Reitsport
Jung noch längst nicht am Ende

Rio de Janeiro. Michael Jung ist kein Feierbiest. Am Tag nach dem ersten Gold des deutschen Olympia-Teams saß der 34-Jährige am frühen Morgen gut gelaunt und einigermaßen ausgeschlafen im Deutschen Haus, wo er in der Nacht zuvor gemütlich auf seine Medaille angestoßen hatte. "Das war richtig nett", berichtete der Reiter, der um drei Uhr wieder im Olympischen Dorf angekommen war.

Jung ist ein ruhiger Mensch, kein Sprücheklopfer. Vor allem aber ist er ein Ausnahmekönner im Sattel, der die Konkurrenz in Angst und Schrecken versetzt. Wer soll diesen Man nur schlagen, der sogar mit seinem Zweitpferd olympisches Gold gewinnt? Und neben dem wegen Erkrankung ausgefallenen Takinou und Olympia-Pferd Sam stehen im Stall im heimischen Pferd noch weitere Toppferde.

"Er ist im Moment der beste Reiter der Welt und noch für viele Jahre", sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär im deutschen Reit-Verband FN. Die Konkurrenz wird sich wohl damit abfinden müssen, dass der Name Jung auch den kommenden Jahren immer wieder ganz oben auf der Siegerliste stehen wird. Drei Olympia-Siege, zwei Goldmedaillen von Weltmeisterschaften und sechs von Europameisterschaften ist die beeindruckende Zwischenbilanz mit gerade einmal 34 Jahren. Seit dem WM-Einzelsieg 2010 in Kentucky hat er bei jeder internationalen Großveranstaltung einen Titel gewonnen, meistens sogar zwei.

"Mancher Reiter hat Angst, dass er die Disziplin wechselt", sagte FN-Generalsekretär Lauterbach mit einem Augenzwinkern. Und passend dazu rief Vielseitigkeits-Bundestrainer Hans Melzer seinem Spring-Kollegen Otto Becker in Rio zu: "Soll ich ihn dir da lassen?" Jung würde, sollte das heißen, mit einem passenden Pferd auch bei den Spring-Spezialisten ganz vorne mitreiten. Ob er sein Gold-Pferd Sam jetzt aus dem Sport nimmt, ist offen: "Vielleicht, vielleicht auch nicht." Erstmal bekommt der Wallach eine längere Pause.
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