Schleichender Niedergang

Zweitliga-Letzter, 13 Gegentore in nur vier Spielen, jetzt das Aus im Pokalwettbewerb - bei 1860 München geht weiterhin nichts voran. Trainer von Ahlen versucht irgendwie den Umschwung zu schaffen.

Bei den kriselnden Münchner "Löwen" wurde in der Vergangenheit schon so viel probiert, dass jetzt fast nur noch eines bleibt: Hoffnung. Mit bemerkenswerter Hingabe versuchte Trainer Markus von Ahlen nach einem 2:5 in der zweiten Pokalrunde gegen den SC Freiburg jede winzige positive Randerscheinung in den Fokus zu rücken. "Alle Spieler haben im Grunde genommen eine sehr stabile Leistung gezeigt", sagte er nach dem nächsten Rückschlag des Zweitliga-Tabellenletzten .

Alles probiert

Reihenweise Trainerwechsel, eine wilde Transferpolitik, Austausch des Präsidiums und des Sportchefs - schier alles haben die Münchner in den vergangenen Jahren versucht, um voranzukommen. Und müssen jetzt erkennen, so schlecht dazustehen wie fast nie. Gestartet als selbst ernannter Aufstiegskandidat sind die "Löwen" fußballerisch auf dürftigem Niveau gestrandet, in den jüngsten vier Pflichtspielen kassierten sie allein 13 Gegentore. "Man hat wieder eine Besserung gesehen, aber uns fehlen die Resultate", befand von Ahlen, der zuletzt schon beim 1:2 gegen Braunschweig in der Liga erstaunlich viele positive Dinge in der Öffentlichkeit aufgezählt hatte.

Von Ahlens Prämisse nach der Beförderung vom Co- zum Cheftrainer ist, die große Unruhe im Umfeld irgendwie einzudämmen. Mit bescheidenen neuen Zielen, milden Worten und dem Versuch, ein Zusammenhaltsgefühl zu erschaffen anstatt laut herumzupoltern. Das gelingt teilweise - am Mittwoch wurden die 1860-Profis trotz gleich fünf Gegentoren bei nur zwei eigenen Treffern von Valdet Rama (15.) und Rubin Okotie (69.) mit Applaus von den Anhängern verabschiedet. "Die Fans haben die Leistung mit ihrer Unterstützung mit möglich gemacht", verkündete von Ahlen, "dieses Wechselspiel brauchen wir, um irgendwann auch richtig erfolgreich zu sein."

Dass der Zeitfaktor dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist allen klar. Schlimmstenfalls könnte der Abstieg in die 3. Liga für den wirtschaftlich sowieso angeschlagenen Club bald zu einem ernsthaften Horror-Szenario werden. Das schnelle Aus im finanziell lukrativen Pokalwettbewerb schmerzt da doppelt. "Es bringt halt nichts, dass wir uns nach jedem Spiel hinstellen und sagen: Wir haben gut mitgehalten oder sonst was. Wir müssen einfach auch mal einen dreckigen Sieg holen", erkannte Mittelfeldprofi Daniel Adlung. Noor Basha, ein Vertrauter von Investor Hasan Ismaik, glaubt weiter an den Unschwung: "Fakt ist: Wir sind auf Platz 18. Viele schauen aber nur auf das Ergebnis, doch wir haben eine neue Kultur, Professionalität und Stabilität. Deshalb bewahren wir Ruhe", behauptete er im "Kicker".

Am Sonntag geht's in der Liga mit der Partie beim VfL Bochum weiter. Um die Abstiegsränge zu verlassen, bräuchten die Sechziger auf jeden Fall den dritten Saisonsieg.
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