Olympische Spiele in Rio
Rio geht mit Samba und viel guter Laune

Die Brasilianer feierten zum Olympia-Abschluss ein farbenfrohes Fest. Bild: dpa
 
Doppel-Olympiasieger Sebastian Brendel (Mitte) trug die deutsche Fahne bei der Abschlussfeier. Bild: dpa

Olympia-Finale der Kontraste: In der Favela nebenan fällt der Strom aus, im grell erleuchteten Maracanã gibt es eine sehr brasilianische Abschluss-Sause. Und Tokio reichen 11 Minuten, um zu zeigen, dass sie 2020 ein ganz anderes Olympia organisieren werden.

Rio de Janeiro. Ein bisschen vom Pech verfolgt sind diese Olympischen Spiele schon gewesen. Das Ende: Es stürmt, schwere Schauer gehen auf den Fußball-Tempel Maracanã nieder - und doch feiern die Cariocas, die Menschen Rios, wie nur sie es können. Mit bescheidenen Mitteln bieten sie zur Abschlussfeier eine zauberhafte Show, ein Gegenbild zu all den Pannen. Übervoll an Farben, Rhythmus, Freude, lachenden Gesichtern. So richtig los legen auch die Sportler, tanzen in Capes gegen den Regen an, die Briten mit Blinkschuhen. Tausende Athleten aus den 207 Teams sind stolz, diese von unbändigem Elektro-Pop und Samba getriebene Party erleben zu dürfen. Die deutschen Athleten um Fahnenträger und Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel mittendrin.

Nein, diese Olympischen Spiele von Rio de Janeiro, die ersten in Südamerika, sind weit davon entfernt, perfekt zu sein. Ging auch gar nicht in einem Land, das nicht nur in einer wirtschaftlichen und politischen, sondern auch in der Sinn-Krise steckt.

Spiele in einer Stadt, die ein Sicherheitsproblem hat - Olympia 2016 war ein Rendezvous mit Rios Realität. In das Bild passt: Das Maracanã leuchtet und in der benachbarten Favela herrscht Dunkelheit: Stromausfall. Dass sich an diesem Abend, der bei der Eröffnung so ausgepfiffene Interimspräsident Michel Temer gar nicht mehr ins Stadion traut, zeigt, dass dringend jemand auf Neustart drücken muss in diesem faszinierenden und widersprüchlichen Land.

Was Geld ausrichten kann, zeigen 11 Minuten und 45 Sekunden, in denen sich die nächsten Gastgeber aus Tokio präsentieren. Weil er fürchtet, zu spät zur Schlussfeier zu kommen, wird aus Japans Premierminister Shinzo Abe kurzerhand Super Mario, der sich durch den Erdball bohrt und - pünktlich - in der Mitte des Maracanã auftaucht. Was dann folgt, ist ein Bewerbungsschreiben, die perfekten Spiele ausrichten zu wollen, koste es, was es wolle. Und dann ist da noch das mit Spannung erwartete Urteil des IOC-Präsidenten Thomas Bach. Ein Superlativ ist bei aller Liebe zur brasilianischen Improvisationskunst nicht drin? Bach improvisiert ein bisschen: "Das waren wunderbare Olympische Spiele in der wunderbaren Stadt." Jubel bei den Bewohnern der selbst ernannten Cidade Maravilhosa. Um 22.26 Uhr Ortszeit erlischt das Feuer. Dann haben die Sambaschulen noch einmal ihren großen Auftritt.

Keine Spiele mehr bei ARD und ZDF?


