Olympia
Knapp vorbei

Ausgerutscht! Robert Harting, als Goldkandidat im Diskus gehandelt, kam erst gar nicht ins Finale. Bild: dpa
 
Enttäuschend: Paul Biedermann und seine Schwimm-Kollegen kehren ohne Edelmetall aus Rio zurück. Bild: dpa

Die deutsche Olympia-Mannschaft hat das selbst gesteckte Ziel, wie 2012 in London 44-mal Edelmetall zu holen, in Rio de Janeiro knapp verfehlen. Immerhin: Mehr Goldmedaillen gab es zuletzt 1996 in Atlanta.

Rio de Janeiro. Unter anderem die deutschen Beckenschwimmer, Fechter, Slalom-Kanuten und Straßen-Radsportler blieben gänzlich ohne Podestplätze, auch die Judokas enttäuschten. Für eine echte Überraschung sorgte Bogenschützin Lisa Unruh, auch bei den Rennkanuten und Reitern war die Bilanz blendend.

BADMINTON: Kein deutscher Starter überstand die Vorrunde. Vor allem das Aus des neunmaligen Meisters Marc Zwiebler enttäuschte.

BEACHVOLLEYBALL: Die Beach-Girls Laura Ludwig und Kira Walkenhorst waren unschlagbar und sorgten vier Jahre nach dem Triumph von Julius Brink und Jonas Reckermann für das erste europäische Damen-Gold. Die Nachfolger Markus Böckermann und Lars Flüggen scheiterten in der Vorrunde, Britta Büthe und Karla Borger verloren im Achtelfinale.

BOGENSCHIEßEN: Die mit Silber dekorierte Lisa Unruh hat mit der ersten Einzel-Medaille deutscher Bogenschützen Olympia-Geschichte geschrieben und ihr selbstgestecktes Ziel mit Platz zehn weit übertroffen.

BOXEN: Artem Harutyunyan rettete die Bilanz. Der Hamburger sicherte mit Bronze im Halbweltergewicht die erste Medaille für den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) seit zwölf Jahren.

FECHTEN: Für die deutschen Fechter hätte es in Rio kaum schlechter laufen können. Zum ersten Mal seit 1980 gab es keine einzige Medaille.

FUßBALL: Zwei Medaillen wollten die deutschen Teams, zwei Medaillen wurden es.

GEWICHTHEBEN: Ohne Medaille kehrt das deutsche Quintett heim. In die Enttäuschung über eigene Platzierungen mischen sich Dopingvorwürfe gegen andere - mehrere Athleten, die schon gesperrt waren, kamen aufs Treppchen.

GOLF: Das selbstgesteckte Ziel Olympia-Gold verfehlte Martin Kaymer klar, obwohl nur 17 der Top 50 aus der Welt dabei waren. Kaymer wurde beim olympischen Golf-Comeback 15., Alex Cejka kam auf Rang 21. Bei den Damen war Caroline Masson als 21. beste Deutsche.

HOCKEY: Die deutschen Hockey-Herren fahren zum vierten Mal in Serie mit Edelmetall nach Hause. Der Olympiasieger von 2008 und 2012 erkämpfte sich Bronze im Penaltyschießen gegen die Niederlande. Die deutschen Damen wuchsen über sich hinaus. Das Team von Bundestrainer Jamilon Mülders war als Weltranglisten-Neunter ins Turnier gegangen und beendete es mit Bronze.

JUDO: Drei bis vier Medaillen lautete die Zielvorgabe des DOSB für die Judokas in Rio. Am Ende wurde es nur einmal Bronze für Laura Vargas Koch.

KANU-SLALOM: Die Stangen-Paddler holten erstmals keine Medaille.

KANU-RENNSPORT: Mit viermal Gold und insgesamt sieben Medaillen dürfen sich die Rennkanuten über die beste Olympia-Bilanz seit 2004 freuen.

