Ottmar Hitzfeld erhält "Fußballkulturpreis 2014" - Nur noch Privatleben zählt
Gentleman als Mensch und Trainer

Preisträger und Laudator: Ottmar Hitzfeld (links) erhielt die Auszeichnung von seinem langjährigen Wegbegleiter, dem "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh. Bild: hou
(hou) Er hat sich nie ins Rampenlicht gedrängt. Doch diesmal blieb Ottmar Hitzfeld nichts anderes übrig. In der Nürnberger Tafelhalle bekam er den "Deutschen Fußballkulturpreis 2014" und damit eine Auszeichnung, die vor ihm schon Männer wie Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Sir Bobby Charlton erhalten hatten.

Die Laudatio auf Hitzfeld hielt "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh. Er sagte: "Unser Preisträger hat alles erreicht, was man als Trainer erreichen kann." Der gebürtige Lörracher habe zusammen mit einer Reihe von Teams insgesamt 25 Titel geholt. Holzschuh erinnerte an Triumphe in der Champions-League mit Borussia Dortmund und Bayern München, er streifte auch Hitzfelds Arbeit als Nationaltrainer der Schweiz. "Das Spiel gegen Argentinien im Achtelfinale bei der diesjährigen WM war sein letztes", ließ Holzschuh anklingen. Seither sei der inzwischen 65-Jährige Privatier.

Der Blick auf Ottmar Hitzfelds lange Karriere schloss auch eine Personenbeschreibung mit ein. "Er gab als Trainer und Mensch immer den Gentleman", unterstrich Rainer Holzschuh und fügte hinzu: "Ihm ist es permanent gelungen, alle auf das gemeinsame Ziel einzuschwören." Als Autorität, aber auch als subtiler Beobacher seiner Spieler. Dann verriet der "Kicker"-Chef etwas, das so nie in die Schlagzeilen geraten war: "Der DFB hatte Hitzfeld damals die Nachfolge von Rudi Völler als Bundestrainer angeboten. Er lehnte ab."

Lange Dankesreden sind nicht Hitzfelds Sache. Er ließ sich von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein interviewen. Ärgert er sich gelegentlich? "Höchstens beim Autofahren." Ist er zufrieden? "Zufriedenheit ist der größte Feind, wenn Leistungen erbracht werden sollen." Der schlimmste Moment? "1999, als uns Manchester United im Finale der Champions-League in den allerletzten Minuten vom Platz gefegt hat."

Ein Sympathieträger, der sich nach der Preisverleihungs-Gala angeregt mit einem aus Afghanistan stammenden Trainer unterhielt. Der Mann betreut Flüchtlingskinder und bekam an diesem Abend ebenso einen Preis wie Gertjan Verbeek, der den Club aus Nürnberg ziemlich erfolglos coachte. Der Holländer hatte nach Meinung des Publikums den launigsten Spruch von sich gegeben, als er sagte:"Ich hoffe, dass ich 90 Jahre alt werde. Dann kann ich sagen, ich hätte 100 werden können. Aber ich habe in Nürnberg gearbeitet."
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