Olympia
Aufholjagd nicht belohnt

Die Deutschen Julius Kühn (links) und Finn Lemke versuchen vergeblich, den Franzosen Nikola Karabatic zu stoppen. Bild: dpa
 
Mit hängenden Köpfen standen die Handballer nach dem Schlusspiff auf dem Spielfeld. Zwei Sekunden vor dem Ende kassierten sie den entscheidenden Treffer zur 28:29-Niederlage. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Mit leeren Blicken starrten die deutschen Handballer nach dem K.o. in letzter Sekunde ins weite Runde und versuchten sich gegenseitig zu trösten. Trotz einer schier unglaublichen Aufholjagd verpassten die Europameister gegen Weltmeister und Gold-Favorit Frankreich am Freitag durch ein 28:29 (13:16) das olympische Finale in Rio de Janeiro.

"Jetzt geht es darum, aus der Enttäuschung ein positives Gefühl zu entwickeln, damit wir die Bronze-Medaille holen", sagte DHB-Vize Bob Hanning. Am Sonntag soll nun gegen den Verlierer der Partie Polen gegen Dänemark die erste Medaille seit Silber in Athen 2004 her.

Zwei Sekunden vor Schluss


Zwei Sekunden vor dem Ende kassierten die "Bad Boys" von Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach einem zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Rückstand den entscheidenden Treffer durch den Ex-Kieler Daniel Narcisse. "Nach dieser Aufholjagd hätten wir wenigstens eine Verlängerung verdient gehabt. So ist das richtig bitter", sagte der Gummersbacher Rückraumspieler Julius Kühn.

Für das deutsche Team war es die zweite Niederlage nach der verlorenen Partie gegen Brasilien in der Vorrunde. Auch ein starker Kapitän Uwe Gensheimer, der in der kommenden Saison bei Paris St. Germain spielt, konnte mit seinen elf Treffern die Pleite gegen den lange Zeit in fast allen Belangen besseren zweimaligen Olympiasieger nicht verhindern.

Vor 11 000 Zuschauern kam die deutsche Mannschaft gegen die abwehrstarken Franzosen nur schwer ins Spiel. Einige DHB-Spieler wirkten gehemmt, andere übermotiviert. Beim Torabschluss fehlte die Konsequenz. Zudem glänzte der bereits 39 Jahre alte ehemalige Kieler Thierry Omeyer im französischen Tor immer wieder. In der Deckung bekamen die Deutschen die Klasseleute der Equipe Tricolore nur selten in den Griff, mangelte es an Leichtfüßigkeit und Robustheit wie zuvor beim Viertelfinal-Erfolg gegen Katar.

Erstmals begann Sigurdsson mit einer 5:1-Formation, wobei ein Spieler die Kreise von Star Nikola Karabatic zu stören versuchte. Doch auch das nutzte nichts gegen den Favoriten. Zumal EM-Held Andreas Wolff im Tor keinen Ball zu fassen bekam. Nach neun Minuten brachte Sigurdsson den Berliner Silvio Heinevetter.

Überlegenheit


An der Überlegenheit der Franzosen änderte sich nichts. Über 2:2 (5.) und 3:6 (9.) gerieten die Deutschen beim 6:10 (15.) erstmals mit vier Toren ins Hintertreffen. Zwar fanden sie danach allmählich besser in die Partie, auch weil Heinevetter einige Würfe parierte und Uwe Gensheimer traf. Den Rückstand konnte die deutsche Mannschaft bis zur Halbzeit aber nur bis auf 13:16 verkürzen. Die Hoffnungen auf eine Wende zugunsten der Deutschen zerstörten die Franzosen nach dem Seitenwechsel zunächst recht schnell. Sigurdsson gab Wolff wieder eine Chance im Tor, wechselte ihn aber in der 50. Minute wieder aus. Kontinuierlich baute Frankreich seine Führung aus und lag beim 15:22 (41.) erstmals sogar mit sieben Treffern in Front. Doch die Deutschen gaben nicht auf. In einer dramatischen Schlussphase kamen sie noch einmal heran. Narcisse riss sie dann mit seinem letzten Tor aus allen Träumen.
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