"Noch keine finale Idee"

Jerome Boateng (links ) und Mario Gomez (Mitte), der seit vielen Monaten wieder zum Kader der Nationalmannschaft gehört, trainierten mit viele Freude vor der anstehenden Partie gegen Frankreich. Bild: dpa

Joachim Löw startet mit dem Testspiel in Paris die Vorbereitung auf die EM 2016. Das Motto des Bundestrainer lautet sieben Monate vor der Titelmission: "Testen, Sehen, Probieren". Funktioniert das Drehbuch nach Wunsch, kann es im EM-Endspielstadion einen DFB-Rekord geben.

Beim Landeanflug auf Paris verhinderte die dicke Wolkendecke eine erste Sicht auf den neuen Sehnsuchtsort der Fußball-Weltmeister. Und auch bei seinen Plänen für den großen EM-Check gegen die starken Franzosen fehlt Joachim Löw noch der entscheidende Durchblick. "Ich habe noch keine finale Idee", gestand des Bundestrainer vor dem prickelnden Test zwischen EM-Gastgeber und Weltmeister am Freitagabend (21.00 Uhr/ARD) im riesigen Stade des France.

Intensiv gegrübelt

In weißem Shirt und mit grauem Schal hatte Löw am Donnerstag auf dem kurzen Flug aus München in der ersten Reihe der vom Lufthansa-Streik nicht betroffenen Sondermaschine gesessen und intensiv gegrübelt. Ruhepausen wird es für den Bundestrainer in der Seine-Metropole nicht geben. "Für mich ist alles darauf ausgerichtet, was in der direkten EM-Vorbereitung passiert. Hier ist es ein Testen, Sehen, Probieren - unabhängig von allen Ergebnissen."

Erkenntnisse sind Löw zum Jahresabschluss wichtiger als Ergebnisse. Nach der Landung war es für den DFB-Tross mit einer Blaulicht-Eskorte der Gendarmerie direkt vom Rollfeld quer durch die Millionenstadt gegangen. "Wir spielen im Stade de France, hier wird am 10. Juli 2016 der Europameister ermittelt. Für uns alle ist es auch eine gute Gelegenheit, die Atmosphäre in diesem Stadion schon einmal zu erleben", betonte Löw. Und warnte am Donnerstag vor Ort: "Frankreich zählt für mich zu den Topfavoriten nächsten Sommer. Insofern hat das Spiel für uns eine besondere Brisanz."

Nach der "schwierigen Qualifikation" (Löw) mit den unbefriedigenden Oktober-Leistungen in Irland (0:1) und gegen Georgien (2:1) startet der 55-Jährige mit dem Jahresabschluss gegen die Équipe Tricolore und vier Tage später gegen die Niederlande die konkrete Planung der nächsten Titelmission - personell wie logistisch. Alibis gibt es keine mehr, wenn Bastian Schweinsteiger und Co. erstmals in einem Spiel in den neuen, EM-Trikots auflaufen.

Keine Experimente

In Paris wird der Experimentiermodus noch auf kleiner Flamme gehalten. "Sechs, sieben Positionen sind klar. Auf drei, vier Positionen ist alles möglich", sagte Löw. Einen der fixen Plätze soll Sami Khedira neben Schweinsteiger im Mittelfeld einnehmen und damit nach Verletzungen erstmals in der EM-Saison im DFB-Team auflaufen. "Ich denke, dass Sami jetzt wieder bereit ist", sagte Löw. Stammtorwart Manuel Neuer bekommt seine Wunsch-Visite im Stade de France. "In Paris habe ich noch nie gespielt, es könnte Endspiel-Charakter haben", sagte der Bayern-Schlussmann.
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