Regensburg beim 0:2 in Osnabrück nur 20 Minuten mit Offensivgeist
Jahn mit redlichem Bemühen

Osnabrücks Nicolas Feldhahn hatte nach dem Spiel gut Schmusen. Bilder: Herda/dpa
 
Osnabrücks Nicolas Feldhahn hatte nach dem Spiel gut Schmusen. Bilder: Herda/dpa
 
VfL-Trainer Mike Walpurgis hatte wenig Schwierigkeiten, seine Jungs in die richtige Richtung zu schieben.

Der Jahn taumelt weiter dem sportlichen Supergau entgegen: Ein vergleichsweise starker Auftakt mit zwei Großchancen und ein Schlussspurt mit zwei Mega-Chancen reichen nicht zum Punktgewinn – letztlich gewinnt der VfL Osnabrück, der die weitaus größeren Spielanteile, ein Eckenverhältnis von 9:3 und ein Chancenverhältnis von 7:4 für sich verbucht , verdient mit 2:0.

Im Zeugnis eines etwas untalentierten Schülers, der sich nach Kräften anstrengt, steht gerne einmal „Er hat sich redlich bemüht.“ Auch dem SSV Jahn kann man den Willen, hier in der Osnatel-Arena wenigstens einen Punkt mitzunehmen, nicht absprechen. Aber


• je zehn Minuten Offensivgeist zu Beginn und am Ende des Spiel sind zu wenig
• von vier epochalen Chancen sollte man zumindest eine verwerten
• und wenn man hinten – besonders auf der rechten Seite – sieben Hochkaräter zulässt, darf man sich nicht wundern, wenn sich der Gegner beim Knipsen nicht ganz so linkisch anstellt.

Fazit: 7600 Osnabrücker pushten ihre Mannschaft heute zu einem einstelligen Tabellenplatz – rund 60 Jahn-Fans hielten lange und tapfer dagegen und mussten einmal mehr unverrichteter Tore und Punkte das Stadion räumen. Wie lange doch 574 Kilometer sein können!

Walpurgis will Jahn unter Druck setzen

Taktisch versuchte Jahn-Coach Alex Schmidt das Wunder von Osnabrück mit einem 4-1-4-1-System zu erzwingen: Vor Keeper Dominik Bergdorf agieren Fabian Trettenbach rechts, der begnadigte Azur Velagic und Matthias Dürmeyer (Mitte) und Stani Herzel links. Kapitän Oli Hein auf der 6, davor Andi Güntner, Andi Geipl, Thomas Kurz und Zlatko Muhovic – Spitze bleibt nur Aias Aosman.

VfL-Trainer Mike Walpurgis dürfte nicht entgangen sein, welche Nervosität bei den Gästen herrscht. Sein Credo deshalb: den Gegner von Anfang an unter Druck setzen. Und der hilft gleich mal fleißig mit. Andi Dürmeyer bringt den zugedeckten Muhovic in Bedrängnis, der muss die Notbremse ziehen – erste gefährliche Freistoßposition, aber Marcel Kandzioras Flanke geht deutlich ins Aus (6.). Dafür im Gegenzug zum ersten Mal der SSV mit einer Torannäherung – und was für einer: Herzel steckt zu Aosman durch, seine exakte Flanke schiebt Kurz aus nächster Nähe am VFL-Kasten vorbei – nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass der lange Defensivmann zum Goalgetter avancieren hätte können (6.).

Auch Andi Güntner fehlt die Chuzpe

Mit vielen unnötigen Ballverlusten, die zu Kontern führen, macht sich der Jahn das Leben schwer – zum Glück machen die Gastgeber bisher wenig daraus (7.). Erster Eckball für Osnabrück, nach weitem Einwurf hat der Deutsch-Kongolese Addy-Waku Menga die Schussmöglichkeit, wird aber geblockt (10.). Der VfL übernimmt zunehmend das Kommando, wieder ein Abschlussversuch, der zur Ecke geblockt wird. Menga dribbelt sich durch die Hintermannschaft, Oli Hein ist im letzten Moment dazwischen (12.). Die nächste richtig dicke Chance aber dann wieder für den Jahn: Thomas Kurz schickt Güntner in die Gasse, der geht allein auf den Torwart zu, aber Daniel Heuer Fernandes bleibt Sieger (19.). Die anschließende flache Ecke kommt auf Trettenbach, der das Ding gut zwei Meter über den Kasten drischt.

Während die Niedersachsen „Absteiger“ skandieren, ist Jahn-Keeper Bergdorf erstmals gefordert: Freistoß von Massimo Ornatelli aus 25 Metern aufs kurze Eck, der überraschte Keeper faustet zur Ecke (21.). Und immer wieder der Deutsch-Italiener: Ornatelli versucht’s mit dem direkten Eckball, der auf dem Jahntor landet (25.). Matthias Dürmeyer tut sich trotz erneut sehr ordentlicher Leistung auf der rechten Seite mit Menga reichlich schwer – und dann wollen die Osnabrücker auch noch den Elfer, aber Schiri Daniel Schlager lässt weiterspielen (30.). Aber auch ohne Strafstoß wird’s immer brenzliger für die Gäste: Nicolas Feldhahn zielt aus kurzer Distanz vorbei (31.).

Bester Regensburger steht im Tor

Und wenn der Jahn, nach Konter über Zlatko Muhovic, mal selber eine Standardsituation aus 35 Metern bekommt, tritt Stani Herzel den Ball ins Nirwana (32.). Wie man’s besser macht, zeigt der VfL: Der SSV kann sich bei Bergdorf bedanken, der einen Fallrückzieher Mengas und dessen anschließenden Kopfball pariert (33.). Kurz darauf erneut Riesenglück für den Tabellenletzten: Stephan Thee tunnelt Herzel, Menga trifft nur den Pfosten (33.). Bester Regensburger bis hierhin der Ersatzkeeper: Thee köpfelt Derichos Flanke auf Bergdorf, der abermals prächtig reagiert (36.).

