Showdown in Abu Dhabi: Mercedes-Teamkollege Hamilton geht mit 17 Punkten Vorsprung ins WM-Finale
Rosberg muss auf Schützenhilfe hoffen

Kein Blickkontakt zwischen Lewis Hamilton (links) und Nico Rosberg: Die beiden Mercedes-Piloten, die keine Freundschaft verbindet, kämpfen in knapp zwei Wochen in Abu Dhabi um den WM-Titel in der Formel 1. Hamilton geht mit 17 Punkten Vorsprung ins letzte Saisonrennen. Bild: dpa
Im Psycho-Duell um den Formel-1-Titel glaubt Brasilien-Sieger Nico Rosberg fester denn je an die finale Wende. Gestärkt von seinem Bravourstück in São Paulo wittert der Mercedes-Pilot die Chance, auf den letzten Kilometern der Saison doch noch seinen Teamrivalen Lewis Hamilton abzufangen. "Ich glaube immer noch zu 100 Prozent daran, dass ich es schaffen kann, aber natürlich brauche ich dafür ein bisschen Hilfe", sagte Rosberg mit Blick auf den Showdown in Abu Dhabi in knapp zwei Wochen.

Aus eigener Kraft kann der 29-Jährige zwar nicht mehr Weltmeister werden, aber dank der doppelten Punktezahl im Wüstenrennen sind seine Perspektiven trotz 17 Punkten Rückstand durchaus ordentlich. "Ich gehe volle Attacke, versuche zu gewinnen - und dann sehen wir, was passiert", erklärte Rosberg. Ein WM-Triumph wäre für ihn die Krönung eines Traumjahres mit Hochzeit und langfristiger Vertragsverlängerung.

"Wäre lieber der Gejagte"

Nach zuletzt zahlreichen Rückschlägen ist Rosberg gerade noch rechtzeitig wieder da. "Das Rennen seines Lebens", bescheinigte ihm der britische "Telegraph" nach dem Sieg in Brasilien. " "Nico Rosberg hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen", schrieb "Le Figaro". Garantie für ein "Happy end" ist sein fünfter Saisonerfolg, mit dem er Hamiltons Siegesserie stoppte, indes nicht. Selbst wenn der gebürtige Wiesbadener in zwei Wochen erneut dominiert. "Lewis darf dann höchstens Dritter werden", zeigte er sich bestens informiert. "Ich wäre lieber der Gejagte."

WM-Spitzenreiter Hamilton wurmte seine Niederlage nach zuletzt fünf Siegen hintereinander zwar mächtig, weil er durch einen Fahrfehler entscheidend dazu beigetragen hatte. "Ohne meinen Dreher in der 28. Runde hätte ich gewonnen", versicherte er. "Verliert jetzt plötzlich Hamilton die Nerven?", fragte sich der Schweizer "Blick". Doch der Champion von 2008 reagierte angesichts seiner immer noch komfortablen Ausgangslage cool und gelassen: "Heute ging es um Punkte, nicht um den Titel. Das nächste Rennen wird anders." Eine klare Kampfansage.

Toto Wolff hofft indes, dass dieses titelentscheidende Finale "ein sauberes Rennen mit einem großen Fight wird, in dem sich beide nichts schenken". Der Mercedes-Motorsportchef versicherte, er gehe "nicht von einem Horrorszenario Prost-Senna aus, aber vielleicht stehe ich doch als Trottel da". Die einstigen McLaren-Rivalen Alain Prost und Ayrton Senna hatten sich mit allen Mittel bekämpft und dabei auch gegenseitig auf der Strecke abgeschossen.

Doppelte Punktzahl

Wolff wünscht sich zudem, dass nicht die doppelte Punktzahl die WM entscheidet. "Wer immer von beiden es auch wird, er ist ein würdiger Weltmeister", gab sich der Österreicher neutral und bezeichnete seine beiden Piloten als "unterschiedliche Persönlichkeiten" und "Traumbesetzung". Bezüglich der Beurteilung der doppelten Punktzahl stimmen die WM-Kontrahenten überein. Rosberg bezeichnete diese Reglementsänderung als "künstlich", aber jetzt sei sie für ihn "prima". Hamilton bewertete das genauso. Für Rosberg gibt es nun einige Optionen mehr, erstmals Champion zu werden, als wenn es auch beim Finale die üblichen 25 Punkte für den Sieger gegeben hätte. Im Extremfall würde ihm sogar ein fünfter Platz reichen, wenn Hamilton maximal Zehnter würde.
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