Olympia
Halbfinal-Krimi

Franziska Hauke sitzt gefrustet am Boden. Die deutsche Hockeymannschaft hat soeben mit der Niederlage gegen die Niederlande das Finale verpasst. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Nur kurz flossen nach dem verlorenen Halbfinal-Krimi bei den deutschen Hockey-Damen die Tränen, dann richtete der Bundestrainer schon den Blick auf das Trostpflaster. "Wir sind noch nicht fertig", kündigte Jamilon Mülders an. "Die Mädels haben sich wieder überragend präsentiert. Sie waren gut, als sie mussten". Denkbar knapp musste sich seine Auswahl mit 3:4 im Penaltyschießen dem Topfavoriten Niederlande geschlagen geben. Nun will der Olympiasieger von 2004 nach acht Jahren ohne olympische Medaille am Freitag (17.00 Uhr MESZ) zumindest Bronze gewinnen.

Weniger als 48 Stunden nach dem Vorschlussrunden-Duell muss sein Team in Rio de Janeiro wieder ran. Gegner ist der Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen Großbritannien und Neuseeland.

Aus dem Spiel gegen London-Olympiasieger und Weltmeister Niederlande kann der Weltranglisten-Neunte eine Menge Hoffnung mitnehmen. "Ich bin so super-stolz. Wir haben ein richtig geiles Spiel hingelegt. Jetzt zählt es, alles für Bronze zu geben", sagte Nike Lorenz und weinte dabei.

Penaltyschießen


Couragiert und selbstbewusst hatte sich die deutsche Auswahl gegen den Branchenprimus ein 1:1 (1:1) in der regulären Spielzeit erkämpft. Im Penaltyschießen parierte Torfrau Kristina Reynolds drei von sieben Strafschüssen und ermöglichte die Chance auf den Erfolg. Doch die Niederländerin Ellen Hoog erzielte als insgesamt 14. Schützin den Siegtreffer. "Es ist unfassbar, was wir heute geleistet haben. Dennoch überwiegt gerade die Trauer, weil wir so verdammt nah dran waren", erklärte Reynolds.

Lisa-Marie Schütze (11. Minute) hatte die Deutschen per Strafecke sogar in Führung gebracht. Die 19-Jährige holte die Ecke selbst heraus und drückte den Ball im Anschluss an Julia Müllers gehaltenen Schuss über die Linie. "Was sie hier spielt, ist schon rotzfrech", lobte Mülders.

Für den Ausgleich sorgte Oranje-Kapitän Maartje Paumen (16.) ebenfalls per Strafecke. In der Schlussphase überstand das Mülders-Team noch eine zweifache Unterzahl nach Zeitstrafen gegen Müller und Pia Oldhafer.

Der Bundestrainer hatte vor dem Spiel Opferbereitschaft gefordert - und diese zeigte das deutsche Team. Lorenz zog sich beim Schussversuch der Niederländerin Naomi van As eine Platzwunde zu und musste genäht werden. Zuvor hatte sich ihre Abwehrkollegin Annika Sprink in einem Zweikampf das Knie verdreht. Für die Düsseldorferin war das Spiel damit schon im ersten Viertel beendet.
Weitere Beiträge zu den Themen: Olympische Spiele (236)Rio2016 (207)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.