Paralympics
Kampf gegen das Chaos und um die Medaillen

Marianne Buggenhagen will in Rio auch bei ihren siebten Paralympics über eine Medaille jubeln. Bild: dpa

Frankfurt. Man stelle sich vor: Eine Schwimmerin kommt nicht rechtzeitig zu ihrem Wettkampf, weil der Bus dorthin nicht fährt. Oder ein Rollstuhlbasketballer kann nicht auf sein Zimmer im Paralympischen Dorf, weil der Fahrstuhl nicht funktioniert. Beides ist nur ein Worst-Case-Szenario. Aber trotzdem fliegen die deutschen Sportler an diesem Mittwoch mit genau solchen Sorgen nach Rio de Janeiro, wo vom 7. bis 18. September die Paralympics stattfinden.

4300 Sportler


Die Spiele der Behindertensportler stecken in einem Dilemma. Noch nie war die Paralympische Bewegung mit mehr als 4300 Sportlern aus über 160 Nationen so groß. Noch nie wurde das größte Ereignis, das sie zu bieten hat, in mehr als 100 Länder übertragen. Doch gerade diese Paralympics werden auch von schwerwiegenden Problemen und sportpolitischen Entscheidungen überlagert. Die komplette russische Mannschaft darf nach den Doping-Enthüllungen der vergangenen Monate nicht starten. Dazu fehlt den Organisatoren in Rio das Geld. Die gesamten Spiele stehen unter einem Spardiktat.

"Wir reisen in der Erwartung nach Rio, dass ein Haufen mehr Dinge auf uns zukommen als sonst", sagt Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. "Es gibt logistische und organisatorische Einschnitte. Aber mein Vertrauen in die Organisationskraft des Internationalen Paralympischen Komitees ist sehr groß."

155 Athletinnen und Athleten gehören zum deutschen Team. Die bekanntesten von ihnen sind Weitspringer Markus Rehm, der vergeblich versucht hat, auch an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Und die schon 63 Jahre alte Marianne Buggenhagen, die bei bislang sechs Paralympics insgesamt neun Goldmedaillen im Diskuswerfen, Kugelstoßen oder Speerwerfen gewann.

Die Deutschen profitieren insofern vom Ausschluss der russischen Mannschaft, als sie in der vergangenen Woche noch einmal acht Sportler in verschiedenen Disziplinen nachnominieren durften. Der deutsche Chef de Mission Karl Quade betont zwar, dass es in seinem Team anders als bei der deutschen Olympia-Mannschaft keine Medaillen- Ziele gebe. "Jeder Athlet soll sauber bleiben und sich im Bereich seiner persönlichen Bestleistung bewegen. Was dann an Platzierungen und Medaillen dabei herauskommt, wird sich schon ergeben", sagt er.

Das bedeutet aber nicht, dass die deutsche Mannschaft ohne jeden sportlichen Ehrgeiz nach Brasilien fliegt. "Wir wollen unseren Platz unter den führenden paralympischen Nationen festigen", meint Beucher. "Wir haben selten zuvor so viele Welt- und Europameistertitel geholt wie in den letzten Jahren, und das quer durch alle Sportarten. Das ist kein Garant für das Treppchen. Aber eine gute Voraussetzung."
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