Rain am Lech hofft gegen Regensburg auf „achtbares Ergebnis“
Achtbare Jahn-Affäre

Der antizyklische Jahn-Trainer Christian Brand überrascht immer wieder mit unkonventionellen Analysen. Bilder: Herda/Göpel/dpa
 
Der antizyklische Jahn-Trainer Christian Brand überrascht immer wieder mit unkonventionellen Analysen. Bilder: Herda/Göpel/dpa

Fußball in der Regionalliga-Bayern hat etwas von Heimatkunde: Wo genau liegt Rain am Lech? Das Städtchen mit seinen 8600 Einwohnern im schwäbischen Landkreis Donau-Ries befindet sich rund 40 Kilometer nördlich von Augsburg, nahe der Mündung des Lechs in die Donau. Beim Aufsteiger (13./11 Punkte) möchte sich Spitzenreiter Jahn Regensburg am Samstag, 16 Uhr, nicht blamieren.

Jürgen Steib ist ein Mann, der nicht leicht zufriedenzustellen ist: „Wir sind alle sehr enttäuscht über das Ergebnis, da wir uns insgesamt mehr erhofft hatten“, sagt der Trainer des TSV Rain etwa nach der 2:4-Niederlage beim FC Ingolstadt II. „Nach 20 Minuten Tiefschlaf sind wir besser ins Spiel gekommen und haben verdient den Ausgleich erzielt.“ Danach haben die Gäste das Spiel aber wieder aus der Hand gegeben.

Unter keinem guten Stern

Überhaupt, die Saison stand für den 47-jährigen Polizeiausbilder von Anfang an unter einem ungünstigen Stern: Gut 20 Prozent der Mannschaft war verletzungsbedingt zum Start nicht einsatzbereit. Topstürmer Patric Lemmer, der die Schwaben zur Bayernliga-Meisterschaft schoss, zog nach ausbleibenden höherklassigen Angeboten ein Engagement beim Landesligisten SC Oberweikertshofen vor – um sich auf die sagenhafte Karriere als Autoverkäufer zu konzentrieren.

Da kann einem schon mal der Kragen platzen, als motivierter Trainer, der in der dritten Regionalliga-Saison nach dem Abstieg 2013/14 und dem sofortigen Wiederaufstieg gerne die Klasse halten würde. Wenn aber die Rahmenbedingungen alles andere als positiv sind, müssen eben andere Tugenden herhalten, um höhere Ziele zu erreichen.

„Leben wie ein Profi“

„Natürlich gab es einige Tiefschläge, etwa durch verletzungsbedingte Ausfälle“, sagt Steib. „Aber die Spieler kämpfen für jeden, der nicht mitkicken kann.“ Die Amateure opferten sich auf: „Wir haben ein Motto ausgegeben: Leben wie ein Profi“ – und das anders wie bei den meisten Jahn-Profis neben Beruf oder Schule.

Bei den Gastgebern gibt man sich trotz solcher Kampfansagen keinen Illusionen hin. Der ungeschlagene Tabellenführer ist für die Verantwortlichen des TSV Rain klarer Favorit – und die personelle Situation hat sich weiter verschärft: Innenverteidiger Dominik Bobinger und Tobias Jorsch sind nach der fünften gelben Karte gesperrt. Marco Witasek wurde nach einer Tätlichkeit für drei Spiele suspendiert. Ziel gegen die Fußballer aus einer anderen Welt: „Sich achtbar aus der Affäre ziehen.“

Antizyklischer Brand

Irgendwie scheint sich Jahn-Trainer Christian Brand in der Rolle als Advocatus diaboli zu gefallen. Wird seine Mannschaft über den Schellenkönig gelobt, wie vom braven Buchbacher Trainer Anton Bobenstetter, fällt dem eloquenten Niedersachsen dazu rein gar nichts ein – ein wenig Lob für die starke Druckphase der Gäste in Halbzeit zwei wäre nicht verkehrt gewesen.

Reist seine Mannschaft aber zu einem Team, das sich selbst zum krassen Außenseiter ernennt, erkennt er ungeahnte Stärken: „Ja, das wird auch wieder ein megaschweres Spiel, die haben erst ein Spiel zu Hause verloren, haben Unterhaching mit 2:0 geschlagen, haben Aschaffenburg im letzten Heimspiel mit 2:0 besiegt.“ Da müssten seine Jungs auch wieder alles abrufen, extrem konzentriert sein, ein hohes Tempo gehen, „wenn wir da bestehen wollen“.

Nicht viel Neues von der Mannschaft

An der Startaufstellung der vergangenen Wochen dürfte sich nicht allzu viel verändern: Jan George wäre zwar einsatzbereit, hätte auch trainiert, sah ganz o.k. aus – aber: „Wir müssen abwarten, wie er die Belastung der letzten Wochen verarbeitet hat.“ André Luge befände sich im Lauftraining und Marcel Hofrath falle nach der 5. Gelben gesperrt aus – ein Los, das auch Oli Hein, Kolja Pusch und Markus Palionis demnächst drohen könnte.

Vom langzeitverletzten Duo sind vor der Winterpause keine Wunder zu erwarten: „Andi Greipl ist schon relativ weit in der Reha, kann jetzt auch schon leichtes Lauftraining machen, fühlt sich gut, aber es fehlt natürlich noch unheimlich viel.“ Man hoffe, dass er vielleicht nach der Winterpause wieder einsteigen kann. Sebastian Nachreiner habe erstmal sein Staatsexamen geschrieben, und jetzt stünden noch ein paar weitere Untersuchungen an, bei denen abgeklärt werde, ob das Kreuzband wirklich ganz gerissen sei.

Ganz viele verschiedene Details

Was fängt ein Trainer aber mit seinen Schützlingen an, bei denen es – anders als beim Gastgeber – von selbst zu laufen scheint? „Man versucht als Trainer immer auch so ein bisschen den Puls der Mannschaft zu spüren“, erklärt Brand. „Ist sie so ein bisschen schläfrig oder ist sie aufgeregt, ein wenig übermotiviert oder so ein bisschen Laisser-faire?“

Dann könne man situativ handeln: „Im Moment ist es so, dass wir uns versuchen weiterzuentwickeln im Training, wir arbeiten an ganz vielen verschiedenen Details, und die Jungs müssen die Spannung hochhalten, damit sie die Dinge auch richtig verstehen und umsetzen können.“ Die Spieler seien grundsätzlich fokussiert und freuten sich auf das nächste Spiel. „Der Tank des Selbstvertrauens soll einfach immer weiter gefüllt werden und morgen haben wir die nächste Gelegenheit dazu.“

Die Jungs hätten sich zu Recht gefreut über die Ergebnisse, die sie bis jetzt so geliefert haben: „Aber dann, wenn eine neue Woche beginnt, liegt der Fokus wieder auf dem nächsten Spiel.“ Immer nur beim nächsten Spiel, klar, er wisse, das sei eine blöde Floskel, aber eben die wichtigste im Fußball. Und deshalb sei das Duell gegen den Ostbayernrivalen Wacker Burghausen „extrem weit weg“ – so weit wie eine Knackersemmel in der Conti-Arena.