Seriensieger entthront

Petrissa Solja gehörte zu den zuverlässigen Punktesammlerinnen für das deutsche Team, das in Portugal den EM-Titel verteidigte. Bild: dpa

Deutschlands Tischtennis-Teams haben ihre Ausnahmestellung in Europa teilweise eingebüßt. Timo Boll und seine Mitstreiter scheiterten im EM-Finale in Lissabon an Gastgeber Portugal. Die DTTB-Damen wiederholten ihren EM-Sieg von 2013.

Auch ein formstarker Timo Boll konnte seinen Auftritt bei der Tischtennis-EM in Lissabon nicht mit einem Rekord krönen. Mit versteinerter Miene saßen er und seine Teamkollegen am Sonntagabend minutenlang nach der Final-Niederlage gegen Portugal in der Spieler-Box der Meo Arena in Lissabon, während die Zuschauer um sie herum die neuen Europameister ausgelassen feierten. Nach sechs Titeln in Serie verlor die deutsche Herren-Auswahl das Endspiel gegen die Gastgeber mit 1:3 und musste sich mit Platz zwei begnügen.

Ein Punkt des Rekord-Europameisters Boll war zu wenig, um als erste Mannschaft des Kontinents sieben Mal hintereinander EM-Gold zu holen. "Portugal hat verdient gewonnen, sehr gut gespielt, fast über dem Limit und die Chance im eigenen Land genutzt", sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf und erkannte die Leistung der neuen Titelträger an.

Die Niederlage in einem hochklassigen Finale beendete am Sonntagabend die angestrebte DTTB-Mission Doppel-Gold und eine stolze Serie von 37 siegreichen EM-Matches hintereinander. Zuletzt hatten die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) im März 2005 in Aarhus gegen Rumänien verloren. Entsprechend niedergeschlagen gratulierten Boll und seine Mitstreiter Dimitrij Ovtcharov, Steffen Mengel und Patrick Franziska den erstmals erfolgreichen Portugiesen zum Sieg.

Deutlich enger, als es das Resultat aussagt, verlief das Damen-Finale. Die deutschen Spitzenspielerinnen Shan Xiaona und Han Ying gerieten jeweils 0:2 in Rückstand, bewiesen aber tolle Comeback-Qualitäten und drehten ihre Einzel. Die Berlinerin Petrissa Solja steuerte den dritten Punkt bei. "Das ist ein Super-Gefühl", sagte die Weltranglisten-Neunte Han Ying über ihr zweites EM-Gold. "Wir haben die schwierigen Situationen gemeistert und sind verdient Europameister", lobte Bundestrainerin Jie Schöpp.

Während die fünf DTTB-Damen deutlich stabiler geworden sind und mit voller Besetzung ihre taktischen Möglichkeiten ausspielten, konnte das Mini-Team der Herren die mentale Stärke in ungewöhnlichen Situationen im Endspiel nicht bestätigen.
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