Riesiger Imageschaden für die Fifa nach dem Rücktritt von Chefermittler Garcia
"Nichts mehr im Griff"

Fifa-Präsident Joseph Blatter gerät immer mehr in die Kritik. Bild: dpa
Joseph Blatter war kurz angebunden, als er im edlen Fünf-Sterne-Hotel La Mamounia zur zweitägigen Sitzung der Fifa-Exekutive in Marrakesch eintraf. Hinter verschlossenen Türen herrschte dagegen beim höchst umstrittenen Boss des Fußball-Weltverbandes und seinen Kollegen größter Redebedarf.

Nach dem Rücktritt von Chefermittler Michael Garcia ist die Fifa noch stärker ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das Konstrukt der Ethikkommission scheint gescheitert und die Forderungen - sogar aus den eigenen Reihen - nach einer Veröffentlichung des Garcia-Reports zu möglichen Korruptionsfällen rund um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar werden immer lauter. Die Fifa-Krise entwickelt sich auch zum Problem für das deutlich reformwilligere Internationale Olympische Komitee, dem Blatter als Fifa-Boss angehört.

Entscheidung am Freitag

Während am Donnerstag noch die weniger brisanten Themen auf der Tagesordnung in Marokko standen, wurde in Hinterzimmergesprächen das Vorgehen beim neuerlichen PR-Desaster abgesteckt. Am Freitag soll über den Antrag von Theo Zwanziger entschieden werden, den Garcia-Bericht zu veröffentlichen. Blatter führte Gespräche mit allen Präsidenten der Konföderationen. Die seit Wochen andauernde Blockadepolitik wird längst nicht mehr von allen Mitgliedern getragen.

Report veröffentlichen

"Es ist an der Zeit, möglichst große Teile des Reports zu veröffentlichen, soweit dies juristisch möglich ist. Wer nichts zu verstecken hat, sollte auch nicht besorgt sein, was am Ende dabei rauskommt", forderte Fifa-Vize Jim Boyce. Der Garcia-Report hat sich längst zum Eigentor der Fifa entwickelt, nachdem der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer nach Durchsicht der Akten "keine gravierenden Verstöße" bei den WM-Vergaben festgestellt hatte und durch die Fifa in seiner Einschätzung auch bestätigt worden war.

Ein Vorgang, der scharfe Kritik hervorrief. Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk fordert den Abgang des umstrittenen Präsidenten Joseph Blatter. "Es wird deutlich, dass die Fifa nichts mehr im Griff hat. Schenk befürchtet, dass der Tiefpunkt bei der Fifa noch nicht erreicht ist. "Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, ob es noch schlimmer geht. Bisher hat es die FIFA immer noch steigern können. Ich traue ihr da noch viel zu", betonte Schenk, die aber die leise Hoffnung hat, dass innerhalb der Exekutive ein Umdenken stattfindet.

Im Mai 2015 will sich der dann 79-jährige Schweizer für eine weitere Amtszeit zur Wahl stellen. "Wenn Blatter nicht nur den Garcia-Rücktritt und die Kritik übersteht, sondern auch wiedergewählt wird, sollten wir alle aufgeben", spottete der frühere englische Fußball-Star Gary Lineker auf Twitter.

Regeln eine Farce

Den Posten Garcias dürfte der Schweizer Staatsanwalt Cornel Borbely einnehmen, die Glaubwürdigkeit der Kommission wird er aber kaum wieder herstellen können. "Garcias Rücktritt ist eine Entblößung der selbstschützenden Korruption innerhalb der Fifa. Ihre Regeln sind eine Farce", sagte Phaedra Almajid, ein früheres Mitglied des WM-Bewerbungskomitees von Katar.
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