Nicht einfach "wegfranzeln"

Lichtgestalt Franz Beckenbauer - nicht viel kommt vom "Kaiser" zur Aufklärung im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006. Bild: dpa

Wann redet Franz Beckenbauer? Nicht nur der DFB ist abgerückt vom Fußball-Kaiser, der in der Öffentlichkeit gerade schlecht dasteht. Der Vorwurf, er habe bei schmutzigen Geschäften rund um die WM-Vergabe mitgemacht, wiegt schwer.

Franz Beckenbauer schweigt - zumindest öffentlich. "Was fragt's immer mich?" So hat der "Kaiser" oft geschimpft, wenn Journalisten etwas von ihm wollten. Und dann hat er doch geredet. Jetzt sagt Franz Beckenbauer nichts in Kameras und Mikrofone. Jetzt, wo ganz Deutschland auf seine Antwort wartet im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006. Beckenbauer verschanzt sich mit Anwälten und Beratern.

Sein Manager Marcus Höfl und sein langjähriger Intimus Fedor Radmann spielen dabei keine unwesentliche Rolle. Aus dem Lager des "Kaisers" kam am Mittwoch nur ein dünner Satz. "Franz Beckenbauer steht den zuständigen Gremien weiterhin zur Verfügung und wird sich daher öffentlich nicht äußern", erklärte sein Management.

Wie das System Beckenbauer funktioniert, war beim sogenannten Camp Beckenbauer Anfang Oktober in Kitzbühel zu beobachten. Dort sitzt Höfls Firma MHM Group und veranstaltete zum dritten Mal ein selbst ernanntes Gipfeltreffen des Sports mit Größen wie IOC-Präsident Thomas Bach, Adidas-Boss Herbert Hainer und zahlreichen Fußball-Funktionären wie dem damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. Auch Radmann schritt über den Roten Teppich zum Kongresszentrum K3 in dem österreichischen Nobel-Skiort.

Der 70-Jährige saß einst im Organisationskomitee für die WM 2006 und begleitete Beckenbauer auf seiner Welcome-Tour über 132 276 Flugkilometer durch 31 Länder. Wegen Interessenskonflikten gab Radmann 2003 sein Amt als Vize-Chef des WM-OK an Theo Zwanziger ab.

Radmann gehörte schon 1972 zu den Olympia-Organisatoren von München. Er arbeitete später als Berater unter anderem für Adidas und die Kirch-Gruppe und kämpfte mit den Bewerbern in Salzburg (für die Winterspiele 2014) und Australien (für die Fußball-WM 2022).

Inzwischen muss sich Radmann ebenso wie Beckenbauer des Vorwurfs erwehren, einen Bestechungsversuch zumindest geplant zu haben. Die Interimsspitze des Deutschen Fußball-Bundes hat den Fund des Dokuments bestätigt, in dem vier Tage vor der Abstimmung zur WM-Vergabe dem inzwischen wegen Korruption gesperrten Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner "diverse Leistungen" zugesagt werden. Unterschrieben hat demzufolge das Papier Beckenbauer, den Entwurf paraphiert Radmann.

Krisenmanagement haben Beckenbauer und seine Berater bereits im vergangenen Jahr betreiben müssen, als das Fußball-Idol von der Ethikkommission der Fifa 90 Tage für sämtliche Tätigkeiten im Fußball gesperrt worden war. Er hatte, so die Begründung damals, bei den Ermittlungen zu den Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar nicht kooperiert.

"Völlig unterschätzt", räumte Höfl später ein, habe man diese Sache. Das wird bei der Dimension der WM-Affäre kaum passieren. Diesmal kann er sich nicht herausreden. "Für Beckenbauer gab es ja selten ein Problem, und wenn, dann hat er es weggefranzelt...", schrieben am Mittwoch die "Vorarlberger Nachrichten". "Nun aber könnte der Kaiser bald ohne Kleider dastehen und jeder sehen: Die Lichtgestalt hat eine dunkle Seite."
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