Sensationelles EM-Gold
Hanning der Macher bei den Handballern

Der Macher im Hintergrund: Vizepräsident Bob Hanning zog auch bei der EM in Polen die Strippen. Bild: dpa
Sport DE/WELT
Deutschland und die Welt
03.02.2016
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Berlin. (dpa) Um 6.50 Uhr formulierte Bob Hanning im ZDF-Morgenmagazin seine Visionen für die Zukunft des deutschen Handballs, um 7.30 Uhr führte ihn der Weg am Dienstag in die Trainingshalle zur B-Jugend der Füchse Berlin. Hanning, "Macher" des deutschen EM-Triumphes, brennt wie kaum ein anderer für seinen Sport. Und er holte sich in der Vergangenheit durch seine Verbissenheit so manche Beule. "Nach dem Titel von Krakau verdoppelt sich die Zahl meiner Freunde mit jedem Tag. Es ist schon erstaunlich, wie viele Väter so ein Erfolg hat", sagte der Manager der Füchse Berlin am Dienstag mit einem Schmunzeln der Deutschen Presse-Agentur.

Immer zum Disput bereit


Hans Robert Hanning, den alle nur Bob nennen, ist einer, der keinem Disput aus dem Wege geht, wenn es nur der Sache dient. Nachdem er im September 2013 das Amt des Vizepräsidenten für Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB) übernahm, galt der 47-Jährige für viele als Reizfigur, weil er nie mit seiner Meinung hinter dem Berg hielt. Als er antrat, hatten die deutschen Handballer gerade die EM-Endrunde in Dänemark verpasst.

Doch der gebürtige Essener legte los, kappte Seilschaften, forderte neue Strukturen und setzte sie durch, suchte Lösungen im Konflikt zwischen Bundesliga und Auswahl. Der Erfolg der "Bad Boys" in Krakau gibt ihm recht. Und auch Vetternwirtschaft wirft ihm niemand mehr vor, wie noch an jenem Tag, als er den Berliner Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson als Coach zur Nationalmannschaft lotste. "Es war ein dornenreicher Weg", erinnert sich Hanning. "Aber ich empfinde keine Genugtuung. Mir ging es immer nur um den Handball", sagt er.

"Zartes Pflänzchen"


Sein Motto "In Leidenschaft steckt auch das Wort Leiden", wiederholt er gern. DHB-Präsident Bernhard Bauer trat seinetwegen zurück, zwischen Hanning und Weltmeister-Coach Heiner Brand herrscht seit Monaten "Funkstille". Doch auf dem Weg in eine neue Zukunft möchte Hanning gern alle mitnehmen. "Jeder soll begreifen, dass dieser Kurs alternativlos ist. Wir müssen jetzt auch mal komplett querdenken, und da sind meine Gedanken nicht abgeschlossen", sagte Hanning auf die Frage, was nun in Sachen Nachwuchs-Förderung geschehen muss, damit das "zarte Pflänzchen" nach dem Titelgewinn nicht gleich zertreten wird.

Die vor sieben Jahren eingeführten Jugend-Zertifikate und die Eliteförderung des DHB würden nun erst Früchte tragen. "Wir haben jetzt 18 neue Stars - das hilft den Vereinen und der ganzen Liga", meinte Hanning, den viele als "Gehirn" des deutschen Handballs loben. "Alles läuft schon viel besser als vor Jahren", sagte er und sprach von einem erfolgreichen Umbruch. Doch er bemerkte auch: "Alle Förderung nutzt nur, wenn wir auch Trainer haben, die unsere Talente in die Bundesliga-Teams integrieren."

Und gerade im Rausch des Erfolges warnt Hanning vor zu hohen Erwartungen an die Helden von Krakau. "Ich glaube, jetzt ist ein bisschen Demut angebracht, nicht gleich alles wieder in den Himmel zu heben", sagte er im ZDF. Die Mannschaft brauche Zeit und werde definitiv "große Rückschläge" erleben.
Nach dem Titel von Krakau verdoppelt sich die Zahl meiner Freunde mit jedem Tag.DHB-Vizepräsident Bob Hanning
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