Plötzlich gegen die Idole

Der deutsche Nationalspieler Deutschlands Tibor Pleiß (vorne) will jetzt auch in der NBA hoch hinaus. Bild: dpa

Neben Dirk Nowitzki und Dennis Schröder versucht Tibor Pleiß fortan als dritter Deutscher in der NBA sein Glück. Bei den Utah Jazz erfüllt sich der Center seinen Traum von der besten Liga der Welt. Die ersten Eindrücke sind positiv, die Nervosität ist dennoch da.

Wenn Tibor Pleiß am Mittwoch seine ersten NBA-Minuten absolviert, wird eine Menge Aufgeregtheit und Anspannung dabei sein. "Natürlich bin ich etwas nervös", gab der Center der Utah Jazz kurz vor seinem Debüt in der besten Basketball-Liga der Welt zu. Schon in der Vorbereitung bekam der insgesamt elfte deutsche NBA-Profi einen Vorgeschmack darauf, was ihn in den USA erwartet. "Ich hab mich mit Spielern gemessen, die ich bisher nur aus dem Fernsehen oder von Highlightvideos aus dem Internet kannte", sagte Pleiß, "Kobe Bryant zum Beispiel."

Duell auf dem Parkett

Ab sofort beobachtet der Nationalspieler die Stars der Branche also nicht mehr mit leuchtenden Augen von der heimischen Couch aus, sondern misst sich mit ihnen auf dem Parkett. Direkt nach der auch für ihn nicht optimal verlaufenen Europameisterschaft, bei der das deutsche Team bereits in der Vorrunde scheiterte, flog er über den großen Teich, um sich in seiner neuen Heimat zu akklimatisieren. "Bisher gefällt es mir hier sehr gut, ich bin von allen sehr gut aufgenommen worden", schilderte der gebürtige Kölner seine ersten Eindrücke.

Rund 15 Minuten von Downtown Salt Lake City entfernt hat er eine neue Bleibe gefunden. Außer der ruhigen Lage sprachen vor allem praktische Gründe für die Wohnung. "Ich brauche nicht meinen Kopf einzuziehen, wenn ich durch die Tür gehe", sagte der 2,18-Meter-Riese.

Unter den Körben will er sich fortan aber nicht wegducken, auch wenn er sich mit Blick auf seine Rookie-Saison keine konkreten persönlichen Ziele gesetzt hat. Wie viele Punkte oder Rebounds es am Ende seiner ersten Spielzeit im Schnitt sein werden, ist Pleiß egal. "Mein erstes Ziel ist es erst einmal, ins Team zu finden und hier in den USA anzukommen", sagte er. "Ich möchte mir nicht zu viel Druck machen."

Erste Akzente

Seine Rolle wird wie schon zuletzt beim FC Barcelona zunächst etwas kleiner sein, auf der Center-Position ist der Franzose Rudy Gobert im Team von Trainer Quin Snyder ganz klar gesetzt. Doch schon in der Vorbereitung wurde deutlich, dass Coach Snyder einiges von seinem Deutschland-Import hält. Pleiß kam auf ordentlich Spielzeit und konnte bereits erste Akzente setzen, zum Beispiel mit einem krachenden Dunk gegen die Los Angeles Lakers.

Dass er direkt danach ein technisches Foul kassierte, weil er im Überschwang den Ball in Richtung Lakers-Bank boxte, zählt zu den Lernprozessen, die er noch durchlaufen muss. "Das ist ganz anderer Basketball hier, daran muss ich mich noch gewöhnen. Schließlich bin ich von 14 Jahren europäischem Basketball geprägt."

Doch so, wie er sich bislang überall in seiner Karriere durchgesetzt hat, so wird ihm das auch in der NBA gelingen. Davon sind Experten und Weggefährten überzeugt. "Tibor muss sich zunächst an die sehr physische Spielweise in der NBA gewöhnen. Aber er hat gute Möglichkeiten, sich in seinem Team weiterzuentwickeln", sagte Superstar Dirk Nowitzki. "Er ist ein viel reiferer Spieler geworden", meinte Bundestrainer Chris Fleming, selbst als Assistenztrainer bei den Denver Nuggets neu in der NBA, dem Fachmagazin "BIG".
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