Paralympics
Politik überlagert Paralympics

Das war der große Aufreger bei der Eröffnungsfeier der Paralympics: Der weißrussische Funktionär Andrej Fomotschkin zog mit der russischen Nationalflagge ein. Diese Aktion hatte seine Suspendierung zur Folge. Bild: dpa
 
Pech für Medaillenkandidatin Denise Schindler und das deutsche Team. Die Radsportlerin wurde wegen unerlaubten Fahrens im Windschatten disqualifiziert. Bild: dpa

Die Paralympics in Rio haben begonnen - und werden wie schon im Vorfeld von politischen Themen übertrumpft. Ein weißrussischer Funktionär und IOC-Chef Thomas Bach sorgten zum Auftakt für mehr Schlagzeilen als die Sportler.

Rio de Janeiro. Die Politik hat in Rio de Janeiro auch den ersten Wettkampftag der Paralympics dominiert. Ein weißrussischer Funktionär wurde am Donnerstag von den Weltspielen des Behindertensports ausgeschlossen, weil er bei der Eröffnungsfeier die Fahne des gesperrten Russlands gezeigt hatte. Für die deutsche Mannschaft begannen die Paralympics mit den ersten beiden Medaillen - aber auch mit einer großen Enttäuschung.

Erste Medaillen


Die Zwillinge Carmen und Ramona Brussig haben im Judo die ersten deutschen Medaillen erkämpft. Beide erreichten am Donnerstag jeweils das Finale, mussten sich aber dort geschlagen geben, freuten sich aber auch über die Silbermedaillen. Carmen Brussig startet im Superleichtgewicht bis 48 Kilogramm, Ramona in der Klasse bis 52 Kilogramm. Die 38 Jahre alten Zwillinge vom PSV Schwerin gewannen bereits 2012 in London jeweils Gold.

Ein weißrussischer Funktionär ist bei der Eröffnungsfeier der Paralympics mit der russischen Fahne ins Stadion Maracana einmarschiert. Er protestierte mit dieser Geste gegen den Ausschluss des russischen Teams, das in Rio de Janeiro aufgrund massiver Doping-Enthüllungen nicht dabei sein darf.

Während Andrej Fomotschkin in Moskau gefeiert wurde, entzog ihm das Internationale Paralympische Komitee die Akkreditierung. "Das IPC wird das weißrussische Nationale Paralympics Komitee daran erinnern, dass politische Proteste während der Paralympischen Spiele verboten sind", heißt es in der offiziellen Erklärung dazu.

Beucher verteidigt Bach


IOC-Präsident Thomas Bach hatte bei der Eröffnungsfeier gefehlt. Brasilianische und deutsche Medien berichten übereinstimmend, dass der Chef des Internationalen Olympischen Komitees in Rio als Zeuge in dem Ticketskandal um das IOC-Mitglied Patrick Hickey vernommen werden sollte und deshalb nicht nach Brasilien geflogen war.

Friedhelm Julius Beucher, Chef des Deutschen Behindertensportverbandes, nahm Bach gegen jede Kritik in Schutz. "Er hat an dem Staatsakt für den früheren Bundespräsidenten und Außenminister Walter Scheel teilgenommen. Da kann man einfach nicht nach Rio de Janeiro kommen", sagte Beucher am Donnerstagmorgen (Ortszeit). Alles andere seien "Medienspekulationen". "Ich habe von Herrn Hickey keine Karten angeboten bekommen und kann von daher in dieser Sache nicht einmal als Zeuge aussagen."

Die deutschen Goalballer haben zum Auftakt der Paralympics mit 10:0 gegen Algerien gewonnen. Die Partie dauerte nur etwas mehr als zehn Minuten, weil die Regeln den sofortigen Abpfiff vorsehen, falls eine Mannschaft mit zehn Toren Abstand führt. Goalball ist ein Spiel für Sehbehinderte, bei dem jeweils drei Spieler pro Team versuchen, den Ball in das neun Meter breite Tor des Gegner zu werfen.

Radsportlerin disqualifiziert


Radsportlerin Denise Schindler ging als Medaillenkandidatin in die Einzelverfolgung auf der Bahn. Doch die 30-Jährige wurde bereits nach ihrem Qualifikationsrennen disqualifiziert. Die Begründung: Schindler war zu lange im Windschatten ihrer Gegnerin Megan Giglia aus Großbritannien gefahren. Besonders bitter daran: Ihre Zeit hätte für die Teilnahme an dem Rennen um die Bronzemedaille gereicht.
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