Russen vor dem Rauswurf

Untersuchungen in einem Dopinglabor: In Russland sollen Proben einfach verschwunden sein. Jetzt droht den russischen Leichtahleten der Ausschluss von den Olympischen Spielen. Bild: dpa

Wada-Ermittler Richard Pound war selbst über das Ermittlungsergebnis zum Vorwurf des flächendeckenden Doping in Russland entsetzt: "Es ist schlimmer, als wir dachten." Seine Kommission empfiehlt den Ausschluss von Russlands Leichtathleten aus dem Weltverband.

Russlands Leichtathleten droht der Ausschluss von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Wegen der ausufernden Dopingaffäre hat die Ermittlungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada einen Rauswurf der einst so großen Sportnation aus dem Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF empfohlen. Zugleich sprach sich das dreiköpfige Gremium am Montag in seinem 323-seitigen Bericht dafür aus, fünf russische Athleten sowie fünf Trainer auf Lebenszeit zu sperren.

Schwere Vorwürfe werden dem russischen Sportminister Witali Mutko gemacht. Er solle persönlich angeordnet haben, "bestimmte Dopingproben zu manipulieren". Russland wies die Forderung der Wada nach harten Strafen postwendend als politisch motiviert zurück. Zugleich erklärte Mutko in Moskau, dass die Wada zwar Empfehlungen aussprechen, aber niemanden selbst von Wettbewerben ausschließen könne. "Es war nicht möglich, dass er davon keine Kenntnis hatte", sagte Richard Pound, der Vorsitzende der Wada-Kommission, auf der Pressekonferenz in einem Nobelhotel am Genfer See.

Außerdem soll dem Kontroll-Labor in Moskau die Akkreditierung entzogen werden und dessen Direktor abgelöst werden. Grigori Rodschenkow gab zu, die Beseitigung von 1417 Dopingproben angewiesen zu haben.

Angesichts der immer größeren Dimension der Verfehlungen und kriminellen Umtriebe in der Welt-Leichtathletik schaltet sich nun auch Interpol ein. Die Weltpolizei kündigte in Lyon an, die internationalen Untersuchungen zu koordinieren.

"Es ist schlimmer, als wir dachten. Das ist ganz schön verstörend", meinte Wada-Gründungspräsident Pound. "Russland scheint ein staatlich unterstütztes Dopingsystem unterhalten zu haben", sagte der Kanadier. "Ich denke nicht, dass eine andere Schlussfolgerung möglich ist." Es sei enttäuschend, die Art und Weise und das ganze Ausmaß der Affäre zu sehen. Man müsse zu der Schlussfolgerung kommen, "dass es wahrscheinlich nur geschehen konnte, weil jeder (in Russland) es wusste und einverstanden war".

Die IAAF kündigte in einer Stellungnahme an, den Bericht zu prüfen und eine Suspendierung des russischen Mitgliedverbandes für künftige Wettbewerbe zu erwägen. "Das sind alarmierende Informationen", lautete der Kommentar von IAAF-Präsident Sebastian Coe. "Die Leichtathleten haben nun die Radfahrer abgelöst", konstatierte der anerkannte Dopingexperte Fritz Sörgel. Der Biochemiker forderte, dass ähnliche Untersuchungen auch in anderen Ländern wie Jamaika gemacht werden sollten.

Das Pound-Gremium war eingesetzt worden, um die in einer ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfe über Doping und Korruption im russischen Spitzensport zu untersuchen. In dem Film "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" waren am 3. Dezember 2014 geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen auf staatlich unterstütztes Doping präsentiert worden. Pound: "Die Kommission gratuliert der ARD zu diesem Bericht, der ein sehr gutes Stück journalistischer Berichterstattung darstellt."
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