Radsport
Und wieder knapp am Tod vorbei

Rio de Janeiro. Ria van Vleuten durchlitt den furchtbarsten Geburtstag ihres Lebens. Als sie gemeinsam mit der ganzen Familie im Fernsehen mitansehen musste, wie ihre Tochter Annemiek beim olympischen Straßenradrennen brutal auf eine Bordsteinkante krachte und regungslos liegen blieb, befürchtete sie das Schlimmste. "Ich dachte, dass sie tot ist. Sie lag da so komisch. Und wir haben einfach nichts gehört, wie es ihr ging", sagte Ria van Vleuten am Montag "RTL Nieuws".

Nach bangen Minuten und "Totenstille" dann die Erlösung: "Als Anna im Ziel war, haben wir im Fernsehen den Kommentator sagen hören, wie es mit Annemiek aussieht", berichtete die Mutter. Später habe ihre Tochter dann aus dem Krankenhaus angerufen und gesagt, dass soweit alles okay ist. Wobei alles okay in dem Fall heißt: drei Knochenabsplitterungen an der Lendenwirbelsäule und eine schwere Gehirnerschütterung.

Mit Auto kollidiert


Schon einmal hatte die 33-jährige Radsportlerin das Schicksal herausgefordert. Mit drei geknacksten Rippen, einem gebrochenen Schlüsselbein und Schrammen im Gesicht kam die Niederländerin bei einem Sturz in Livigno damals ins Krankenhaus. Sie war mit einem Auto kollidiert. Auch die Lunge wurde in Mitleidenschaft gezogen. Es bestand das Risiko eines Pneumothorax, noch in Italien wurde sie operiert. Nach ihrem Horrorsturz ließ sie wissen: "Ich hatte viel Glück, dass es nur das war und ich noch am Leben bin." Das schier Unglaubliche: Sie sagte dies an einem 7. August - aber schon 2015.

Nun, auf den Tag genau ein Jahr später, lag van Vleuten wieder im Krankenhaus. An einem 7. August, am Geburtstag ihrer Mutter. Und wohl alle Kolleginnen im Peloton und Radsport-Fans wünschen ihr, dass sie auf die Tour zurückkehren und wie 2015 wieder sagen wird: "Das ist etwas, womit ich umgehen kann und wieder okay werden wird und seine Zeit braucht."

Zum Zeitpunkt ihres Sturzes in der letzten Kurve der berüchtigten Abfahrt hinab vom Vista-Chinesa-Pass lag van Vleuten wenige Kilometer vor dem Ziel an der Copacabana in Führung, der größte Sieg der Karriere greifbar nah. Dann der Crash auf einer Abfahrt, die am Vortag auch dem auf Goldkurs fahrenden Italiener Vicenzo Nibali zum Verhängnis wurde. Ob und wann van Vleuten diesmal zurückkehrt, ist ungewiss.
Weitere Beiträge zu den Themen: Olympische Spiele (237)Rio2016 (208)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.