Olympia
Ende eines Traums

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi lehnt eine Bewerbung für die Olympischen Spiele ab. Bild: dpa

Rom. Sogar die Medaillengewinner von Rio wollen für Italiens Traum von den Olympischen Spielen kämpfen. "Wir wären glücklich, gemeinsam zu diesem Rennen anzutreten, um einen Traum, eine Hoffnung zu erobern: Rom 2024", schreiben die Sportler in einem Brief an Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi. In den kommenden Tagen will die Politikerin der Protestbewegung "5 Sterne" ihre Entscheidung zur Kandidatur Roms für die Spiele 2024 bekanntgeben. Das erwartete Nein wäre das Ende aller Olympia-Träume in Italien für viele Jahre.

"Ohne die Unterschrift der Stadt wird es keine Olympischen Spiele in Rom geben", hatte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), Giovanni Malagò, bereits angekündigt. Und auch einen neuen Anlauf 2028 oder später mit einer anderen Stadt schließt der Coni-Chef aus: "Ich denke, eine weitere Kandidatur können wir ausschließen, nicht nur für 2028, sondern für viele weitere Jahre."

Bereits für die Sommerspiele 2020 hatte sich Rom beworben, der damalige Ministerpräsident Mario Monti hatte die Kandidatur jedoch schließlich wegen der Finanzkrise zurückgezogen.

Der zweite Rückzieher innerhalb so kurzer Zeit könnte Italiens angekratztes Ansehen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weiter beschädigen. Zuletzt war Rom 1960 Gastgeber der Sommerspiele, in Cortina d'Ampezzo 1956 und in Turin 2006 fanden Winterspiele statt.

Begleitet von großen Hoffnungen hatte Regierungschef Matteo Renzi 2014 Roms Bewerbung präsentiert. Der Sozialdemokrat warb für die rund sechs Milliarden Euro teuren Spiele als große Chance und Gelegenheit. Bestehende Sportstätten sollten genutzt werden, Wettkämpfe in ganz Italien stattfinden. Roms damaliger Stadtrat segnete die Bewerbung schnell ab, eine Mehrheit der Bevölkerung ist auch dafür. In der jüngsten Umfrage sprachen sich 51,9 Prozent für Olympia aus.

Doch nach dem Sturz des Ex-Bürgermeisters Ignazio Marino wurde im Juni Raggi gewählt. Sie hatte bereits im Wahlkampf ihre Ablehnung der Olympia-Bewerbung deutlich gemacht. "Rom ist von Großprojekten entstellt worden", sagt sie. Stattdessen wolle sie "alltägliche, gewöhnliche" Aufgaben wie die Reparatur von Schlaglöchern zur Priorität machen. Eines ihrer Argumente sind die hohen Kosten für die Gastgeberstädte. "Wir haben gerade erst die letzte Rate für die WM 1990 abbezahlt, die Stadt ist mit 13 Milliarden Euro verschuldet."
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