Petar Radenkovic feiert 80. Geburtstag - Kult-Keeper der "Löwen"
"Bin i Radi, bin i König"

Mit dem Münchner "Löwen" war er in den 60er Jahren Meister und Pokalsieger. Heute feiert Petar "Radi" Radenkovic seinen 80. Geburtstag. Bild: dpa
Franz Beckenbauer und Günter Netzer kickten noch unterklassig, da stürmte einer der ersten Popstars des deutschen Fußballs schon in die Herzen der Fans, auf die Titelseiten der Illustrierten und sogar in die Musikcharts. Petar "Radi" Radenkovic machte den TSV 1860 München in den 60er Jahren zum Pokalsieger und Meister und avancierte zum Erfolgstorwart an der Grünwalder Straße - gerade in Chaos-Jahren wie den aktuellen denken viele "Löwen"-Fans wehmütig zurück an die gute alte Bundesliga-Zeit mit ihrem verehrten Kult-Keeper. Am Mittwoch, 1. Oktober, wird "Radi" 80 Jahre alt.

Der gebürtige Jugoslawe war die personifizierte Extravaganz, und das in einer Zeit, in der der Fußball noch kaum Schnittstellen mit dem Showbusiness hatte. Aber es gab ja Radenkovic, der mit seinen Ausflügen weit in die gegnerische Hälfte den Trainer um den Verstand brachte, als Schlagersänger mit der 400 000 Mal verkauften Platte "Bin i Radi, bin i König" mal eben auf Rang fünf der Hitparade landete und seine Weisheiten natürlich auch in Büchern kundtat.

"Ich bin 1,89 Meter groß, habe Schuhgröße 43 und trage grundsätzlich im Spiel schwarze Hose und schwarzen Pulli. Nicht weil ich traurig bin über die Tore, die ich hinnehmen muss, sondern weil ich finde, dass Schwarz die eleganteste Farbe für einen Torwart ist", schrieb er etwa 1966 in "Das Spielfeld ist mein Königreich", einem Fußball-Ratgeber mit Kapiteln wie "Hinauslaufen ist eine Glückssache", "Linienrichter sind keine Knechte" oder "Abseits ist nicht mehr modern".

Singen, Bücher schreiben, modeln, und ganz nebenbei 1964 Pokalsieger und 1966 deutscher Meister werden - am Höhepunkt seiner Karriere schien Radenkovic alles zu gelingen. "Da waren schon unvergessliche Momente dabei", sagte der Jubilar im Rückblick auf jene Zeit, als er 215 Mal für die "Löwen" in der 1. Liga auflief und ihm 1965 erst im Europapokal-Finale gegen West Ham United der ganz große internationale Triumph verwehrt blieb.

Über jenes Endspiel im Wembley-Stadion will Radenkovic auch mit alten Weggefährten aus den glorreichen 1860-Tagen plaudern, mit denen er seinen Geburtstag in München im privaten Kreis feiern will. Der "Radi" hat sich etwas zurückgezogen und lebt mit seiner neuen Frau inzwischen in Belgrad. Fünf oder sechs Mal pro Jahr kommt er nur noch nach Deutschland, wo er dann seine zwei Töchter besucht und in München nach dem Rechten sieht.

Als Chefkritiker des TSV inszeniert er sich schon längst nicht mehr, doch er verfolgt genau, was mit seinem Verein passiert. "Da ist irgendwie der Wurm drin", resümierte er. Er verstehe einfach nicht, "dass man kein Rezept findet, 1860 wieder dahin zu bringen, wo der Club hingehört."
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