Patrick Erras aus Raigering spielt sich in die Club-Elf
Die Oberpfälzer Hoffnung der Franken

Elegante Ballführung, immer das Spielfeld im Blick: Der Raigeringer Patrick Erras (hier bei seinem Startelf-Debüt vor knapp zwei Wochen gegen den FSV Frankfurt) ist schon sehr abgeklärt, macht auch in Druck- situationen kaum Fehler. Club-Trainer René Weiler holte den Oberpfälzer jetzt fest in den Profikader des FCN. Bild: Bernd Müller

Der Raigeriner Patrick Erras gehört mittlerweile fest zum Profikader des 1. FC Nürnberg. Auch gegen Düsseldorf überzeugte der Oberpfälzer im defensiven Mittelfeld des fränkischen Traditionsclubs. Und er ist schon begehrt: Am Donnerstag meldete "Bild.de", dass Werder Bremen den Raigeringer, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, schon länger beobachte. Der Club will das Eigengewächs aber unbedingt halten.

Im NT/AZ-Interview spricht der 1,96 Meter große Spieler auch über Träume, Typen, Gänsehaut und seine Abgeklärtheit.

Herr Erras, leben Sie derzeit Ihren Traum? Ihre letzten zwei Wochen müssen für einen jungen Fußballer doch der Wahnsinn gewesen sein?

Erras: Ja, das ist es. Ich bin jetzt seit neun Jahren hier, aber jetzt geht alles auf einmal rasant schnell. Es macht einfach Riesenspaß.

Vor vier Wochen spielten Sie mit der zweiten Mannschaft des Clubs noch vor 200 Zuschauern. Am Dienstag liefen Sie vor 20 000 Zuschauern auf. Eine andere Welt ...

Erras: Klar, das ist eine andere Welt, aber darauf habe ich auch hingearbeitet. Man freut sich aber einfach darauf, vor dieser Kurve zu spielen. Darauf habe ich gewartet.

Sie waren vor der Saison für die "Zweite" eingeplant. Wie kam es zu der rasanten Entwicklung?

Erras: Ich habe schon vorher öfter oben bei den Profis mittrainiert. Ich konnte dabei allem Anschein nach den Trainer überzeugen.

In der Kabine sitzen jetzt Leute wie Jan Polak, Raphael Schäfer oder Alessandro Schöpf neben Ihnen ...

Erras: Am Anfang ist man da schon zurückhaltender, klar. Ich bin ja auch eher der ruhigere Typ. Aber das hat sich dann schnell gelegt. Das sind ja alles nette Menschen, gute Typen. Da ist der Umgang genauso, wie früher mit den U23-Spielern auch.

Gibt's Tipps von den Erfahrenen?

Erras: Natürlich. Leute wie Jan Po-lak oder Even Hovland, die länger im Profigeschäft sind, helfen mir total. Sie geben wichtige Hinweise.

Ihr Spiel wirkt trotz ihrer erst 20 Jahre schon sehr abgeklärt, sehr konzentriert, ohne große Schnörkel. Immer zielgerichtet ...

Erras: Das ist mein Spiel, das versuche ich auch jetzt bei den Profis beizubehalten. Ich spiele immer so, egal, in welcher Mannschaft.

Ihnen ist auch die Heimat wichtig. Wie oft sind Sie in Raigering?

Erras: Ich wohne zwar in Nürnberg, aber ich bin natürlich oft daheim. Es ist ja nur eine dreiviertel Stunde. Und wenn mein Heimatverein SV Raigering spielt, schaue ich auch zu, wenn es möglich ist. Ich habe hier viele Freunde. Die Familie und ein paar Freunde waren auch am Dienstag gegen Düsseldorf da.

Sie können jetzt mal den vielen Jungs Mut machen, die von einer Profikarriere träumen. Entdeckt wurden Sie ganz normal bei einem Stützpunkttraining ...

Erras: Ja, wir hatten damals in Theuern ein Sichtungsturnier. Ich glaube, da waren auch die Schwandorfer dabei. Dort wurde ich wohl von den Nürnbergern beobachtet. Ein, zwei Wochen später klingelte das Telefon und es gab die Einladung zum Probetraining. Mir war sofort klar: Da fahre ich hin!

Sind Sie schon immer Club-Fan?

Erras: Ja, ich war auch öfter im Stadion, allerdings nicht in der Kurve. Und wenn man da jetzt ins Stadion einläuft und in der Kurve die Choreographien sieht, da kriegt man schon Gänsehaut.

Sie haben den Sprung geschafft. Sind Sie jetzt Vorbild für andere?

Erras: Vorbild? Ich weiß nicht. Aber man sieht, dass sich die Geduld und die Arbeit auszahlen. Es zeigt, dass der Sprung von der U 23 zu den Profis möglich ist.

Und am Montag feiern Sie Ihren ersten Zweitligasieg mit dem Club?

Erras (lacht): Das hoffe ich doch.
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