Mit 2:1 erster Dreier in der Dritten in Dortmund
Jahn stoppt freien Fall

Die Freude hielt zwar nicht lange: Bene Schmids 1:0-Treffer bejubeln Haag, Windmüller, Jimi und Marius Müller, Anastasopoulos, Kurz und Nachreiner. Aber Jimmy Müller sorgte schlussendlich für Nachhaltigkeit.

Egal wie: Der freie Fall ist gestoppt. Mit späten Toren sichern Benedikt Schmid (73.) und Jim-Patrick Müller (85.) den ersten Saisonsieg, den Dortmunds Kapitän David Solga per Foulelfmeter (82.) zwischenzeitlich in Frage gestellt hatte.

Gerade mal 2258 Zuschauer verfolgen im sonnigen Dortmunder Rote-Erde-Stadion die Partie der zuletzt gebeutelten Teams. Borussen-Coach David Wagner wechselt nach dem 0:4 in Heidenheim auf mehreren Positionen und lässt u.a. Abwehrspieler Jannik Bandowski in den Kader zurückkehren. Der zuletzt etatmäßige Torhüter Bonmann wird vom lange verletzten Ex-Stammkeeper Zlatan Alomerovic vertreten. Der Dortmunder Nachwuchs möchte heute seine kleine Heimsiegesserie – zwei Spiele, sechs Punkte – ausbauen.

Jahn-Coach Thomas Stratos schickt erstmals für die zuletzt enttäuschende Spielmacherhoffnung Anastopoulos Benedikt Schmid von Anfang an aufs Feld. Der fünffache Torschütze vom Mittwoch gegen Laimerstadt rückt in die Spitze, Thomas Kurz neben Andi Güntner zurück auf die Doppelsechs.

Stratos-Auftrag „Schnelles Tor“

Schiri Jablonski führt die Gladiatoren in Borussen Gelb-Schwarz bzw. Jahn-Rot zu den Stromgitarren von Hells Bells aufs Feld. Schon nach drei Minuten möchte Abdenour Amachaibou, gemäß dem Stratos-Auftrag „schnelles Tor“, dem Gastgeber zeigen, wo die Regensburger den Most vermuten – nach mustergültigem Anspiel von Jimmy Müller knallt der 7er die Kugel aus elf Metern über den Kasten. So kann’s weitergehen – und tut es auch: Aosman steil auf Müller, doch der Winkel ist zu spitz, der Dortmunder Schlussmann zur Stelle (4.).

Nach rund zehn Minuten bekommen die Gastgeber das Spiel besser in den Griff. Tim Treude allein vor Wiegers, doch anstatt einzulochen, spielt er noch einmal quer und gibt so dem Regensburger Keeper die Möglichkeit, den Ball abzugreifen. Auch sieben Minuten später ist der Unglücksrabe vom Chemnitz-Waterloo auf dem Posten: Einen Schuss aus zehn Metern wehrt er reaktionsschnell per Fuß ab (17.).

Jahn-Drangphase vor der Pause

Es dauert bis zur 40. Minute, ehe eines der beiden Tore wieder ernsthaft in Gefahr gerät. Bene Schmid macht in der eigenen Hälfte alles richtig, schnappt sich die Kugel, geht auf und davon – BVB Keeper Zlatan Alomerovic stürzt aus seinem Kasten und rettet in letzter Sekunde. Zwei Minuten später bedient Schmid Amachaibou – dessen Flanke aus aussichtsreicher Position in der Abwehr landet.

Der Jahn merkt jetzt, dass er die Führung noch vor der Pause erzwingen kann: Das neue Traumduo wieder im Zusammenspiel, Schmid auf Amachaibou, der zieht am Elfmeterpunkt ab und findet in Alomerovic seinen Meister (43.). Jetzt haben die Jungborussen aber die Faxen dicke, Marvin Ducksch möchte ein Zeichen der Gegenwehr setzen und schubst Wastl Nachreiner mit Vehemenz gegen den herausgeeilten Wiegers – Gelb für den Rambostürmer, bei den Jahn-Kämpen geht’s zum Glück weiter. Allerdings geht’s jetzt erst mal in die Katakomben

Nach Ecken steht es 5:0 für den Jahn, faktisch aber 0:0. Vor der Halbzeitpause wäre ein Nackenschlag gegen die stolpernden BVBler drin gewesen.

