Paralympics
Daniel Scheil stößt zu Gold

Die Paralympics in Rio de Janeiro entwickeln sich immer mehr zu einer deutschen Erfolgsgeschichte - und zu einem Besuchermagneten. Die deutsche Bilanz des Wochenendes: Dreimal Gold an einem Tag - und dazu noch eine ganz besondere Medaille.

Rio de Janeiro. Der bislang erfolgreichste deutsche Tag bei den Paralympics endete mit einem schönen Blick auf den beleuchteten Strand. Vanessa Low und Daniel Scheil erhielten in der Nacht zu Sonntag einen gemeinsamen Empfang im Deutschen Haus: die Weitspringerin auf gleich zwei Prothesen und der Kugelstoßer im Rollstuhl.

Gemeinsam mit dem Triathleten Martin Schulz bescherten sie den deutschen Behindertensportlern in Rio de Janeiro drei Goldmedaillen an nur einem Wettkampftag. Vanessa Low verbesserte dabei gleich zweimal ihren eigenen Weltrekord auf am Ende 4,93 Meter.

Am Sonntag kam sogar noch ein ganz besonderer Moment hinzu: Bahnradfahrer Stefan Nimke ist der erste deutsche Sportler, der eine Medaille bei Paralympischen und Olympischen Spielen gewann. Zwölf Jahre nach seinem Olympiasieg in Athen holte er in Rio zusammen mit Kai Kruse Bronze im Kilo-Finale. "Jetzt hat sich die ganze Arbeit der letzten drei Jahre gelohnt", sagte Nimke, der der Tandempilot seines sehbehinderten Partners ist.

Friedhelm Julius Beucher sprach als Chef der deutschen Delegation trotzdem von einem "goldenen Tag - und das in vollen Stadien". Denn zur Geschichte dieser Paralympics gehört auch, dass sie sich entgegen aller Prognosen zu einem Publikumsmagneten entwickelt haben. 167 000 Menschen kamen am Samstag in den Olympia-Park.

Low und Scheil stehen in Rio nicht nur für die sportlichen Erfolge des deutschen Teams, sondern auch für die vielen persönlichen Schicksale, die dahinterstehen. Die Weitspringerin wurde im Alter von 15 Jahren vor einen Regionalzug gestoßen und verlor dabei beide Beine - der Täter wurde bis heute nie gefasst. Der 43 Jahre alte Scheil brach 2008 von einer Sekunde zur nächsten beim Bäcker zusammen und lag danach einen Monat lang im Koma. Der Sauerstoffmangel bewirkte eine Reihe von Folgeerkrankungen, seit 2010 sitzt er im Rollstuhl.

Gleich bei seinen ersten Paralympics gewann er Gold. 11,03 Meter stieß er die Kugel im Olympiastadion von Rio weit. "Das war heute mein Tag. Ich werde das jetzt nur noch genießen", sagte Scheil.

Jenseits von Rio leben er und Vanessa Low in zwei verschiedenen Welten. Der für den BVS Weiden in Bayern startende Sachse wohnt in einem kleinen Dorf, in dem ihm nach eigenen Angaben irgendwann so langweilig wurde, dass er im Internet nach einer Beschäftigung suchte und dabei auf die Geschichte der Paralympics-Siegerin Birgit Kober stieß. Er rief sie einfach an - und kam so 2011 zum Behindertensport. Low dagegen lebte und trainierte zuletzt in den USA und zieht jetzt zu ihrem Freund nach Australien.

Bereits am Samstag hatte Martin Schulz die paralympische Triathlon-Premiere an der Copacapana gewonnen. 1:02:37 Stunden benötigte er für 750 Meter Schwimmen, 20,92 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Der 26-Jährige wurde ohne linken Unterarm geboren und hatte am Ende 28 Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Stefan Daniel.

Auch an der Copacapana waren Tausende Zuschauer. Die knappe Niederlage der deutschen Goalballer gegen Kanada (5:7) sahen rund 12 000 Zuschauer.

Medaillenspiegel: Platz 7


Mit viermal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze liegt das deutsche Team aktuell auf Platz sieben der Nationenwertung. Nach 154 von 521 Entscheidungen führt China (27/28/21) diesen Medaillenspiegel mit großem Vorsprung vor Großbritannien (20/10/14) an.

Das war heute mein Tag. Ich werde das jetzt nur noch genießen.Daniel Scheil
Weitere Beiträge zu den Themen: Paralympics (16)Danile Scheil (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.