Raphael Schäfer im NT/AZ-Interview
Club-Keeper setzt auf die Relegation

So engagiert wollen die Club-Fans Raphael Schäfer auch nach seiner Verletzungspause wieder sehen. Ob er weitermacht, verrät er noch nicht. Doch zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass er gerne noch ein Jahr beim 1. FC Nürnberg dranhängen würde. Bild: dpa
 
Anfang März zog sich Raphael Schäfer einen Teilabriss der Achillessehne zu. Bild: dpa

Seit 2001 (mit einem Jahr Unterbrechung in Stuttgart) steht Raphael Schäfer im Tor des 1. FC Nürnberg. Geboren wurde er in Polen, aufgewachsen ist er in Norddeutschland, im Herzen ist er schon lange ein Franke.

Nürnberg. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der derzeit verletzte Schäfer (37) vor dem Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen Union Berlin über Horroszenarien, Aufstiegschancen, Vertragsverlängerung und über Patrick Erras sowie Tomas Galasek.

Hallo Herr Schäfer, Sie haben gerade eine Reha-Einheit absolviert. Wie geht es Ihnen nach dem Teilabriss der Achillessehne im Spiel gegen Lautern Anfang März?

Schäfer: Meine Verletzung ist nicht ganz so typisch. Wir schauen einfach von Woche zu Woche. Fahrradfahren geht langsam wieder, wir haben jetzt auch mit dem Joggen angefangen. Auch das ist in Ordnung. Wir wollen das jetzt peu à peu steigern.

Sie waren lange Zeit Kapitän, sind der Routinier im Team. Haben Sie auch während der Verletzungszeit ständig Kontakt zu den Kollegen?

Wir versuchen, die Reha-Maßnahmen zeitlich mit dem Team-Training abzustimmen. Dass ich meine Einheiten absolvieren kann, wenn die Mannschaft am Trainieren ist. Wir schauen, dass ich auch vorher und nachher in der Kabine sein kann.

Nach zwei Niederlagen zuletzt scheint die Mannschaft etwas außer Tritt geraten ...

Das war zu erwarten. Es wäre schön gewesen, die erfolgreiche Serie weiter auszubauen. Wir mussten aber auch sehr viel investieren, um oben reinzukommen. Da gab es auch einen gewissen Verschleiß. Wir hatten dadurch auch viele Verletzte, hinzu kamen viele gesperrte Spieler. Wir sind einfach noch nicht in der Lage, alle Spieler eins zu eins zu ersetzen.

Hat die Mannschaft auch über die Verhältnisse gespielt?

Phasenweise. Das wussten wir auch. Wir hatten auch viele Spiele, die anders hätten ausgehen können, die wir aber für uns entschieden haben. Das wissen wir einzuschätzen.

Trotzdem spielt die Mannschaft eine starke Zweitliga-Saison. Was hat Trainer René Weiler verbessert?

Wir haben einen Trainer, der akribisch arbeitet, der viel in den Verein investiert. Man sieht auch seine Handschrift. Er kann mittlerweile in Ruhe arbeiten, kann sich voll aufs Sportliche konzentrieren. Und das sieht man auch auf dem Platz.

Der Direktaufstieg dürfte aber bei sechs Punkten Rückstand kein Thema mehr sein ...

Es war von vorneherein unrealistisch, da oben noch ranzukommen. Wir haben es versucht, alles gegeben, aber uns hat wohl auch der schlechte Saisonstart den direkten Aufstieg gekostet. Wenn uns aber jemand im Oktober und November gesagt hätte, dass wir jetzt mit sieben Punkten Vorsprung Dritter sind, dann hätten wir das alles sofort unterschrieben. Wir haben mit dem dritten Platz weiter die Möglichkeit aufzusteigen.

Das Restprogramm ist knackig. Ist die Relegation noch in Gefahr?

Es geht jetzt nicht darum, irgendwelche Horroszenarien an die Wand zu malen. Die Leipziger gehen sicher davon aus, dass sie mindestens noch zwei Siege holen. Und diese zwei Spiele müssen wir auch gewinnen. Und ich denke, wir werden am Wochenende gegen Union Berlin schon den ersten einfahren. Und dann könnte man schon langsam den Fokus auf die Relegationsspiele legen.

Wie wären die Chancen dort?

Das kommt auf den Gegner von oben an. Aber eines ist klar: In einer Relegation gibt es nie die Garantie, dass es klappt.

Sie wollten eigentlich im Sommer Ihre Profikarriere beenden. Im Januar erklärten Sie, eventuell noch ein Jahr dranzuhängen. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Stand der Dinge ist: Ich will einfach gesund werden. Alles andere liegt nicht in meiner Hand.

Aber Sie könnten sich vorstellen weiterzumachen?

Wenn es die Gesundheit zulässt, ja.

Vor knapp zwei Jahren wurden Sie vom damaligen Trainer Valérien Ismaël degradiert, waren über Nacht nur noch die Nummer 3. Wie haben Sie diese Zeit verarbeitet?

In jeder Zeit, ob erfolgreich oder nicht, kann man eine Menge lernen. Auch in der Zeit von Ismaël habe ich das getan. Man sollte aus jeder Situation Positives herausziehen, auch aus Negativerlebnissen.

Sie haben derzeit noch einen Leidensgenossen beim Club. Patrick Erras aus Raigering hat sich das Kreuzband gerissen. Auch der Shootingstar fehlt dem Team sehr ...

Jeder, der wie Patrick eine große Anzahl an Spielen hintereinander macht, ist wichtig für die Mannschaft. Patrick hat uns eine gewisse Stabilität gebracht. Er hat uns mit seiner Unbekümmertheit, mit seinem unaufgeregten Spiel geholfen. Sein Ausfall ist ein großer Verlust.

Wie kann so eine Verletzung die Karriere eines jungen Spielers beeinflussen?

Es ist natürlich total blöd, sich in jungen Jahren so eine Verletzung zuzuziehen. Wir hoffen einfach, dass bei ihm in der Reha alles klappt, dass alles gut verheilt. Es hatten schon viele andere Spieler einen Kreuzbandriss. Ich gehe davon aus, dass Patrick das auch schafft.

2007 gewann der Club mit Ihnen und Tomas Galasek den DFB-Pokal. Der Tscheche trainiert derzeit erfolgreich die SpVgg SV Weiden. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Er schaut schon mal beim Training vorbei. Ich kann mir gut vorstellen, dass er auch als Trainer erfolgreich ist. Er war ja schon als Spieler sehr akribisch. Er hatte viele Erfolge im Fußball, und das alles gibt er weiter.

Eine Trainerkarrierre - wäre das später auch was für Sie?

Man weiß es nie. Aber aktuell ist das nicht geplant.

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