Olympia
16 Tage Party statt Probleme

Traumhaft präsentiert sich der Strand in Rio. Aber das Land hat viele Probleme. Während der Olympischen Spiele sollen trotzdem Sport und Party im Vordergrund stehen. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Belastet von sportpolitischen Skandalen und Brasiliens tiefer Krise sind die ersten Olympischen Spiele in Südamerika für die Gastgeber einmalige Chance und tonnenschwere Bürde zugleich. Mit ansteckender Partylust und Improvisationskunst soll die Millionen-Metropole am Zuckerhut der problembeladenen Heimat und dem schwer kritisierten Internationalen Olympischen Komitee ein farbenfrohes Sommer-Spektakel liefern. Auch IOC-Chef Thomas Bach setzt inmitten des Desasters um Staatsdoping in Russland voll auf "große Olympische Spiele á la Brasilien, voller Leidenschaft und Lebensfreude".

Schöne Bilder


Bach braucht bei seinen ersten Sommerspielen im Präsidenten-Amt Ablenkung und schöne Bilder dringend - als Wirkstoff gegen die Zweifel an seinem olympischen Betrieb, als frisches Argument für das Milliardengeschäft unter den fünf Ringen. Die Nachwirkungen der russischen Doping-Affäre werden sich indes in die Spiele hineinziehen, nachdem das IOC gegen die Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur einen kompletten Ausschluss der Sportler aus dem Putin-Reich verwarf.

Russlands Sportbetrüger waren für das IOC bei weitem nicht der einzige Sorgenfall vor der Eröffnungsfeier im legendären Maracanã-Stadion am Freitag. Auch die Serie von Negativ-Schlagzeilen aus Brasilien nahm in den vergangenen Monaten einfach kein Ende. Ein Korruptionsskandal, in den fast die ganze politische Elite verwickelt ist, die Suspendierung von Präsidentin Dilma Rousseff und eine tiefe Rezession plagen das Land. Trotzig aber versicherte Interimspräsident Michel Temer: "Rio de Janeiro wird der Welt mit unseren Spielen alles zeigen, wozu es in der Lage ist." Rund 39,1 Milliarden Reais, umgerechnet rund 10,7 Milliarden Euro lässt sich Brasilien seine olympische Premiere kosten. Mehr als die Hälfte davon soll privat finanziert sein.

Das teuerste Projekt, die in letzter Minute eröffnete U-Bahn-Linie zum Olympia-Park, stand dabei sinnbildlich für die enormen Herausforderungen für die Rio-Macher. Verzögerungen und Pfusch am Bau brachten die Organisatoren bis kurz vor dem Start der Wettkämpfe immer wieder in Bedrängnis. Beim Einzug der ersten Athleten ins olympische Dorf kam es zu peinlichen Pannen, als Toiletten verstopft, Wasserleitungen defekt und Wohnungen verschmutzt waren. Die deutsche Mannschaft behob die Mängel gleich mit eigenen Handwerkern.

Umweltprobleme


Alles andere als gelöst sind dagegen die massiven Umweltprobleme in der Guanabara-Bucht durch ungeklärte Abwässer und im Wasser treibenden Müll. Angesichts solcher Nachrichten zweifelte kurz vor der Entzündung des olympischen Feuers knapp ein Drittel (31 Prozent) der Deutschen daran, dass Rio ein guter Olympia-Gastgeber sein wird. 306 Entscheidungen fallen in den 16 Wettkampftagen, so viele wie nie zuvor. Siebener-Rugby ist zum ersten Mal im olympischen Programm, Golf kehrt nach langer Zeit wieder zurück. Mehr als 300 Stunden live senden ARD und ZDF - ein Rekord in der deutschen TV-Geschichte.

Starke Figuren


Als Quotenbringer hoffen die Öffentlich-Rechtlichen dabei vor allem auf viele deutsche Medaillengewinner und starke Figuren wie Diskus-Olympiasieger Robert Harting. Mindestens 44 Mal Edelmetall wie in London vor vier Jahren soll es schon werden, hat sich der Deutsche Olympische Sportbund vorgenommen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Olympische Spiele (237)Rio2016 (208)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.