Mit 21 Jahren schon der Boss

Jahrelang galt die Aufbau-Position als Schwachstelle im deutschen Basketball-Team. Doch nun ist Dennis Schröder da und bringt nicht nur viel Qualität, sondern noch mehr Selbstvertrauen mit. Los geht's für die deutsche Mannschaft am Samstag um 15 Uhr gegen das Team aus Island.

Die Arena in Köln war schon fast leer, die meisten seiner Mitspieler auf dem Heimweg, da posierte Dennis Schröder noch immer für ein paar Selfies und schrieb die letzten Autogramme. Zuvor hatte es bei der EM-Generalprobe gegen Frankreich für Superstar Dirk Nowitzki zwar den meisten Applaus der 18 500 Zuschauer gegeben. Doch gleich danach kam Schröder, wenn man den Geräuschpegel bei der Vorstellung als Maßstab für Popularität der deutschen Basketballer nimmt. In der Beliebtheitsskala der Fans steht Nowitzki noch knapp vor Schröder, auf dem Parkett hat sich die Wachablösung dagegen bereits vollzogen. Das sieht selbst Nowitzki so. Angesichts seines Alters könne er die Mannschaft auf dem Spielfeld nicht mehr alleine tragen, sagt der 37-Jährige immer wieder. Keine Frage, der NBA-Champion von 2011 nimmt seinen 16 Jahre jüngeren NBA-Kollegen in die Pflicht. Was für Schröder allerdings kein Problem ist. Druck kennt der rasant schnelle Point Guard von den Atlanta Hawks nicht, an Selbstbewusstsein hat es ihm noch nie gemangelt. "Ich denke, darauf kann man stolz sein, dass auch Dirk das öffentlich immer wieder sagt", sagte Schröder.

Hat er keine Angst, dass die große Erwartungshaltung ihn bei der EM lähmen könnte? Schröder lächelt, als ihm die Frage gestellt wird. Dann antwortet er zwar mit leiser Stimme, aber mit voller Überzeugung: "Es motiviert mich persönlich und ich will, dass wir eine erfolgreiche EM spielen und uns für Olympia qualifizieren."

Nein, Sorgen, dass Schröder während seines ersten großen Turniers mit der Nationalmannschaft Nervenflattern bekommen könnte, braucht man sich voraussichtlich wirklich nicht zu machen. "So selbstbewusst habe ich selten einen Menschen mit 21, mit 25 oder auch mit 35 kennengelernt", erklärt Coach Fleming. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gehört zu dem Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters so wie die blonde Strähne in seinem schwarzen Haar.

"Jetzt zählt nur die EM", sagte Schröder, auf den es in der schweren Vorrundengruppe mit Topgegnern wie Vize-Weltmeister Serbien oder Mitfavorit Spanien besonders ankommen wird. Doch Angst vor der Hammergruppe hat der Point Guard nicht. "Wir haben uns gut vorbereitet. Ich denke, wir haben gute Chancen bei der EM", sagte Schröder. Alles andere hätte auch überrascht.
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