Red Bull wiedererstarkt
Mercedes fürchtet neuen Herausforderer

Lewis Hamilton (Bild) ist wieder dran an WM-Spitzenreiter Nico Rosberg. Nur noch 24 Punkte trennen die beiden. Bild: dpa

Mercedes hat einen neuen Herausforderer in der Formel 1. Red Bull ist vor dem Grand Prix von Kanada wiedererstarkt und hat Ferrari vorerst als zweite Kraft abgelöst. Abwechslung ist schön für die Fans, doch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bereitet das Kopfzerbrechen.

Montreal. Vor den Stress-Wochen in der Formel-1-Saison ist Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff mächtig ins Grübeln gekommen. "Ich habe es schon oft gesagt, aber wir haben in der Weltmeisterschaft keinen Spielraum. Es ist ein kontinuierlicher Kampf, in dem der Druck stetig steigt", sagte der Österreicher vor dem Großen Preis von Kanada am Sonntag (20.00 Uhr MESZ) in Montreal.

Noch dominieren die Silbernen vor der Intensivphase mit sechs Rennen binnen zwei Monaten, doch vor allem das wiedererstarkte Red-Bull-Team und eigene technische Probleme setzen dem Weltmeister-Rennstall zu. "Diese Saison war bislang unvorhersehbar, und das war großartig für den Sport", sagte Wolff. Es zeige, "dass die Formel 1 lebt und es ihr gut geht. Aber für uns als Team gibt es definitiv Arbeit zu tun."

Der Sieg von Champion Lewis Hamilton am letzten Mai-Wochenende beim Klassiker in Monaco verdeckte nur mit Mühe, dass bei Mercedes in diesem Jahr nicht alles rundläuft. "Die größte Lehre für uns war jedoch, wie gefährlich uns Red Bull werden kann", meinte Wolff. Das noch sieglose Ferrari-Team mit dem viermaligen Champion Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen ist seine Rolle als Herausforderer Nummer eins vorerst los.

In Monte Carlo hatten nur ein Strategiefehler und die Reifen-Panne beim Boxenstopp den Erfolg von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo verhindert und Hamiltons ersten Triumph seit sieben Monaten ermöglicht. Der WM-Führende Nico Rosberg konnte als Siebter erst gar nicht in den Kampf um die Spitze eingreifen, weil Reifen und Bremsen nie auf Betriebstemperatur kamen.

Nicht der erste Aussetzer bei den Silbernen in diesem Jahr. Auch Hamilton hatte immer wieder statt mit seinen Gegnern auf der Strecke mit der Technik am Auto zu kämpfen. "Wir haben noch Verbesserungsspielraum bei der Zuverlässigkeit", gestand Wolff.

Dieser Verbesserungsspielraum muss dringend genutzt werden. Denn Red Bull schickt sich an, den nächsten Schritt zu machen. In Monaco war der Australier Ricciardo bereits mit einem stärkeren Renault-Motor gefahren. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve darf nun auch Spanien-Sieger Max Verstappen mit mehr Kraft im Heck rechnen. Und die Strecke auf der Ile Notre-Dame passt mit dem Wechsel von Power-Abschnitten und langsamen Kurven ohnehin zum Red Bull.

"Es wird interessant sein, zu beobachten, wie gut Red Bull diesmal ist", meinte Rosberg. Nach vier Siegen in Serie zu Saisonbeginn erlebte der gebürtige Wiesbadener mit dem Crash in Barcelona und dem Rennen im Fürstentum zwei Rückschläge. "Beim letzten Grand Prix habe ich hoffentlich in einem Rennen all mein Pech aufgebraucht", sagte 30-Jährige.
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