Das Powerplay von Osnabrück bringt auch Hein in Schwierigkeiten. Feldhahn schnappt sich die Kugel und zielt von etwas hinter der Strafraumkante drüber (38.). Die nächste Bombenchance: Der kleine Menga gewinnt das Kopfballduell, Ornatelli zieht ab, der Ball geht vielleicht einen halben Meter vorbei (42.). Der Jahn tut zu wenig. Wo bleibt das geforderte Pressing? Immerhin mal etwas Entlastung: Trettenbach auf Muhovic, der einen Eckball rausholt – aber der ist verschenkt, Trette aus 30 Metern in die lila Mauer (44.). Mit 0:0 kann der Jahn einigermaßen zufrieden in die Kabine marschieren – bei einem Chancenverhältnis von 4:2 für die Gastgeber.

Wechsel-Fluch: wieder Gegentor nach Auswechslung

Das Hoffen auf die Postpausen-Offensive der Regensburger wird enttäuscht, der VFL zieht das Tempo an. Menga auf Wagner, der aus spitzem rechten Winkel über den Kasten zielt (50.). Für den heute unauffälligen Andi Geipl kommt jetzt Gino Windmüller (57.), der sich gleich einen Freistoß erkämpft. Windmüller übernimmt Kurz‘ Job im zentralen Mittelfeld, dieser wechselt nach rechts außen. Und wieder Mal das gleiche Lied: Der Jahn wechselt und nur eine Minute später trifft der Gegner. Die Osnabrücker kommen über rechts, Feldhahn bringt die Flanke auf Kandziora, der per Kopf zum 1:0 einnetzt (59.).

Und es geht weiter in Richtung Jahn-Tor. Ein Foul an der Außenkante des 16ers belohnt Kandziora mit einer aussichtreichen Schussposition. Das kann man freilich besser machen, keine Gefahr. Dafür holt der Torschütze Aosman beim Spielaufbau von den Beinen und sieht die erste Gelbe (63.). So wechselfreudig ist Alex Schmidt selten so früh: Er bringt für Thomas Kurz Daniel Franziskus und Jonas Erwig-Drüpel für Andi Güntner. Erneut wird’s aber vorm eigenen Tor gefährlich, weil Velagic patzt. Dürmeyer rettet mit Grätsche und sieht dafür ebenfalls Gelb. Die siebte Ecke der Gastgeber bringt nichts ein (65.).

Kein Joker sticht

Der VfL kann es sich leisten abzuwarten, was die Regensburger mit ihren drei Jokern jetzt noch zu bieten haben – die Gastgeber warten auf Konterchancen. Kandziora über links, Trettenbach blockt zur Ecke Nummer 8 (73.). Hatte Alex Schmidt nicht immer wieder davor gewarnt, unnötige Freistöße in aussichtsreicher Position zu provozieren? Der eingewechselte Alvarez drischt den Ball in die Mauer, Thees Nachschuss streicht übers Jahntor (76.). Während Kandziora zum Duschen darf, versucht sich Trettenbach mit einem Dribbling auf Aosman, und schon ist er wieder weg, der Ball – viel mehr kann man über die Regensburger Angriffsbemühungen derzeit nicht schreiben (80.).

Zwiegespräch im Jahn-16er, gerade noch zur neunten Ecke geklärt: Der eingewechselte Michael Hohnstedt versucht’s kurz, der zweite Ball ist im Aus (83). Wenn die Regensburger hier Chancen produzieren, dann für den Gegner: Fehler von Trettenbach, Alvarez verzieht (84.). Jetzt versucht es Oli Hein mit einem Verzweiflungsschuss aus 30 Metern, Fernandes gerade noch dran, Franziskus vergibt aus fünf Metern (85.). Was ist jetzt hier los? Träumt der VfL schon von der Siegesfeier? Muhovic ist bereits am Keeper vorbei, aber es reicht nur zur Ecke – warum nicht früher? Wann hat eine kurze Ecke zuletzt was eingebracht? Stattdessen gerade noch den Konter abgewürgt (87.).

Den Top-Scorer übersehen

Osnabrück hat jetzt viel Zeit, Walpurgis nimmt Thee vom Platz und schickt Glockner aufs Feld (88.). Oh Mann, Gino Windmüller verursacht einen Freistoß. In memoriam Schmidts Warnung kommt die Flanke auf den freistehenden Menga, erst kann Bergdorf den Kopfball noch abwehren, aber im zweiten Anlauf macht der – nach dem verletzten Stanislav Iljutcenko – zweitbeste Top-Scorer den Ball rein. Klar, 2:0 (92.), wer konnte schon mit einem Stürmer rechnen, der erst sechs Tore auf dem Konto hatte. Aus und vorbei, einer viel zu spät aufgewachten Jahnelf steht eine deprimierende Rückfahrt bevor. Wer soll da im Mannschaftsbus schon wieder Aufbauarbeit leisten?

Jetzt also noch der letzte Strohhalm: Mit zwei bis vier Verstärkungen – gesponsert wohl vom Füllhorn Tretzel – soll am Samstag, 18. Oktoker, nach der Länderspielpause die derzeit drei Punkte entfernte SG Sonnenhof Großaspach (ein Spiel weniger) niedergerungen werden. Die Hoffnung stirbt ohne jegliche Polemik ganz zuletzt.