Olympia
Biedermann lässt Tränen vergessen

Paul Biedermann trumpfte an seinem 30. Geburtstag auf. Er erreichte Platz zwei in der Gesamtwertung aller Vorläufe. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Paul Biedermann blickte ganz cool auf die Anzeigetafel. Nach den Tränen der deutschen Schwimmer zum Olympiastart trumpfte der Weltrekordler an seinem 30. Geburtstag souverän auf. Mit Platz zwei in der Gesamtwertung aller Vorläufe zeigte der WM-Dritte über seine Lieblingsstrecke mustergültig das vom Chef verlangte "Kämpferherz". Nach der Vorstellung am Sonntag in Rio ist die Hoffnung auf eine Medaille im letzten Einzelwettbewerb einer großen Karriere groß.

Nur Chinese schneller


"Die Konkurrenz ist unzählbar geworden. Da musste ich schauen, so schnell wie möglich zu schwimmen", sagte Biedermann, der in den Geburtstag "reingeschlafen" und nicht reingefeiert hatte. Der Doppel-Weltmeister von 2009 hätte am Ende wohl noch schneller sein können, ließ sich Reserven. 1:45,78 Minuten über 200 Meter Freistil standen für den Vierten der Weltrangliste nach dem kräftezehrenden Auftakt seines olympischen Kurzprogramms in der Ergebnisliste.

Nur der schon wegen Dopings gesperrte Chinese Sun Yang war schneller - um drei Hundertstelsekunden. Sein Auftritt hob die Laune von Chefbundestrainer Henning Lambertz. Ist "das Ding" jetzt umgedreht, wie von Lambertz gefordert? Oder bleibt Biedermann als Ausnahmekönner zusammen mit dem am Wochenende angereisten Weltmeister Marco Koch einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Team? Erst erlebte die Schwimm-Delegation ein olympisches Déjà-vu. Vier Jahre nach London gab es am Samstag verheulte Gesichter und Frust.

"Es ist weit davon entfernt, wie es 2012 war. Ich bin immer noch sehr optimistisch", sagte Koch. Aber: Acht von elf Startern schieden im Vorlauf aus. Nach Brustschwimmer Christian vom Lehn zogen nur Biedermann und Rückenschwimmer Jan-Philip Glania ins Halbfinale ein. Sarah Köhler verbesserte bei ihrem Vorlauf-Aus über 400 Meter Freistil ihre persönliche Bestzeit und will über 800 Meter den deutschen Rekord. Die Männer-Freistilstaffel über 4 x 100 Meter verpasste als Vorlauf-Elfte das Finale.

Bitteres Aus durch Wende


Besonders bitter war der K.O. von Jacob Heidtmann. Der 21-Jährige schlug in deutscher Rekordzeit und als Fünftbester über 400 Meter Lagen an. Doch mit einer nicht regelkonformen Wende handelte sich der WM-Fünfte eine Disqualifikation ein. Die WM-Siebte Alexandra Wenk und Junior Johannes Hintze mussten Kritik vom Chef verdauen. "Es sind individuelle Fehler gemacht worden", rügte Lambertz. Wenk schwamm über 100 Meter Schmetterling in 58,49 Sekunden klar langsamer als bei ihrem deutschen Rekord von 57,70 im Mai. Die Münchnerin hatte sich laut Lambertz nicht exakt dem verschobenen Tagesrhythmus angepasst.

Besondere Milde bei Hintze, dem mit 17 Jahren jüngsten deutschen Olympia-Schwimmer seit 40 Jahren, ließ Lambertz nicht gelten. Er blieb in 4:18,25 Minuten über 400 Meter Lagen klar über persönlicher Bestzeit (4:14,72).
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