Paralympics
Mr. Paralaympics

Karl Quade. Bild: dpa

Hamburg. Von so einer Erfolgsbilanz als Chef de Mission kann Michael Vesper nur träumen. Karl Quade hat sich als Chef de Mission der deutschen Paralympischen Mannschaft bislang allein bei den Sommerspielen über 457 Medaillen freuen können - 117 Mal Gold, 178 Mal Silber und 162 Mal Bronze. Natürlich ist Quade, Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes, deutlich dienstälter als der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes Vesper, der in Rio erst zum vierten Mal sportlicher Leiter eines Olympia-Teams war. Quade ist zum elften Mal Teamchef - fünfmal bei Winter- und jetzt sechsmal bei Sommer-Paralympics.

Auch als Aktiver dabei


Der ehemalige Standvolleyballer und Kugelstoßer hat solche Zahlen nicht im Kopf, aber er weiß: "Ich habe mehr Spiele vor Ort erlebt als verpasst." In Rio finden bis zum 18. September die insgesamt 26. Paralympics statt. Quade erlebte davon schon 13, denn dreimal war er auch als Aktiver dabei. Er hat eine Fußdysmelie, eine angeborene Fehlbildung am Fuß.

Zu den insgesamt 1450 deutschen Medaillen bei Sommer-Paralympics hat der mehrfache deutsche Meister und frühere Volleyball-Coach des TSV Bayer 04 Leverkusen eine goldene 1988 in Seoul und eine silberne 1984 in New York im Standvolleyball beigesteuert.

Eine dritte Medaille blieb ihm verwehrt: Als er 1992 als Kugelstoßer nach Barcelona kam, wurde er vor Ort nicht klassifiziert und Quades Behinderung aus seiner Startklasse gestrichen. "Ein einschneidendes Erlebnis für mich, das im letzten Moment zu erfahren. Diese Erfahrung wünsche ich keinem", sagt er.

Dass er später als Spitzenfunktionär vehement darauf hingewirkt hat, dass sämtliche Klassifizierungen mittlerweile mit ausreichend Vorlaufzeit erfolgen, liegt auch an der persönlichen Enttäuschung von 1992. "Über diese Änderung bin ich sehr froh", sagt der promovierte Sportwissenschaftler und Bundesverdienstkreuzträger, der in der Sportabteilung des Bundesministeriums des Innern arbeitet.

Der Sport bestimmt sein Leben. Auch seine Frau lernte er so kennen - bei den Paralympics 1984 in New York. Petra Quade, damals noch Buddelmeyer, ist sechsfache Goldmedaillen-Gewinnerin im Sprint und Weitsprung. 1988 in Seoul gewannen sie beide Gold, Petra gar dreimal.

Zentrale Anlaufstelle


Als Chef de Mission ist Quade in Rio die zentrale Anlaufstelle. Logistik, Kommunikation, Organisation, personelle Angelegenheiten - "ich muss möglichst auf alle Eventualitäten vorbereitet sein", sagt er. Die Sportler fühlen: "Der ist einer von uns." Seine Lieblingsspiele: London und Sydney. Auch Peking hat ihn sehr beeindruckt. Ob Rio das toppen kann? Müsse es gar nicht, sagt er.

Zweimal war der 61-Jährige im Vorfeld in Brasilien. Einmal, um Teamchefs anderer Länder wichtige Erfahrungen weiterzugeben. Einmal, um die Gegebenheiten vor Ort zu checken. Quade glaubt an eine erfolgreiche Mission des deutschen Teams. Man habe "keine Medaillenvorgabe ausgegeben, aber große Hoffnungen und Erwartungen." 155 deutsche Aktive sind in Rio de Janeiro am Start. Bei der Rückkehr nach Deutschland wird die Medaillenbilanz von "Mr. Paralympics" mit Sicherheit noch beneidenswerter sein.
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