Präsidium weg, Investor konzeptlos, Fans entsetzt und Magier Magath außen vor - Neuer Vertrag ...
Intrigantenstadl 1860 München

Grabenkämpfe haben den krisengeplagten TSV 1860 München in ein selbst für den Traditionsclub beispielloses Chaos gestürzt. Nach einer einmaligen Rücktritts-Lawine versuchte der Fußball-Zweitligist kurz vor dem Trainingsstart seiner Profis an diesem Montag, mit der Verlängerung des Vertrages von Trainer Torsten Fröhling Handlungsfähigkeit im operativen Geschäft vorzugaukeln.

Poschner gestärkt

Man sei "absolut handlungsfähig", betonte die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH und Co. KGaA in einer Mitteilung. "Wir arbeiten weiter intensiv an unserer Mannschaft für die neue Saison", verkündete der vorerst gestärkte Sportchef Gerhard Poschner, der eine zentrale Rolle im Machtgeschacher und den Ränkespielen zwischen der nicht mehr existenten Vereinsführung um Präsident Gerhard Mayrhofer sowie dem jordanischen Investor Hasan Ismaik gespielt hatte.

Innerhalb kürzester Zeit sind die Turbulenzen bei den Sechzigern außer Kontrolle geraten. Zunächst sagte das Präsidium am Freitag zum Unmut von Ismaik ("Inakzeptabel") und vieler "Löwen"-Fans kurzfristig die Mitgliederversammlung ab. Stunden später erklärte Mayrhofer die intensiven Verhandlungen mit Geldgeber und Mehrheitsgesellschafter Ismaik für gescheitert. Mit Mayrhofer zogen sich die Vizepräsidenten Erik Altmann und Heinz Schmidt (Schatzmeister) sowie Aufsichtsrat Karl-Christian Bay von ihren Posten zurück. Es sei nicht gelungen, "zu einer überzeugenden Lösung im Sinne des Vereins zu kommen", sagte Mayrhofer, der schon dritte gescheiterte Präsident seit dem millionenschweren Einstieg von Ismaik vor vier Jahren.

Die Schuldfrage im Münchner Intrigantenstadl ist nicht eindeutig zu klären. Der Verein wollte Poschner loswerden, zudem sollte eine unbekannte Investorengruppe die Anteile von Ismaik übernehmen. Im Zuge dieser Transaktion hätte angeblich Meistertrainer Felix Magath als neuer starker Mann bei den "Löwen" einsteigen sollen.

Magath ist erstmal raus. Und der in Abu Dhabi lebende Geldgeber Ismaik, dessen Pläne mit 1860 im Dunkeln liegen, ist weiter da, aber vorerst blockiert. Die "festgefahrene Situation", so Beiratsmitglied Bay, endete im Führungsbeben. Der Verwaltungsrat will laut "Süddeutscher Zeitung" so schnell wie möglich Kandidaten für die vakanten Führungspositionen finden. Ein Übergangspräsidium soll demnach noch im Juli eine Mitgliederversammlung einberufen.

In "seiner letzten Amtshandlung" hatten Mayrhofer und Co. noch der Vertragsverlängerung mit Trainer Fröhling als Cheftrainer bis 2016 zugestimmt. "Das ist sehr positiv und war ganz wichtig, um bei dieser Schlüsselpersonalie Sicherheit zu haben", äußerte Poschner.

Chance für Fröhling

So kurios es klingt: Für Fröhling liegt im 1860-Chaos sogar eine Chance. Der 48-Jährige konnte nach seiner Beförderung zum Chefcoach den Absturz in die 3. Liga abwenden. Wenn es ihm nun sogar gelingen sollte, in einem leistungsschädlichen Umfeld bis zum Saisonstart Ende Juli eine schlagkräftige "Löwen"-Truppe zu formen, würde er sich als Trainer in der Bundesliga-Szene weiter profilieren.

Neben Fröhling erhielt Verteidiger Bülow (29), der mit seinem Last-Minute-Tor beim 2:1-Sieg in der Relegation gegen Holstein Kiel zum gefeierten Nichtabstiegshelden avanciert war, einen neuen Vertrag bis 2016 mit Option für eine weitere Saison. "Weiterhin ist unser primäres Ziel, die Kaderplanung im Rahmen unserer Möglichkeiten sinnvoll voranzutreiben", sagte Poschner allen Querelen zum Trotz. Fragt sich nur: Welcher Profi wechselt zu einem führungslosen Club?
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.