Olympia
Wenig Fans, hohes Tempo

Die Neuseeländerin Sarah Goss (rechts) greift die Spanierin Patricia Garcia an. Mit Erfolg: Neuseeland gewinnt in der Partie gegen Spanien mit 31:5. Bild: dpa

Rio de Janeiro. Beim olympischen Siebener-Rugby geht es turbulent zu. Ein Spiel folgt aufs andere, gerade einmal 14 Minuten dauert eine Partie. Nähert sich ein Match dem Ende, stehen die neuen Teams schon bereit - fliegender Wechsel im Medaillenkampf. Unübersichtlichkeit ist die Folge, doch die Spielerinnen genießen ihren Auftritt. "Wir schreiben hier Geschichte und sind voller Ekstase", sagt die Britin Natasha Hunt.

Rugby ist nach 92 Jahren wieder olympisch - ganz neu ist allerdings die Variante des Spiels: Es bilden nicht 15, sondern nur sieben Spieler eine Mannschaft, die Größe des Spielfeldes bleibt dieselbe. Was dazu führt, dass weniger taktiert werden kann. Wer angreift, hat größere Chancen auf Punkte. Das sorgt sogar für Stimmung auf den Tribünen.

Die Zuschauer johlen bei flinken Angriffsaktionen bei der olympischen Premiere vom Frauen-Rugby am Samstag (Ortszeit). Von 11 bis 19 Uhr erstreckt sich das Programm in Rio de Janeiro allein am ersten Wettkampftag. Fidschi schlägt die USA, verliert aber gegen Australien. Frankreich gewinnt gegen Spanien und Kenia, Gastgeber Brasilien unterliegt Großbritannien und Kanada. Innerhalb von drei Tagen stehen die Medaillengewinner fest. Im Rugby ist das eine ungewohnte Dimension. Die Männer-WM 2015 in England ging ebenso wie die Frauen-WM 2014 in Frankreich über eineinhalb Monate, normalerweise dauert jedes Spiel 80 Minuten. Allein die fünf Ringe am Stadion machen aber auch dieses Turbo-Turnier für die Aktiven zu einem unvergesslichen Erlebnis. "Das ist alles wahnsinnig aufregend. Durch Olympia wird Frauen-Rugby enorm wachsen", meint die Neuseeländerin Sarah Goss. Gut zwei Drittel der Plätze im rund 15 500 Fans fassenden Deodoro Stadium sind am ersten Tag allerdings leer geblieben. Dennoch sei alles hier "20 Millionen Mal größer als bei anderen Turnieren", sagt die Australierin Charlotte Caslick, deren Team von einigen Brasilianern bejubelt wird. Warum? "Weil die Brasilianer wie die Australier sind: Sie lieben Partys, sie lieben das Singen, das Tanzen, das Trinken", urteilt Teamgefährtin Alicia Quirk. Von Dienstag an werden die Männer um Medaillen kämpfen, allerdings wie bei den Frauen ohne deutsche Beteiligung. Dann dürfte es im Deodoro Stadium lauter werden - auch wenn die dürftige Kulisse beim Frauen-Wettkampfauftakt für einige schon zu viel des Guten war. "Weil es so laut im Stadion gewesen ist, konnten wir auf dem Feld gar nicht mehr kommunizieren. Die Zuschauer haben uns übertönt", befand die Kanadierin Jennifer Kish.
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