Amachaibous Doppelchance

Es dauert fünf Minuten, ehe sich der Jahn in Hälfte zwei erstmals aussichtsreich dem Dortmunder Tor nähern kann. Amachaibou zirkelt den Ball aus etwa 18 Metern halbrechts ans Außennetz. Auch die zweite Chance geht aufs Konto der Regensburger 7: Nachdem Amachaibou schön freigespielt wird, verzieht der von der Strafraumgrenze nur um wenige Zentimeter (54.).

Aufgepasst: Gelbschwarz spielt auch noch mit. Drum bekommt vier Freiraum, zieht vom 16er ab. Wiegers hellwach und zeitgleich mit dem Ball am Boden (55.). So viel Trubel im eigenen Strafraum macht die Roten schnell nervös: Plötzlich Chaos im Regensburger Strafraum, die Kugel erst im dritten Anlauf aus der Gefahrenzone (58.). Der angeschlagene Aosman baut jetzt sichtbar ab, Stratos zieht die Konsequenz und bringt Marius Müller (59.).

Dortmund mit Doppel-Alu

So haben wir uns das nicht vorgestellt: Plötzlich spielt Gelb-Schwarz auf Sieg, Basti Nachreiner räumt 20 Meter zentral vorm Jahntor seinen Gegenspieler um – ist das jetzt so eine Situation, von der Stratos sagte: „Man muss wissen, wo man foult und wo nicht“!? Du meine Güte, Pfostenkracher, viel Glück für Wiegers (61.).

Wo sind nur Konzentration und letzter Wille geblieben? Dortmund jetzt näher an der Führung als der Jahn. Derstroff versucht es in memoriam der fünf Chemnitzer Sonntagsschüsse vom vergangenen Samstag aus der zweiten Reihe – Latte (69.). Zwei Minuten später kassiert Andreas Güntner Gelb und Stratos nimmt den verwarnten Defensivmann vorsichtshalber vom Feld – Dimitrios Anastasopoulos darf diesmal als Joker auflaufen.

Führung auf Zeit

Ob’s an der Präsenz des Griechen liegt oder nicht, jedenfalls führt dessen erster Einsatz zur Regensburger Führung: Anastasopoulos erkämpft sich den Ball, reicht weiter zu Marius Müller, der abzieht – Schmid hechtet noch in den Ball und lässt Dortmunds Keeper gegen dessen Laufrichtung keine Chance – 1:0 (75.).

Schafft es der Jahn jetzt mal ausnahmsweise, so ein enges Spiel über die Zeit zu schaukeln? Von Ballkontrolle und Dominanz ist gerade nicht viel zu sehen. Wiegers kann einen Ball von Derstroff gerade mal so aus dem Winkel fischen – sein Fehler vom Chemnitz-Desaster ist somit getilgt (79.). Aber was hilft’s, wenn Wiegers glänzt und die Abwehr patzt: Nach der Ecke geht Ducksch zu Boden, der Schiri zeigt auf den Punkt. Kapitän David Solga verlädt Wiegers und locht rechts unten ein (81.) – gerade mal sechs Minuten hielt die Führung, schämt euch Jungs!.

Jimmy behält die Nerven

War’s das jetzt mit dem ersten Saisonsieg? Kommt’s noch schlimmer? Pustekuchen! Während Dortmund gedanklich noch mit einer taktischen Auswechslung beschäftigt ist, setzt sich Jimmy Müller halblinks im Strafraum durch und tunnelt Alomerovic zum 1:2 (85.). Da hat er sich jetzt mal die standing ovations der mitgereisten Regensburger verdient – zwei Minuten später verlässt er gemessenen Schrittes den Platz der Freude für Azur Velagic.

Noch ein paar Minuten überstehen, ein paar Attacken, eine Ecke, eine Auswechslung, aus, vorbei, fini, ...das Spiel keine Offenbarung, aber endlich der Dreier im fünften Spiel! Auswärtssieg, Auswärtssieg, und jetzt muss es endlich auch zu Hause wieder klappen – nächsten Samstag, neues Glück!