Radsport
Trauer um Rudi Altig

Der am Samstag verstorbene Rudi Altig (vorne) war der erste deutsche Radsportstar. Er fuhr bei der Tour de France 18 Tage im Gelben Trikot des Führenden. Bild: dpa

Berlin. Für Topsprinter Marcel Kittel war er "unser erster deutscher Radheld, ein Wegbereiter", für die Franzosen einfach "Sacre Rudi". Doch nun herrscht große Trauer: Rudi Altig erlag am Samstag im Alter von 79 Jahren einem Krebsleiden. Er war eine große Nummer im internationalen Radsport - lange vor Dietrich Thurau oder Jan Ullrich. Der bis dato letzte deutsche Profi-Weltmeister auf der Straße hat vergeblich auf einen Landsmann als Nachfolger gewartet.

Auf dem Rennrad war Altig ein unerbittlicher Kämpfer. Bei der Tour de France holte der bullige Sprinter aus Mannheim acht Etappensiege und trug 18 Tage das Gelbe Trikot, was nach ihm nur noch dem einzigen deutschen Toursieger Jan Ullrich 1997 gelang. 50 Jahre nach Altigs Titelgewinn 1966 auf dem Nürburgring sollte am Ort seines Triumphes im Juli ein großes Jubiläumsrennen zu seinen Ehren stattfinden. Es muss ohne die Hauptperson auskommen. "Er war das erste Nachkriegs-Idol", fand der dreifache deutsche Meister Fabian Wegmann.

Altig litt seit langem unter der Krankheit. 1994 meisterte er eine Magenkrebs-Erkrankung. Er ging offensiv mit seinem Leiden um. "Wer es nicht weiß, wird es kaum merken. Ich esse eben kleinere Portionen - und meinen Wein trinke ich trotzdem", sagte Altig noch im Vorjahr im VIP-Bereich der Hamburg Cyclassics, bei denen er im chicen blau-weiß gestreiften Sakko noch einmal ein bisschen Hof hielt.

"Was Rudi Altig herausragend machte, waren seine unverstellte Art, seine herzliche Direktheit und seine Lebensfreude. Sie hat ihm geholfen, auch sehr schwere Kämpfe um seine Gesundheit lange zu bestehen. Wir trauern und drücken seiner Familie unser herzliches Beileid aus", erklärte Verbands-Präsident Rudolf Scharping. Der Ex-Profi, der im Hospiz in Remagen im Kreise seiner Familie verstarb, hinterlässt seine Frau Monique, drei Kinder und zwei Enkel.

18 Etappensiege bei der Tour


Altig gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Fahrern überhaupt. 18 Etappensiege feierte er bei den drei großen Rundfahrten Tour de France, Giro und Vuelta. Seine außergewöhnliche Karriere hatte er mit drei WM-Titeln in der Einerverfolgung auf der Bahn gestartet. Nach seinem Wechsel auf die Straße konzentrierte er sich auf die Klassiker, gewann die Flandern-Rundfahrt (1964) und Mailand-Sanremo (1968). Sogar der Gesamtsieg bei der Spanien-Rundfahrt glückte ihm.
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