Olympia
Engleder kann nichts mehr erschüttern

Barbara Engleder enttäuscht: Der Niederbayerin fehlte am Ende nicht mal ein Millimeter zur Bronzemedaille. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Der Ärger um die knapp verpasste Olympia-Medaille war schnell verraucht - auch wenn noch nicht einmal ein Millimeter fehlte. Denn Sportschützin Barbara Engleder hat in diesem Jahr weitaus Schlimmeres erlebt. Beim Hochwasser Anfang Juni in ihrer Heimatstadt Triftern bangte sie nicht nur um ihr Hab und Gut. "Mich hat's auch erwischt. Ich hatte nur zehn Minuten Zeit, dann wurde evakuiert", sagte die Sportsoldatin nach ihrem vierten Platz am Samstag in der Disziplin Luftgewehr.

Blut geleckt


Nicht nur ihre gesamte Luftgewehrausrüstung, sondern auch das Sportgerät für ihre am Donnerstag anstehende Spezialdisziplin wurden in Mitleidenschaft gezogen. "Bei mir sind zwei Kleinkaliber-Waffen baden gegangen. Die musste ich dann trocknen beziehungsweise einschicken, damit sie wieder schießbar gemacht werden konnten." Mit dem Sportgewehr will sie im Dreistellungskampf nachlegen. "Ich habe jetzt Blut geleckt, eine Medaille ist drin. Und vielleicht habe ich dann etwas mehr Kraft", sagte die 33-Jährige. In den ersten olympischen Finalwettkampf, der wegen der ersten deutschen Medaille immer unter besonderer Beobachtung steht, war die Bayerin mit einem Handicap gegangen. Eine Grippe aufgrund der vielen Klimaanlagen machte ihr zu schaffen. Dennoch legte sie in der Qualifikation furios los. Nach 420,3 Ringen und der geschafften Finalteilnahme ballte sie freudestrahlend die Faust. Nur die Chinesin Du war mit dem olympischen Rekord von 420,7 Ringen besser. Aber am Ende fehlten winzige 0,3 Punkte. "Das ist nicht mal ein Millimeter", meinte sie. Den ersten Olympiasieg in Rio schnappte sich die erst 19-jährige Virginia Thrasher.

Klartext geredet


24 Stunden nach ihrem ersten Wettkampf hatte Engleder dann ihren ersten Auftritt im deutschen Haus. Und sie nahm kein Blatt vor dem Mund. "Die Toiletten sind verstopft. Es regnet aus der Decke. Das wird notdürftig geflickt. Es tropft dann weiter oder nicht. In der Lobby ist seit Tagen ein riesiges Loch. Bei denen, die nach uns kommen, wird es wohl schimmelig", schimpfte sie und legte nach: "Wir können froh sein, dass uns noch nichts passiert ist."
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