Nur noch Durchhalteparolen

Sie wollen raus aus der Allianz-Arena und zurück ins Grünwalder-Stadion. Die "Löwenfans" lassen keine Gelegenheit aus, um für die Rückkehr zu werben. Bei all der Stadiondiskussion scheint die Fans gar nicht zu interessieren, dass die Sechziger in der zweiten Liga sportlich am Abgrund stehen. Bild: dpa

1860 München taumelt erstmals seit mehr als 20 Jahren dem Abstieg in die Drittklassigkeit entgegen. Was danach kommt, wie viel Geld bleibt, in welchem Stadion gespielt wird - alles ist unklar.

Der Absturz der Münchner Löwen setzte schon vor vielen Jahren ein - so gefährlich wie jetzt war die Lage aber noch nie. Der selbst ernannte Zweitliga-Meisterkandidat TSV 1860 steht kurz vor dem nicht für möglich gehaltenen Abstieg in die Fußball-Drittklassigkeit, was zuletzt vor 23 Jahren passierte. Die Konsequenzen wirtschaftlicher Art wären nicht auszudenken für den finanziell gebeutelten und von Investor Hasan Ismaik abhängigen Club, dazu käme ein enormer Bedeutungsverlust in der Fußball-Hauptstadt München. "Jetzt stehen wir mit dem Arsch an der Wand", gestand Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner dieser Tage.

Über die potenziellen Folgen mag keiner der Verantwortlichen im Detail sprechen. Die "volle Konzentration" gelte den letzten drei Saisonspielen in Frankfurt, gegen Nürnberg und in Karlsruhe, sagte Poschner, dessen Löwen inzwischen auf einem direkten Abstiegsplatz stehen. "Was danach passiert, wird hintenan gestellt." Durchhalteparolen sind zurzeit von vielen Sechzigern zu hören. Sie befeuern die große Ungewissheit und zahllose Spekulationen. Wie viel Geld für einen Neuaufbau in Liga drei übrig wäre ist ebenso unklar wie die Frage, in welchem Stadion dann gespielt würde.

Die schon für Zweitligaverhältnisse viel zu große Allianz-Arena, in der die Sechziger nur als Mieter des auf Jahrzehnte enteilten Stadtrivalen FC Bayern geduldet sind, ist bei den eingefleischten Fans längst unten durch. Einerseits fühlen sich die Weiß-Blauen zwangsläufig nicht wohl in der Heimstätte der Roten, andererseits ist der 75 000 Zuschauer fassende Koloss allein wegen seiner Größe ein ausschließlich für Bundesliga-Fußball geeignetes Stadion.

Gerade mal 19 000 Zuschauer lockten die Löwen diese Saison im Schnitt zu ihren Heimspielen. Atmosphäre kommt da keine auf. Die allgemeine Unzufriedenheit führt dazu, dass seit längerem ein Umzug ins zuletzt für Drittligafußball sanierte Grünwalder Stadion (Sechzgerstadion) im Raum steht. Ob eine Rückkehr aber wirklich machbar ist, bleibt fraglich - allein schon wegen des bis 2025 laufenden Mietvertrages mit den Bayern für die Allianz-Arena. Noch wird die Zukunft von der bedrückenden Gegenwart überschattet. Die Saison-Zwischenbilanz von 30 Punkten aus 31 Spielen ist alarmierend, die Leistungen des Teams machen mit Blick auf die Schlussphase wenig Mut. Und nicht nur das. Viele oft öffentlich ausgetragene Zwists handelnder Personen haben seit langem das Bild eines "Chaosclubs" gezeichnet. Über allem thront in der Ferne Haupt-Geldgeber Ismaik, der für seinen gescheiterten PR-Coup, Englands Ex-Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson bei 1860 zu installieren, einst Kopfschütteln auslöste.

All diese bitteren Momente sorgen dafür, dass manche Anhänger einen Abstieg inzwischen als Chance für einen kompletten Neustart in Kauf nehmen würden. Poschner und Trainer Torsten Fröhling stünden dann vor dem Aus, und nicht nur sie. "Dann gehen alle Spieler weg, du musst komplett neu anfangen", prognostiziert Kulttrainer Werner Lorant.
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