"Riesenschritt für Eishockey"

Marco Sturm, im Bild vor knapp einem Jahr bei seinem Abschiedsspiel in Landshut, ist als neuer Bundestrainer und Generalmanager des Nationalteams der starke Mann des deutschen Eishockeys. Bild: dpa

Mit einem mutigen Coup geht DEB-Präsident Reindl seinen Reformweg weiter. Der deutsche NHL-Rekordspieler Sturm - als Trainer noch ohne Erfahrung - bekommt die komplette Verantwortung für das Nationalteam.

Die Verlegenheitslösung Marco Sturm soll das deutsche Eishockey in eine erfolgreichere Zukunft führen. Völlig überraschend legte der DEB am Freitag die komplette Verantwortung für das schwächelnde Nationalteam in die Hände des deutschen NHL-Rekordspielers. "Das ist ein Riesenschritt für das deutsche Eishockey und für Marco Sturm, aber in erster Linie eine emotionale Aufladung für die Nationalmannschaft", begründete Verbandspräsident Franz Reindl die Ernennung des 36 Jahre alten ehemaligen Ausnahmestürmers zum neuen Bundestrainer und Generalmanager des Nationalteams.

"Wir wollten mit dem Doppeltitel zeigen, dass alle wissen: Marco Sturm hat das Sagen", stellte Reindl klar. Dies ist vor allem in der Bedingungslosigkeit so erstaunlich wie mutig. Sturm hat mit 1006 Spielen in der weltbesten Liga NHL so viele Partien auf dem Buckel wie kein anderer Deutscher und wurde selbst vom zweimaligen Stanley-Cup-Sieger Uwe Krupp als "Dirk Nowitzki des deutschen Eishockeys" geadelt. Nur Sturms Trainer-Erfahrung ist gleich null.

"Ich war vom Angebot ein bisschen überrascht", bekannte der frühere Nationalmannschaftskapitän, der erst im vergangenen Jahr seine Karriere beendet hatte. Nur elf Monate nach seinem Abschiedsspiel soll Sturm nun die Aufbauarbeit für Reindls ehrgeiziges Ziel leisten, das deutsche Eishockey bis 2026 in der Weltspitze zu etablieren. "Wir werfen ihn ins kalte Wasser. Wir glauben daran, dass Sturm dafür sorgen kann, dass die nächsten Ziele erreicht werden können", sagte der Chef des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB):

Nach enttäuschenden drei Jahren unter dem glücklosen Pat Cortina war Reindl auf der Suche nach einer Galionsfigur, mit der sich das deutsche Eishockey vor allem im Hinblick auf die Heim-WM 2017 vermarkten lässt. Eigentlich sollte dies wieder Krupp sein, unter dem Deutschland bei der bislang letzten Heim-WM 2010 sensationell Vierter geworden war. Als Chefcoach der Eisbären Berlin war Krupp aber nicht zu haben. Aus der Not heraus kam Reindl fast zwangsläufig auf Sturm.

"Er ist eine renommierte internationale Persönlichkeit, die Anerkennung hat bei den Nationalspielern, bei den Fans und überhaupt in der Öffentlichkeit. Er ist der ideale Mann, ein ideales Aushängeschild für das Produkt Nationalmannschaft", begründete Reindl seinen Coup. Dafür nahm der DEB auch Risiken und Kompromisse in Kauf. Lebensmittelpunkt der Familie Sturm dürfte weiterhin Florida bleiben. "Ich will so viel wie möglich hier sein - was nicht heißt, dass ich immer hier bin", sagte der neue Bundestrainer. Das Risiko der Unerfahrenheit als Trainer will der DEB mit Hilfe der Liga lösen. Sturm soll sich ein Team mit erfahrenen Coaches aus der DEL zusammenstellen.

Olympia-Qualifikation

Der Deutschland Cup Anfang November in Augsburg wird sein erster Härtetest. Die Herausforderungen, die danach warten, sind immens. Nach der WM 2016 in Russland steht in 14 Monaten die Olympia-Qualifikation in Riga an. "Da wird die Luft schon dünner", meinte Reindl. Sollte die Rückkehr auf die olympische Bühne gelingen, würde sich Sturms Vertrag bis 2017 automatisch bis 2018 verlängern.
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