Paul Breitner eines der Sprachrohre beim FC Bayern München - Beinahe-Monolog in Nürnberg
Vom Revoluzzer zum Markenbotschafter

Lebende Fußball-Legende in der Tucher-Sport-Arena: Paul Breitner, heute Markenbotschafter des FC Bayern München. Bild: Lobenhofer
Er war verschrien als "unangenehmer Revoluzzer" ("gibt's eigentlich angenehme?") und "Kommunistenschwein" oder wurde mit Mao-Anhängern in einen Topf geworfen. Jedoch - Maoist wollte Paul Breitner nie sein, denn: "Die galten in den damaligen Zeiten von Baader-Meinhof als potenzielle Bankräuber und Mörder, die den RAF-Terror unterstützten." Schon zu jener Zeit fühlte er sich - der dem "goldenen Käfig" bei Real Madrid als 24-Jähriger genervt entrann - des Öfteren missverstanden oder falsch interpretiert. Das hat sich bis heute gehalten.

Stets angeeckt

Mit seiner einst legendären Lockenpracht, die jene des Fußballstars Dante ganz locker links liegengelassen hätte, eckte er in jungen Jahren ebenso an, wie er dies heute tut. Jüngstes Beispiel: Seine Äußerungen beim Sport1-Doppelpass, als die Dominanz seines FC Bayern in der Bundesliga beklagt wurde: "Wir können für die Unfähigkeit der anderen Klubs doch nichts! Und wenn wir jetzt dahingehend bluten müssen, dass Gelder umverteilt werden, ist das einfach nur Schmarrn!"

In dieser Woche nutzte der 63-Jährige in der Tucher-Sport-Arena in der Nürnberger Kickfabrik die Gelegenheit, sich der danach losgerollten Woge der Entrüstung entgegenzustemmen. Es sei ihm mit der Aussage darum gegangen, die vor 50 Jahren von Bundesligaclubs begangenen Fehler darzustellen, Fehler, die eben so beim FC Bayern nicht begangen wurden. "Wir waren damals hinter 1860 in München nur die Nummer zwei", verdeutlichte er die Ausgangsposition des FCB und prangerte damit erneut an, dass es zehn bis zwölf einstige Spitzenvereine unmittelbar vor und nach den Olympischen Spielen 1972 und der Fußball-WM 1974 in Deutschland nicht verstanden hätten, daraus ihren Nutzen zu ziehen. So wie es Bayern eben getan habe. Keinesfalls habe er mit seinen Worten aktuelle Manager aus der Branche treffen wollen: "Ich werde einen Teufel tun und diese kritisieren. Die leiden selbst unter den Unfähigkeiten von vor 50 Jahren."

Florierendes Unternehmen

Sprach's und nannte seinen Club eine Aktiengesellschaft, die "Fußball produziert und verkauft". Damit hob er auf die seit acht Jahren von ihm ausgeübte Rolle als weltweit tätiger Markenbotschafter der Bayern ab. Er vertrete den Branchenführer eines florierenden mittelständischen Unternehmens, ja, gar einer Bewegung, der 13 Millionen Menschen nachhingen. Nicht zuletzt diesen sei man es schuldig, stets zu versuchen, noch ein Stückchen besser zu werden.

Auf dem Weg dahin seien Verpflichtungen wie die von Robert Lewandowski zu sehen. Denn man gehe davon aus, dass dieser um ein kleines bisschen hinter dem Komma besser sei, als etwa Mario Mandzukic oder Mario Gomez. Mit solchen Transaktionen bemühe man sich stets weiter, den ohnehin stärksten Kader der Welt immer noch mehr Qualität einzuverleiben.

Zumindest in dem Punkt hatten Breitner alle verstanden - vielleicht auch, weil er die Gelegenheit zum Quasi-Monolog über zwei Gesprächshalbzeiten ohne Punkt und Komma für sich genutzt hatte. Denn Radio-Mann Mathias Zeck (auch Aufsichtsrat beim 1. FC Nürnberg und Vorstandsvorsitzender des Fußball-Regionalligisten FC Eintracht Bamberg) blieb da am Podium nur die Rolle des stummen Zuhörers. Eintönig war's mit "Paule" - privat seit über 30 Jahren bundesweit erfolgreicher Projektentwickler im Immobiliensektor ("ohne Werbung und eigene Homepage") - dennoch nicht.
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