Schweinsteiger sucht neuen Reiz

Bastian Schweinsteiger hat mit dem FC Bayern viele Erfolge gefeiert, der Gewinn der Champions-League 2013 war ein Höhepunkt. Mit fast 31 Jahren verlässt der Leader die bayerische Bühne und heuert bei Manchester United an. Bild: dpa

Der FC Bayern verliert ein Herzstück. Bastian Schweinsteigers Wechsel zu Manchester United wühlt die Fans in München auf. Der alternde Star greift noch einmal an.

Persönlich "Servus" sagen mochte Bastian Schweinsteiger den aufgewühlten Bayern-Fans nicht. Der in München als "Fußballgott" verehrte Weltmeister war längst in die Zukunft, in seine neue Wahlheimat England und zu seinem neuen Verein Manchester United aufgebrochen. Karl-Heinz Rummenigge musste am Wochenende bei der Teampräsentation des FC Bayern Pfiffe der über 60 000 Anhänger aushalten, als er in der Münchner Arena den spektakulären Blitztransfer verkündete. Nach 17 Jahren und 18 großen Vereinstiteln endete die Ära Schweinsteiger beim deutschen Rekordchampion abrupt.

Extreme Verdienste

Vom Bayern-Rot ins rote Dress der "Red Devils" - Schweinsteigers Wechsel vom deutschen zum englischen Rekordmeister erzürnte viele Anhänger. In der nüchternen Betrachtung des Fußball-Business ist es jedoch ein Millionen-Deal, der für alle Parteien nachvollziehbar ist. Einem Spieler mit "extremen Verdiensten" habe man den Wunsch für "eine neue Erfahrung, die ihm in seinem Leben gut tun wird", nicht verbauen wollen, begründete Rummenigge: "Wir wären ein bisschen hartherzig, wenn wir dem einen Riegel vorschieben würden."

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist den Lockrufen aus Manchester, wo er wieder mit seinem früheren Förderer Louis van Gaal zusammenarbeiten wird, erlegen. Das Werben schmeichelte einem Mann, der keine Lust auf die Abschiedstour eines alternden Stars in München verspürte, sondern in seinem neuen Leben mit der serbischen Tennis-Queen Ana Ivanovic auch sportlich einen neuen Impuls setzen möchte.

Dreijahresvertrag

Ein Dreijahresvertrag mit einem fürstlichen Gehalt soll Schweinsteiger unterschreiben, bevor er schon am Montag mit den neuen Kollegen wie Wayne Rooney in die USA reisen könnte. Bundestrainer Joachim Löw sieht in Schweinsteigers Wechsel ein starkes Signal für die kommende EM-Saison: "Ich bin davon überzeugt, dass der neue Reiz der Premier League Basti gut tun wird." In einem "sehr seriösen und ausführlichen Gespräch" hatte der Ur-Bayer Schweinsteiger Bayern-Chef Rummenigge direkt nach der Rückkehr aus dem Urlaub am Freitag eröffnet, den reizvollen letzten Karriereschritt auf der Insel wagen zu wollen. "Klar und deutlich" habe Schweinsteiger die Bitte formuliert, ein Jahr vor Vertragsende.

Rummenigge zeigte "Verständnis" für das Ansinnen und fand mit den Bossen von ManUnited rasch "eine sehr faire, sehr seriöse Lösung". Die Ablösesumme wird auf 15 bis 20 Millionen Euro taxiert. Das ist gutes Geld für einen Spieler von fast 31 Jahren, der in den vergangenen Jahren häufig und lange verletzt fehlte, dessen Verlust sportlich verkraftbar sein könnte, aber emotional nachhallen wird. Ein großes Abschiedsspiel in der Allianz-Arena nach der Karriere wurde Schweinsteiger zugesagt, ebenso ein Gespräch "über eine gemeinsame Zukunft in der zweiten Karriere", wie Rummenigge verriet: "Die Tür ist immer auf!"
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