Ovtcharov soll es richten

Mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov in Bestform gäbe es für die deutschen Tischtennis-Herren in Europa keine Konkurrenz. Ohne Boll wird die Titeljagd bei der EM in Russland deutlich schwieriger.

Dimitrij Ovtcharov ist bereit für einen doppelten Kraftakt. Der Tischtennis-Europameister möchte bei der EM im russischen Jekaterinburg seinen Einzel-Titel verteidigen und zuvor das deutsche Herren-Team zurück auf den EM-Thron führen. Nach dem Ausfall von Top-Star Timo Boll wegen einer Knieoperation ist das keine leichte Aufgabe für den Weltranglisten-Fünften, zumal ihn schon seit Monaten große Rückenprobleme plagen.

"Teilweise musste ich starke Schmerzmittel nehmen", bekannte der 27-Jährige. Nach dem frühen Aus bei der WM im Mai absolvierte "Dima" im Sommer ein volles Programm. Er spielte in Chinas Superliga, flog zwischenzeitlich nach Baku, wo er die European Games gewann, und nahm an diversen Turnieren teil. Seinem Körper gönnte er nur eine Woche Pause auf Mallorca. "Drei Wochen Urlaub wären besser gewesen. Ich bin an meine Grenzen gestoßen", sagte Ovtcharov.

Beim EM-Lehrgang in Düsseldorf begegnete der Olympia-Dritte seinen Problemen mit Kräftigungsübungen. "Der Rücken ist momentan sehr viel besser als in Baku. Ich bin auf einem guten Weg", erklärte der Vielspieler. Bei den ersten Trainingseinheiten im EM-Ort am Rande des Urals wirkte er locker und stand den russischen Medienvertretern Rede und Antwort. "Ich kann inzwischen Russisch fast so gut wie Deutsch sprechen", erläuterte Ovtcharov.

Für den Profi des russischen Clubs Fakel Orenburg ist die EM fast ein Heimspiel. "Wir haben schon mehrmals in Jekaterinburg gespielt", berichtete der in Kiew geborene Rechtshänder. Im Alter von drei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Hameln, und vielleicht schlägt er demnächst wieder in der Bundesliga auf.

Mit EM-Gold könnte Ovtcharov seinen Marktwert erhöhen, wäre damit aber auch für Vereinssponsoren interessanter. "Ich bin nicht in der Form von 2013. Damals haben wir auch ohne Timo den EM-Titel geholt. Daran sollten wir uns orientieren", sagte er vor den Auftaktspielen gegen Polen und Spanien am Freitag. "Timos Ausfall ändert nichts an unserer Zielsetzung. Wir wollen das Turnier gewinnen und müssen die neue Situation annehmen", erklärte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Die 1:3-Pleite im EM-Finale 2014 gegen Gastgeber Portugal wurmt die DTTB-Herren noch immer. Vor einem Jahr gab es so viele Ausfälle, dass Ovtcharov notgedrungen trotz einer Zahnoperation eingeflogen werden musste. Bei den European Games spielte das Team nach dem Ausfall von Boll wegen einer Lebensmittelvergiftung nur mit zwei Mann. Diesmal wollen Ovtcharov und seine Kollegen Patrick Baum, Patrick Franziska, Ruwen Filus und EM-Debütant Ricardo Walther die Pechsträhne beenden.
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