Messis Treffern Nummer 76 und 77 in der Champions-League legte Neymar - natürlich nach Vorarbeit von Messi - das 3:0 nach. "Das letzte Tor ist natürlich auch noch mal ein Killer", ergänzte Thomas Müller nach dem glorreichen Tag des 111-Tore-Sturms. Für Verwunderung sorgte Guardiola, als er Müller wie schon gegen den BVB auswechselte.

Zuletzt 2011 kein Finale

Das Königsklassen-Ausscheiden vor Augen schmerzt das Pokal-Aus gegen Dortmund noch einmal richtig nach. Zuletzt gab es 2011 keinen Finalauftritt der Münchner. Um doch noch am 6. Juni in Berlin um Europas Krone zu kämpfen, brauchen die Bayern am Dienstag, 12. Mai, in der heimischen Arena eine "Fußball-Sensation" (Müller) oder vielmehr ein "Fußball-Wunder" (Rummenigge). Dem 1:3 in Porto ließen sie im Rückspiel das 6:1 auf dem Weg ins Halbfinale folgen. Aber gegen dieses Barcelona und erst recht gegen diesen Messi zieht eine Wiederholung keiner ernsthaft in Betracht.
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