Das Mammut-Programm aus Rio mit mehr als 300 Stunden Live-Berichterstattung ist für ARD und ZDF beendet. Es könnte die Abschiedsvorstellung gewesen sein. Noch immer haben die Sender keine Sub-Lizenz von Discovery/Eurosport für die kommenden Olympischen Spielen erworben. "Die finanziellen Vorstellungen liegen noch weit auseinander", sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. "Wir haben unser Angebot auf den Tisch gelegt - und ich hoffe, dass wir noch zusammenkommen." Die Quoten der Rio-Berichterstattung waren gut. "Diese Spiele haben uns wieder gezeigt, wie attraktiv Olympia ist", sagte Frey. "Wir haben großes Interesse, diese jahrzehntelange Tradition als Olympia-Sender nicht fallen zu lassen. Aber wir bewegen uns auch finanziell in einem abgesteckten Rahmen." Discovery hatte sich im vergangenen Jahr die TV-Rechte der Olympischen Spiele für den europäischen Markt gesichert. Der von 2018 bis 2024 geltende und 1,3 Milliarden Euro teure Kontrakt gilt auch für den deutschen Markt.

NRW offen für Olympia 2028


Die Vision einer deutschen Olympia- Bewerbung um die Sommerspiele 2028 findet derzeit nur in Nordrhein-Westfalen Zuspruch. "Wir sind auf jeden Fall offen für die Idee. Für mich ist aber auch klar, dass das erste Signal da vom Sport selbst kommen muss", sagte Nordrhein-Westfalens Sportministerin Christina Kampmann. Klar sei aber auch, "dass wir Olympische Spiele nur dann stattfinden lassen können und auch nur eine Bewerbung in Gang setzen können, wenn die Menschen in Nordrhein-Westfalen dahinter stehen", betonte die SPD-Politikerin.

PressestimmenBrasilien

Portal "O Globo": "Die Olympischen Spiele von Rio hinterlassen ein Gefühl der Sehnsucht. Im Regen des Maracanã hat das Land seine Seele gereinigt und das Ende sowie den Beginn einer neuen Zeit gefeiert. Es waren 17 unvergessliche Tage der ersten Ausgabe der Spiele in Südamerika und diese endeten so, wie es der Brasilianer mag und kann: Mit Party, Gefühl, Freude und viel Samba."

Sportzeitung "Lance!": "Das Gefühl, die Aufgabe erfüllt zu haben, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass unser Markenzeichen bleibt. Die Herausforderung liegt nun bei Japan."

Großbritannien

"Daily Mail": "Rio verabschiedet sich mit einem Knall und einem Platsch."

"The Sun" online: "Die Olympischen Spiele sind mit einer riesigen, vom Regen durchnässten Party im Maracana Stadion zu Ende gegangen. (...) Zwar war das berühmte Stadion halb leer, aber trotzdem war es ein großartiger Abschied."

Spanien

"AS" online: "Farbe und Samba, um die Organisationsprobleme zu vertuschen. Die Spiele sind am Ende allerdings ohne schlimme Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Angesichts des im Vorfeld gezeichneten tragischen Panoramas war es besser als erwartet."

Frankreich

"Le Monde" online: "An diesem Abend herrschte ein wenig "saudade" (Sehnsucht) im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro. (...) Rio hat sich während zwei Wochen in eine "wundervolle Stadt" verwandelt, die aus den Spielen trotz der Zweifel einen Erfolg machte. (...) Und danach? Das Erwachen könnte hart werden. Wenn die Magie der Spiele vorbei ist, wird die Brutalität der Realität sich aufdrängen."

"Le Figaro" online: "Der Pflichtenkatalog wurde erfüllt. Die verzauberte Auszeit wird brutal enden. Das Leben, erschwert von politischen Qualen, wirtschaftliche Ängste und soziale Unruhen, nimmt in seiner ganzen gewalttätigen Wirklichkeit wieder seinen Lauf."

Russland

"Sport-Express": "Das ist ein Sieg. Trotz allem hat die russische Mannschaft den vierten Platz belegt und bringt 56 Medaillen nach Hause. Das Team kann stolz sein auf seinen Auftritt bei den Spielen in Rio." (dpa)
Weitere Beiträge zu den Themen: Olympische Spiele (237)Rio2016 (208)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.