Phänomen Frenzel

An Eric Frenzel führt bei der Medaillenvergabe kein Weg vorbei. Auch diesmal dürfte er genügend Edelmetall im Gepäck haben, wenn er von der WM nach Flossenbürg zurückreist. Bild: dpa

Eric Frenzel ist im Lager der Nordischen Kombinierer zu einer Respektsperson aufgestiegen. Mit seinen Leistungen überrascht er immer wieder die Konkurrenz, aber auch die eigenen Trainer und Team-Kollegen. In Falun peilt er seinen dritten Titel an.

Ein weiter Sprung, eine sichere Landung, ein zufriedenes Lächeln - das war's. Eric Frenzel beendete am Donnerstag nach nur einem Versuch das Abschlusstraining für die erste WM-Entscheidung der Nordischen Kombination am Freitag. Der Olympiasieger und Weltmeister aus Flossenbürg zählt erneut zu den ganz großen Favoriten im schwedischen Falun. Am Freitag (10 und 16 Uhr) hat er die erste Chance auf Edelmetall. "Er ist bereit, wieder Großes zu vollbringen. Vielleicht ist er ja wirklich der Übermensch, der es bei jedem Großereignis mindestens einmal schafft", meinte der sichtlich gut gelaunte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Frenzel der Übermensch, das Phänomen, der Alleskönner. Jeder versucht mittlerweile, den 26-Jährigen zu ergründen. Dabei scheint es so einfach zu sein. Das sportliche Talent paart sich mit dem Leistungswillen. Erfolge stärken sein Selbstbewusstsein, er ist lernwillig.

"Er ist in der Summe der kompletteste Athlet. Die Wissenschaft splittet das auf in die Faktoren, wo die Genetik dazukommt, Sauerstoffaufnahme, Körpergewicht, Reaktivkraft, Fluggefühl, BMI-Faktor - er ist einer der leichtesten Athleten" erklärt der Sportliche Leiter der Kombinierer, Horst Hüttel. "Das in der Summe gepaart mit einer extrem starken Psyche, das bringt ihn in die Lage, seinen Titel zu verteidigen."

Und Frenzel hat ein perfekt funktionierendes Umfeld. "Meine Frau Laura und unser Sohn Phillip sind seit Dienstag da und bleiben bis zum Wochenende. Dann muss er wieder in die Schule. Aber die anderen aus der Familie bleiben bis zum WM-Schluss und fiebern mit. Das gibt mir alles einen großen Rückhalt", erzählte Frenzel.

Für den Wahloberpfälzer ist es bereits die fünfte WM-Teilnahme. Und trotz eines reduzierten Trainings in der Saisonvorbereitung ist er noch stärker als im Olympia-Winter. "Wir wollten ihn nicht zu sehr stressen, weil er doch viele Termine hatte. Mit zusätzlichem vielen Training wäre der Schuss vielleicht nach hinten losgegangen, daher waren wir vorsichtig", berichtete Weinbuch. Dabei waren andere aus dem Team im Sommer an Frenzel vorbeigezogen. Doch mittlerweile gibt er wieder den Ton an. "Er hat halt so einen starken Kopf und eine innerliche Ruhe, ist selbstsicher und glaubt an sein Können. Das gibt den Ausschlag im Vergleich mit den anderen, die im konditionellen Bereich eigentlich stärker sind. Aber wenn einer mental so stabil ist, wiegt sich das auf", begründete Weinbuch die Leistungsexplosion seines Musterschülers zu Jahresbeginn. Fünf Weltcupsiege in Serie sorgten dafür, dass er den dritten Gewinn des Gesamtweltcups nacheinander nahezu sicher hat.

Wettkampftyp Frenzel ruht auch in Falun in sich. "Er hat heute den Sprung gezeigt, den wir uns eigentlich schon im Trainingslager in Oberstdorf gewünscht hatten. Er kann sich wie kein anderer auf den Punkt fokussieren", meinte Weinbuch. Für Team-Kollege Tino Edelmann, der es neben Frenzel, Johannes Rydzek und Fabian Rießle als Vierter in das Team für den Auftaktwettkampf schaffte, steht fest: "Er lässt sich durch nichts beeinflussen, schafft es immer, ruhig und gelassen zu bleiben. Wenn's drauf ankommt, ist er immer wieder den Tick besser."
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