LEICHTATHLETIK: Für die größte Teilmannschaft gab es mit drei Medaillen - fünf weniger als 2012 in London - nur minimalen Erfolg. Zweimal Gold durch Diskuswerfer Christoph Harting und Speerwerfer Thomas Röhler und das Diskus-Bronze für Daniel Jasinski schönten aber die schwache Gesamt-Bilanz. Vor allem die Arrivierten wie Robert Harting, David Storl, Christina Schwanitz oder Christina Obergföll überzeugten nicht.

MODERNER FÜNFKAMPF: Mit einem komplett misslungenen Ritt vergab Peking-Olympiasiegerin Lena Schöneborn jede Medaillenchance, am Ende stand ein enttäuschender 32. Rang. Für positive deutsche Überraschungen sorgten Annika Schleu als Fünfte und Patrick Dogue auf Platz sechs.

PFERDESPORT: Auch die Reiter sind die Medaillen-Garanten im deutschen Olympia-Team. Drei bis fünf Medaillen hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung mit dem DOSB vereinbart, sechs wurden es insgesamt. Zwei davon sind aus Gold durch Michael Jung in der Vielseitigkeit und das Dressur-Team.

RADSPORT: Vorzeigefahrerin Kristina Vogel hat den deutschen Radsport vor einer totalen Pleite bewahrt. Die Erfurterin gewann Gold im Sprint und Bronze im Teamsprint, ansonsten gab es viele Enttäuschungen in den Kernsparten Bahn und Straße.

RINGEN: Mit der ersten Medaille seit Peking 2008 sind die Ringer dank Bronze von Denis Kudla im Soll.

RUDERN: Das Medaillenziel hat der Deutsche Ruderverband erreicht. Mit zweimal Gold und einmal Silber liegt der DRV voll im Soll.

SCHIEßEN: Die Schützen waren in Rio ein Volltreffer. Nachdem sie vier Jahre zuvor in London ohne Edelmetall blieben, gab es dieses Mal vier Medaillen. Monika Karsch sorgte mit der Sportpistole für den silbernen Auftakt. Barbara Engleder und Henri Junghänel jeweils mit dem Kleinkalibergewehr sowie Christian Reitz mit der Schnellfeuerpistole kürten sich zu Olympiasiegern. Damit waren die Deutschen zweitbeste Nation.

SCHWIMMEN: Drei sechste Plätze im Becken waren die besten Platzierungen von Paul Biedermann & Co. Ein sechster Platz kam im Freiwasser dazu.

SEGELN: Erik Heil und Thomas Plößel haben Bronze gewonnen. Die erste Olympia-Medaille seit acht Jahren soll die Initialzündung sein.

TENNIS: Angelique Kerber polierte mit Silber die durchwachsene Bilanz erheblich auf. Trotz ihrer Favoritenrolle im Finale beendete sie das Warten auf das nächste Gold aber nicht. 28 Jahre nach Steffi Grafs Triumph in Seoul unterlag sie Monica Puig aus Puerto Rico. Von den drei Einzel-Spielern der Herren trat wie von den drei Doppeln keiner in der zweiten Runde an. Im Mixed konnte kein deutsches Duo starten.

TISCHTENNIS: Die Mannschaften machten Enttäuschungen aus dem Einzel wett. Fahnenträger Timo Boll führte die Herren zu Bronze und holte seine dritte Team-Medaille nach 2008 und 2012. Die Damen verloren sogar erst im Finale gegen die übermächtigen Chinesinnen.

TRAMPOLIN: Die einzige Deutsche Leonie Adam turnte den besten Wettkampf ihrer Karriere. Obwohl sie das Finale verfehlte.

TURNEN: Der erste Olympiasieg nach 20 Jahren durch Fabian Hambüchen und die Plätze drei und vier von Sophie Scheder und Elisabeth Seitz übertrafen alle Hoffnungen. Die Frauen schafften mit Platz sechs das beste Teamresultat seit der Vereinigung, die Turner trotz des unglücklichen Ausfalls von Andreas Toba Platz sieben.

WASSERSPRINGEN: Mit Bronze erfüllte Patrick Hausding vom Drei-Meter-Brett schon das Medaillenziel. Zwei vierte Plätze im Synchronspringen und Platz fünf vom Turm unterstrichen bei den Männern die Zugehörigkeit zur Weltspitze.
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