Olympische Spiele
Endspurt für Rio-Planungen

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele ist manche Metro-Station in Rio de Janeiro noch eine Baustelle. Bild: dpa

Der Verkehr in Rio ist oft ein Horror. Da die vier Olympia-Zentren weit auseinander liegen, wurden Milliarden für eine neue Metro und Schnellbuslinien investiert. Vieles konnte kaum getestet werden. Und dann ist da noch die ungewisse Sicherheitslage.

Rio de Janeiro. Er sagt einmal "Seguro", "ganz sicher". Und dann sagt er noch ein zweites Mal "Seguro". Juliano Penteado steht am Bahnsteig einer Metrolinie, die zum Politikum schlechthin, zum Symbol der Probleme auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro geworden ist. Wird sie fertig oder gibt es eine kolossale Blamage? So lautet seit Monaten die Gretchenfrage. Nun ist der Projektleiter Penteado überzeugt: Kurz vor der Eröffnungsfeier rollen hier die Züge.

Es ist mit über 2,5 Milliarden Euro das teuerste Olympiaprojekt. Die Linie verläuft vom Strandviertel Ipanema zum Stadtteil Barra, wo der Olympiapark mit den meisten Sportstätten liegt. Von der Endstation geht es mit Schnellbussen auf exklusiven Spuren zum Olympiapark.

Fast immer Stau


Um zu verstehen, welches Debakel eine Nicht-Eröffnung bis Olympia wäre, muss man sich die Topographie vor Augen führen. Nach Barra gibt es von Copacabana und Ipanema aus nur zwei größere Straßen, die Gegend ist von Bergen durchzogen. Auf bisweilen zwei Stunden pro Anfahrt hätten sich Touristen wohl von hier nach Barra einzustellen, wenn statt einer Metro nur Busse fahren. Hier ist fast immer Stau. "2000 Autos sind dort pro Stunde unterwegs", sagt Penteado. Seine Metro-Linie 4 soll bis zu 300 000 Leute am Tag transportieren.

Aber wenn es am 1. August wirklich losgehen sollte, dann will man nicht gleich mit einem Volllastbetrieb starten. Sondern es wird eine exklusive Olympiametro, so richtig scheint man der Sache nicht zu trauen. Vom 1. bis 5. August, dem Tag der Eröffnungsfeier, dürfen nur Sportler, Delegationsmitglieder, Arbeiter, Techniker und Journalisten mit Akkreditierungen die Metro nutzen. Ab 5. August auch alle Leute mit Eintrittskarten. Nach den Olympischen und Paralympischen Spielen wird die Metro für alle geöffnet - aber nur von 11 bis 15 Uhr fahren. Nach und nach soll der Zeitraum erweitert werden und vielleicht Ende des Jahres als Vollbetrieb funktionieren.

Die Sportstätten sind alle fertig, ebenso eine 26 Kilometer lange Schnellbuslinie, die Barra mit Deodoro im Norden der Stadt verbindet. Viele Infrastrukturprojekte wurden von dem von deutschen Einwanderern gegründeten Baukonzern Odebrecht gebaut; von der Metro bis zum Ausbau des Flughafens, der nun 17 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen kann. Von einer riesigen Leitzentrale wird das Nahverkehrssystem gesteuert. In der Spitze sollen bis zu 426 752 Olympia-Fahrgäste am Tag mit Metro, Bussen und Bahnen transportiert werden.

Korrupte Spiele?


Vieles steht auf wackligen Beinen. Aus Sicht der Kritiker stellt sich zudem die Frage, ob es auch bei Olympia Korruptionsfälle gegeben hat. Odebrecht steht im Fokus eines Skandals um Schmiergeldzahlungen bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Petrobras-Konzerns, Ex-Chef Marcelo Odebrecht wurde zu 19 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt.

Nicht gelöst werden konnte zudem ein großes Umweltproblem. In der Guanabara-Bucht, wo die Segelwettbewerbe stattfinden, soll nun ein Abwasser-Rohrsystem das bisherige direkte Einlaufen Bakterien und Viren aus dem Krankenhäusern und Haushalten verringern, zudem sollen Barrieren Müll aus dem Segelrevier fernhalten. Zwar kommen die Spiele gerade zur Unzeit, aber Paes setzt auf die Begeisterungsfähigkeit der Bewohner und die Macht der Bilder aus dieser wundervollen Stadt.

85 000 Sicherheitskräfte


Dank der Finanzspritze der Regierung konnten ausstehende Gehälter bezahlt werden, unter anderem für die Polizei. Das ist vor allem mit Blick auf die Sicherheit wichtig. 85 000 Sicherheitskräfte, über doppelt so viele wie in London, sollen für sichere Spiele sorgen. Schon jetzt patrouillieren schwer bewaffnete Militärs, der IS-Terror hat zu einer Verschärfung der Maßnahmen geführt. Letztlich sind die Spiele eine Wundertüte - nach all den negativen Schlagzeilen liegt in der Krise auch eine Chance: Rio2016 kann ja vielleicht positiv überraschen.
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