Proteststurm reißt nicht ab

Fifa-Dauerregent Joseph Blatter sieht sich weiterhin einem weltweiten Proteststurm ausgesetzt. Bild: dpa

Die Opposition könnte für die Fifa und Dauerregent Joseph Blatter kaum breiter sein: Die Bundesregierung, die EU-Kommission und ein ehemaliger Stellvertreter fordern Konsequenzen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dämpft jedoch die Erwartungen in den Europa-Gipfel.

Der weltweite Proteststurm gegen Fifa-Dauerregent Joseph Blatter reißt auch eine halbe Woche nach der Wiederwahl nicht ab. Die EU-Kommission und die Bundesregierung fordern Veränderungen im Weltverband, ein ehemaliger Fifa-Vize verlangt Ermittlungen gegen den Schweizer, und der englische Verband will den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für einen WM-Boykott gewinnen. Zudem droht ein zweites europäisches Exekutiv-Mitglied mit Rückzug. Eine Abspaltung von der skandalumwitterten Fifa lehnt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach aber weiter ab: "Wir wollen keine Verhältnisse wie beim Boxen, wo es mehrere Parallelverbände gibt. Das funktioniert nicht."

Vor dem Champions-League-Finale wollen die mehrheitlich Blatter-kritischen Uefa-Mitglieder ihre Strategie für die fünfte Amtszeit des Fifa-Präsidenten festlegen. Große Hoffnungen auf einen Masterplan hegt Niersbach jedoch nicht. "Ich habe keine zu hohen Erwartungen, denn die Fakten sind jetzt geschaffen", bekannte er. "Ein roter Faden ist noch nicht festgelegt worden." Seit Blatter seine Kandidatur erklärt hatte, habe Europa "nicht zu einer gemeinsamen Konzeption und schlagkräftigen Strategie gefunden", kritisierte der DFB-Chef.

Auf ein solch konzertiertes Vorgehen hofft auch der Deutsche Olympische Sportbund. Bei Uefa-Präsident Michel Platini, der einen europäischen Rückzug aus Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen hat, sei "noch keine klare politische Linie" zu erkennen, sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper. Deshalb "wäre es gut, wenn die europäischen Verbände sich am Wochenende darauf verständigen könnten." Dann wird auch ein WM-Boykott auf der Diskussions-Agenda stehen. Englands-Verbandschef Greg Dyke rief Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen Blatter zu einem gemeinsamen Verzicht auf die Weltmeisterschaft auf. Dieser müsse von mindestens "zehn großen Ländern" unterstützt werden, um Auswirkungen zu haben, sagte Dyke dem BBC Radio.

Gefährlicher als die bislang wirkungslose Uefa-Opposition könnten für den Weltverband die weiteren Konsequenzen aus dem Justiz-Krimi werden. Vergangene Woche waren in Zürich sieben Fußball-Funktionäre verhaftet worden, die US-Behörden klagten insgesamt 14 Personen an. Der zwischenzeitlich festgenommene frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner forderte Ermittlungen gegen den Fifa-Boss. Kein anderer habe so viel Schande über die Fifa gebracht, sagte der ehemalige Spitzenfunktionär. "Warum ermittelt keiner in Asien, warum nicht in Europa? Warum gibt es keine Ermittlungen gegen Blatter?"

D'Hooghe: Rücktritt?

Nach dem Rückzug des Engländers David Gill aus der Fifa-Exekutive droht auch der Belgier Michel D'Hooghe mit diesem Schritt - wenn es nicht zu weitreichenden Reformen komme. "Mein Schluss ist klar: Ich werde nicht länger unter diesen Bedingungen arbeiten. Wenn es bei dieser Atmosphäre in der Fifa bleibt, habe ich dort keinen Platz mehr", sagte der Medizinchef.
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