Olympia
Ausschluss Russlands rückt näher

Aus und vorbei: Die russischen Leichtathleten (im Bild Hochspringerin Anna Chicherova) dürfen nicht an den Olympischen Spielen 2016 teilnehmen. Das Urteil des CAS könnte richtungsweisend sein. In den kommenden Tagen will das IOC entscheiden, ob der Olympia-Bann das gesamte russische Team trifft. Bild: dpa

Lausanne. Russland steht am Olympia-Abgrund. Die Bestätigung der Rio-Sperre der russischen Leichtathleten durch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ist eine Steilvorlage für das Internationale Olympische Komitee (IOC), die systematisch dopende Sportmacht komplett von den Sommerspielen zu verbannen. "Mit dem CAS-Urteil im Rücken hat das Internationale Olympische Komitee eigentlich keine andere Möglichkeit", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. "Ich gehe davon aus, dass das IOC einen Ausschluss beschließen wird."

Das CAS lehnte den Einspruch von 68 russischen Leichtathleten und des Nationalen Olympischen Komitees (ROC) gegen den Olympia-Ausschluss am Donnerstag in Lausanne ab. Der Weltverband IAAF hatte den nationalen Verband am 13. November 2015 wegen umfassenden Dopings suspendiert und die Sperre für internationale Wettkämpfe am 17. Juni über die Spiele in Brasilien hinaus verlängert.

Kein Triumph


Die IAAF und sein Präsident Sebastian Coe haben den CAS-Spruch begrüßt, weil es "gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Sportler" schaffe. Allerdings sei es "kein Tag für triumphale Verkündungen", meinte Coe. "Ich bin nicht zur Leichtathletik gekommen, um Athleten von Wettkämpfen auszuschließen."

Aus Moskau wurde das Urteil mit einer Mischung aus Augenmaß, Polemik und Zorn kommentiert. "Es bleibt dabei: Ein möglicher Boykott der Spiele wird nicht erwogen", betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Nicht ohne diplomatischen Grund. Das IOC wollte das CAS-Urteil abwarten, um es in eine Entscheidung über einen Komplettausschluss Russlands einzubeziehen. Am Sonntag tagt das IOC-Exekutivkomitee, verkündet wird die Entscheidung noch am gleichen Tag oder am Montag. Es wäre der erste Ausschluss eines Landes von Olympia wegen systematischen Dopings.

"Dieses beispiellose Urteil erniedrigt den gesamten Sport", sagte Sportminister Witali Mutko. Die Entscheidung sei politisch motiviert, es werde über weitere Schritte nachgedacht. "Es ist Zeit, sogar ein Zivilgericht anzurufen", sagte Mutko. Das russische Außenministerium kritisierte die Entscheidung als "Verbrechen gegen den Sport". Stabhochsprung-Ikone Jelena Issinbajewa reagierte böse auf den Bann: "Der CAS hat mit seinem Urteil die Leichtathletik im Grunde genommen begraben."

Die IAAF hatte allerdings die Tür zu Olympia für Sportler aus Russland offen, die nachweislich nicht in das Doping-System in ihrer Heimat involviert waren. Bisher wurde von der IAAF zwei Athletinnen das Sonderstartrecht erteilt: 800-Meter-Läuferin Julia Stepanowa, Kronzeugin des umfassenden Sportbetrugs in ihrer Heimat, und Weitspringerin Darja Klischina, die in Florida lebt, erhielten die Genehmigung. Ob sie bei Olympia antreten werden, ist aber offen.

Ich gehe davon aus, dass das IOC einen Ausschluss beschließen wird.Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes
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