Noch viel Arbeit für Löw

Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich ist geschafft, doch zufrieden kann Bundestrainer Joachim Löw mit den jüngsten Leistungen in Irland (0:1) und gegen Georgien (2:1) nicht sein. Bild: dpa

Der Weltmeister ist ausrechenbar geworden. Zum zwölften Mal nacheinander ist Deutschland bei einer EM-Endrunde dabei - braucht aber unbedingt neue taktische Varianten. Bundestrainer Joachim Löw sieht in den neun Monaten bis zum Turnier in Frankreich noch viel Arbeit.

Beim Abschied aus der Heldenstadt Leipzig gab Joachim Löw seinen irritierten und angesäuerten Weltmeistern in der 27. Etage des Teamhotels eine klare Botschaft mit für die neue Titelmission. "Wir wissen, dass wir da in den nächsten Monaten schon noch einige Arbeit vor uns haben, um wieder auf das Niveau wie bei der WM zu kommen", sagte der Bundestrainer nach einer Qualifikation mit Hängen und Würgen.

Der Auftritt gegen biedere Georgier hatte noch mehr Fragezeichen hinterlassen als die Pleite zuvor in Irland. "Die EM ist wieder etwas anderes", sagte Abwehrchef und Chefkritiker Jérôme Boateng, ergänzte aber deutlich: "So wie wir heute gespielt haben, brauchen wir nicht anzutreten. Gegen ein Spitzenteam kannst du so nicht spielen. Man muss schon Klartext reden."

Der Münchner bekam beim Abschlussessen in der Nacht zum Montag einen tosenden Applaus von seinen Kollegen, da er als einziger Akteur alle zehn Quali-Spiele komplett bestritten hatte. "Das Etappenziel ist erreicht. Aber wir haben natürlich weitere Ziele und Luft nach oben", erklärte Verbandschef Wolfgang Niersbach. Zweifel habe er nicht, ergänzte der Präsident des DFB, der für das Frankreich-Ticket an die Gruppensieger rund vier Millionen Euro Prämie ausschüttet.

Vergleich mit einem Boxer

Die großen Mühen und Probleme zum Qualifikationsabschluss werden die deutschen Fußball-Nationalspieler und den Bundestrainer aber noch eine ganze Weile begleiten. "Wir sind im Moment ein Boxer, der viele Treffer landet, aber nicht frühzeitig den K.o. schafft", bemühte Löw ein Bild aus einer härteren Sportart.

Um das größte Defizit herrschte im Lager des Weltmeisters Einigkeit. "Wir müssen dahin kommen, dass wir diese absolute Geilheit, ein Tor machen zu wollen, wieder haben", betonte Real-Madrid-Star Toni Kroos nach 93 zähen Minuten. Wie die Korrekturen bis zum Start der Europameisterschaft am 10. Juni 2016 konkret aussehen sollen, wollten und konnten Trainer und Spieler nach dem mühevollen 2:1 gegen den Weltranglisten-110. Georgien nicht näher erläutern. "Der Schnitt liegt jetzt bei sieben oder acht Torchancen, die wir brauchen", beklagte Löw erneut die fehlende Effizienz.

Dabei ist eigentlich genügend Offensivpower vorhanden. "Unsere Spieler haben schon Vollstreckerqualitäten - Marco Reus, Thomas Müller oder André Schürrle normalerweise", rätselte Löw. Doch gerade die hatten vor 43 630 unzufriedenen Fans in der ausverkaufen Arena und knapp 13 Millionen Zuschauer an den TV-Geräten (RTL) den Punch vermissen lassen, obwohl der Gegner quasi schon in den Seilen hing.

"Nicht unser Anspruch"

Chefcoach Löw erlebte in den zehn Quali-Spielen (sieben Siege, ein Remis, zwei Niederlagen), wie selbst Teams mit beschränkten Möglichkeiten den ausrechenbar gewordenen Weltmeister in Verlegenheit stürzten. "Wir haben jetzt die Gruppe gewonnen, damit können wir sicherlich zufrieden sein. Mit den letzten zwei Spielen kann ich und bin ich nicht zufrieden, das muss man mit aller Klarheit sagen. Wie wir gespielt haben gegen Irland und Georgien, das ist nicht unser Anspruch", fasste Löw die Ausscheidungsrunde zusammen.
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