Ohne Linse, mit Auge

Erst hatte er ein Auge für das Tor, dann verlor er beim Jubeln eine Kontaktlinse: Rubin Okotie wird sein 2:0 gegen Sankt Pauli so schnell nicht vergessen. Beim TSV 1860 München ist der Spaß zurück - und der Erfolg.

Vier Spiele wettbewerbsübergreifend ohne Niederlage, in der Tabelle wenigstens auf den Relegationsplatz 16: Der Jubel bei den Löwen kannte am Samstag nach dem Erfolg gegen die Überraschungself aus Hamburg keine Grenzen. Warum hier zuvor der 17. gegen den 2. antrat, konnte sich nach dem Spiel so recht niemand erklären.

Der Blick der Sechziger geht nach dem überzeugenden Auftritt vor 30 100 Zuschauern auf jeden Fall nach oben. Trainer Benno Möhlmann meinte gelassen: "Es war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung." Auch Investor Hasan Ismaik war nach Dezember 2014 mal wieder zu Gast in der Allianz-Arena. Er feierte die wiedererstarkten Löwen auf der Tribüne neben dem neuen Vereinspräsidenten Peter Cassalette. "Wir haben heute gekämpft wie Löwen", ließ der Jordanier über die Pressestelle ausrichten und gab seiner Truppe mit auf den Weg: "Das Auftreten der Mannschaft hat mir gut gefallen. So muss das immer sein."

Das Spiel hätte auch ganz anders laufen können, hätten die Paulianer anfangs eine ihrer drei hochkarätigen Chancen genutzt. Trainer Ewald Lienen machte deutlich: "Mit der ersten halben Stunde war ich zufrieden. Die Führung hätte uns sicher gut getan. Denn uns war klar, dass Sechzig eine andere Energie seit dem Trainerwechsel hat. Durch eine Führung hätten wir sie kleinhalten können." Haben sie aber nicht, mit zunehmender Spieldauer bekamen die Löwen das Geschehen immer besser in der Griff.

Ziereis wehrt sich

Nach dem 0:0 zur Pause war Ösi-Time in der Arena. Zunächst brachte Michael Liendl in der 53. Minute mit eine satten Hammer aus 25 Metern die Sechziger in Führung, drei Minuten später besorgte Okotie mit einer herrlichen Drehschuss aus 18 Metern das 2:0. Benno Möhlmann konstatierte: "Durch den Doppelschlag haben wir viel Selbstbewusstsein getankt." In mehreren Kontersituationen hatten die Münchener Chancen auf eine noch höhere Führung. Möhlmann: "Dann wäre ich sicher ruhiger in der Schlussphase gewesen." Zum einen gingen die Löwen fahrlässig mit ihren Möglichkeiten um, zum anderen warf sich der Hamburger Verteidiger Philipp Ziereis immer wieder dazwischen. Unter den Augen von rund 4000 braun-weißen Anhängern und seinen Eltern gehörte der aus Schwarzhofen (Kreis Schwandorf) stammende Profi zu den besten Spielern der Gäste.

"Kirche im Dorf lassen"

Erleichterung pur also bei den Löwen nach dem Sieg. Aber auch Realismus, wie Michael Liendl klar machte: "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und froh sein, dass wir gewonnen haben. Wir stehen kompakt. Die Defensive war zuletzt die Basis für den Erfolg. Wir spüren den Aufwärtstrend."

Auch dank Rubin Okotie, der nach seinem zweiten Saisontreffer in der blau-weißen Jubeltraube eine Kontaktlinse verlor. Nur 20 Prozent beträgt seine Sehfähigkeit auf dem Auge. Eine überraschende Erkenntnis auch für Benno Möhlmann: "Jetzt weiß ich wenigstens, dass er Kontaktlinsen hat. Das war mir nicht klar." Der Trainer - so scheint es - hat zunehmend den richtigen Durchblick bei der Löwen.
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