Paralympics
Weltspiele der Fröhlichkeit

Bei der Abschlussfeier der Paralympics ging es bunt und heiter zu. Eine japanische Tanztruppe erzeugte Vorfreude auf die Weltspiele des Behindertensports 2020 in Tokio. Bild: dpa

Manch böse Überraschung bei Olympia, Positives bei den Paralympics. Rio 2016 waren Spiele, die von den Menschen lebten. Nicht perfekt, aber mit Herz. Doch die Kosten sind eine Bürde für die Zukunft.

Rio de Janeiro. Die Athleten tanzen, ein Armamputierter spielt mit den Füßen Gitarre. Es regnet in Strömen im Maracanã, doch tausende Sportler mit Behinderung, die hier 209 Weltrekorde aufgestellt haben, feiern auch sich selbst. Immer wieder formen sie mit den Händen ein Herz und halten es in die Kameras.

"Das waren exzellente Spiele", meint der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Philip Craven. "Spiele der Menschen". Das Stadion wird zur Tanzarena. Rio hat es geschafft. Als um 22.21 Uhr die Flamme erlischt, sind nach 17 Tagen Olympia auch 12 Tage Paralympics Geschichte. Man sieht sich wieder in Tokyo 2020.

Während Olympia mitunter für Frust sorgte - angefangen von Mängeln im Olympischen Dorf über leere Stadien bis zu Schüssen auf ein Pressezentrum - überraschten die Paralympischen Spiele alle. Von erst nur 300 000 verkauften Tickets kletterte der Verkauf auf über zwei Millionen. Auch weil viele Familien dank Ticketpreisen ab drei Euro diese stimmungsvollen Paralympics für sich entdeckten. Die Weltspiele für Behindertensportler lebten vom Herz der Menschen, keine Schmähgesänge der Brasilianer gegen die Argentinier und andersherum wie bei Olympia (bis hin zu einer Schlägerei im Tennisstadion). Die Sportler mit Behinderung wurden frenetisch angefeuert, Goalballer, die sonst vor hundert Zuschauern spielten, wurden von 12 000 Leuten angefeuert. Ein Grund dafür: Die deutlich niedrigeren Ticketpreise als bei Olympia. Insgesamt kamen aber statt der erhofften Million so nur 410 000 ausländische Touristen zu Olympia.

Rio 2016 war der Versuch, mit weniger Geld und Prunk (10,3 Milliarden Euro Gesamtkosten, zu fast 60 Prozent privat finanziert) Spiele zu organisieren. Letztlich muss sich das IOC entscheiden, was es will: perfekte Scheinwelten oder bescheidenere Spiele - Rios Kapital sind eher die Musik und Menschen. Das positive Erbe: Der Olympiapark soll zum großen Schul- und Leistungssportzentrum umgebaut werden, bisher fehlen professionelle Strukturen, auch für den Behindertensport. Und rund zwei Drittel der Bürger sind durch neue Metro- und Buslinien nun an den Nahverkehr angeschlossen - die über 2,5 Milliarden Euro teure Metrolinie Richtung Olympiapark nutzt vor allem den besser betuchten Bürgern. Barra ist geprägt von der weißen Mittel- und Oberschicht.
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